BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Dopingprozess: Schmidt zu fast fünf Jahren verurteilt | BR24

© BR24 Sport

Der erste große Doping-Strafprozess in Deutschland seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes ist mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen. Der Thüringer Mediziner Mark Schmidt wurde in München zu einer Haftstrafe verurteilt.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Dopingprozess: Schmidt zu fast fünf Jahren verurteilt

Urteil im im bisher größten Dopingprozess: Das Landgericht München II hat Mark Schmidt wegen Sportbetrugs und gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Zudem erhält der Mediziner ein Berufsverbot von drei Jahren.

4
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Sport

Es war der bisher größte Doping-Prozess in der Geschichte Deutschlands: Nach 23 Tagen Beweisaufnahme und Plädoyers hat das Landgericht München II sein Urteil gefällt: Mark Schmidt wurde als Organisator des jahrelangen Blutdopings zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Zudem belegte das Gericht den Mediziner mit einem Berufsverbot von drei Jahren und einer Geldstrafe von 158.000 Euro.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schmidt mehrere Winter- und Radsportler über Jahre mit Blutdoping behandelte. Zudem verabreichte er einer österreichischen Mountainbikerin in einem Fall ein Präparat, das nicht für den Gebrauch an Menschen zugelassen war. Der 42-Jährige wurde deshalb von der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Marion Tischler auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

"Das Urteil ist von historischer Dimension. Es zeigt, dass das Anti-Doping greift und Doping Konsequenzen hat." Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte

Auch Helfer schuldig gesprochen

Auch die vier Helfer des Arztes wurden schuldig gesprochen: Als wichtigster Helfer des Mediziners erhielt der Handwerker Dirk Q. eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Die Krankenschwester Diana S. wurde zu einem Jahr und vier Monate auf Bewährung verurteilt. Der Notfallsanitäter Sven M. und Ansgard S. erhielten Geldstrafen. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich, sie sind noch nicht rechtskräftig.

Fünf Angeklagte geständig

Alle fünf Angeklagten hatten Geständnisse abgelegt. Schmidt gab zu, Chef der Gruppe gewesen zu sein. Das belegten auch Chatprotokolle von sichergestellten Handys. Sportler sagten aus, dass sie sich bei dem Arzt in guten Händen gefühlt hätten und daher keine Angst um ihre Gesundheit hatten. Einmal injizierte der Erfurter einer Athletin aus Versehen ein nicht für den Gebrauch am Menschen bestimmtes Präparat. Die Staatsanwaltschaft wertete das als gefährliche Körperverletzung.

Verteidiger bezeichneten Doping als festen Bestandteil des Hochleistungssports

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren für Schmidt als Organisatoren des Betrugs wegen Verstoßes gegen das Dopinggesetz und in einem Fall wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Verteidiger hatten in der Verhandlung dagegen behauptet, dass Doping fester Bestandteil des Hochleistungssports sei. Ihr Mandant habe den Athleten daher nur geholfen. Die Verteidiger plädierten für eine Aufhebung des Haftbefehls. Ihr Mandant habe bereits fast zwei Drittel einer aus ihrer Sicht angemessenen Strafe von rund drei Jahren abgesessen. Der Rest wäre nach ihrer Meinung auf Bewährung auszusetzen.

Erster großer Test für Anti-Doping-Gesetz

Das Verfahren war für das Anti-Doping-Gesetz von 2015 der erste große Test. Funktionäre und Anti-Doping-Kämpfer hofften auf hohe Strafen. Auch die Sportlervereinigung Athleten Deutschland wünschte sich im Vorfeld durch ein klares Urteil ein "wichtiges Zeichen" im Kampf gegen Hintermänner und Doping-Begünstigter.

"Operation Aderlass" bringt Ermittlungen ins Rollen

Aufgeflogen war das Dopingsystem durch spektakuläre Razzien im Rahmen der "Operation Aderlass" im Februar 2019 während der nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt. Dabei war in Seefeld der österreichische Skilangläufer Max Hauke in flagranti mit einer Bluttransfusion im Arm erwischt worden. Bekannt ist die Verwicklung von Sportlern aus acht Ländern. Dabei handelt es sich um Athleten aus den Bereichen Radsport, Skilanglauf, Biathlon, Eisschnelllauf und Leichtathletik.

© BR24 Sport

In München fiel das Urteil im Dopingprozess. Der Mediziner Mark Schmidt wurde zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt misst dem Urteil eine "historische Dimension" bei.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!