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Dopingprozess: Staatsanwalt fordert Haft, Verteidiger Bewährung | BR24

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Beim Dopingprozess um den Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt hat die Staatsanwaltschaft hohe Haftstrafen gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Haftentlassung und eine Bewährungsstrafe.

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Dopingprozess: Staatsanwalt fordert Haft, Verteidiger Bewährung

Beim Dopingprozess um den Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt endeten die Plädoyers in den Extremen: Wähend die Staatsanwaltschaft hohe Haftstrafen gefordert hat, plädierten die Verteidiger auf Haftentlassung und Bewährungsstrafe.

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Von
  • Frank Hollmann
  • Bernd R. Eberwein

Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe, dazu ein Berufsverbot von fünf Jahren – das fordert die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten Mark Schmidt im Münchner Dopingprozess.

Es stehe fest, dass der Erfurter Arzt zwischen 2013 und 2019 in etwa 100 Fällen zwölf Sportler gedopt habe, erklärte Staatsanwalt Kai Gräber in seinem Plädoyer. Er sprach von juristischem Neuland und einem anspruchsvollen Verfahren.

Für Schmidts mitangeklagten Haupthelfer forderte die Staatanwaltschaft ebenfalls eine Freiheitsstrafe, die Höhe: zweieinhalb Jahre. Die drei übrigen Angeklagten, darunter eine Krankenschwester, ein Notfallsanitäter und Schmidts Vater, sollen laut Anklage Bewährungsstrafen erhalten.

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Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe, dazu ein Berufsverbot von fünf Jahren - das fordert die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten, den Erfurter Arzt Mark Schmidt im Münchner Dopingprozess.

Verteidiger fordern Haftentlassung und Bewährungsstrafe

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Forderungen, die die Verteidiger in ihren anschließenden Plädoyers präsentierten: Die Schmidt-Anwälte forderten, dass der Haftbefehl ausgesetzt wird.

Schmidt habe durch die rund zweijährige Untersuchungshaft bereits fast zwei Drittel einer aus ihrer Sicht angemessenen Strafe von rund drei Jahren abgesessen. Der Rest wäre ihrer Meinung nach auf Bewährung zu verhängen. Eine vorzeitige Haftentlassung nach zwei Dritteln der Zeit ist gängige Praxis.

Kein Berufsverbot für Mark Schmidt

Auch das von der Staatsanwaltschaft geforderte Berufsverbot habe keine Verhältnismäßigkeit und wurde in den Plädoyers abgelehnt: Schmidt sei stets sorgfältig und als Arzt verantwortungsvoll gewesen.

Es gebe keinen sauberen Sport, deshalb sei es falsch, Doping strafrechtlich zu sanktionieren, so die Anwälte weiter. Zudem sollten die Sportler froh sein, beim Doping einen Arzt an ihrer Seite gehabt zu haben. Das Wohl der Sportler habe immer an erster Stelle gestanden, der Arzt habe sich auch nicht bereichert, sondern kostendeckend gearbeitet.

Das Urteil im Münchner Dopingprozess ist für den kommenden Freitag, den 15. Januar angekündigt.

Der Dopingprozess - die Vorgeschichte

Die Ermittlungen der "Operation Aderlass" waren die Grundlage für den bisher größten Dopingprozess in der Geschichte Deutschlands. Am 27. Februar 2019 kam es während der Nordischen Ski-WM zu Razzien in Österreich und Deutschland.

Der Erfurter Mediziner Mark Schmidt soll Spitzensportlern über Jahre hinweg beim Blutdoping geholfen haben. Er ist wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz und das Antidopinggesetz angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Arzt seit Ende 2011 regelmäßig weltweit Blutdoping betrieben hat. Mindestens 23 Athletinnen und Athleten in den Sportarten Langlauf, Biathlon, Eisschnelllauf, Leichtathletik und Radsport aus acht Nationen sollen in den Fall verwickelt sein.