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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe, dazu ein Berufsverbot von fünf Jahren - das fordert die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten, den Erfurter Arzt Mark Schmidt im Münchner Dopingprozess.

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Doping-Prozess: Drei Fragen, drei Antworten

Die Plädoyers im Münchner Blutdoping-Prozess sind gesprochen: Was droht den Angeklagten, was fordert die Staatsanwaltschaft, was die Verteidigung? Antworten von BR-Sportreporter Frank Hollmann, der den Prozess beobachtet hat.

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Von
  • Frank Hollmann

Was droht dem Erfurter Arzt?

Die Staatsanwaltschaft hat eine harte Strafe gefordert: fünf Jahre Berufsverbot und eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Der Hauptangeklagte, der Thüringer Sportarzt Mark Schmidt, sitzt allerdings schon fast zwei Jahre in Untersuchungshaft, die Zeit würde natürlich angerechnet.

Und auch sein Haupthelfer soll eine Freiheitsstrafe bekommen, die drei anderen Helfer - darunter auch der Vater des Erfurter Arztes - Bewährungsstrafen.

Warum fordert die Staatsanwaltschaft diese Strafen?

Weil es der größte Betrug durch Doping ist, der in Deutschland bisher aufgedeckt wurde. Die Machenschaften des Arztes gehen - so die Anklage - schon seit über zehn Jahren.

2008 war Schmidt Mannschaftsarzt beim Radsportteam Gerolsteiner, schon dort soll es Dopingfälle gegeben haben. Aber 2011 startete der Arzt dann richtig durch, dopte - so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer - vor allem Langläufer und Radprofis. Und das auch bei Großveranstaltungen - von der Tour de France über Olympia in Südkorea 2018 und ein Jahr später bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld in Österreich - so war es vor und während des Prozesses immer wieder zu hören.

Die Anklage hat über 100 strafrechtlich relevante Fälle nachgewiesen. Strafrechtlich relevant deshalb, weil das deutsche Anti-Doping-Gesetz erst seit 2015 in Kraft ist. Dopingfälle zuvor können nicht belangt werden.

Doch es geht nicht nur um Doping. Mark Schmidt soll sich auch der Körperverletzung schuldig gemacht haben. Denn er hat - laut Anklage - einer Mountainbikerin ein neues unerprobtes Mittel gespritzt, es gab Nebenwirkungen, der Sportlerin ging es zeitweise richtig schlecht. Auch deshalb fordert der Staatsanwalt diese harte Strafe.

Was sagt die Verteidigung?

Die stellt die komplette Anklage in Frage. Es gebe keinen sauberen Sport mehr, sagten die Verteidiger, deshalb sei es falsch, Doping mit dem Strafrecht zu sanktionieren. Und Doping mit Eigenblut sei erst recht kein Straftatbestand. Zudem habe die Gesundheit der Sportler bei dem Erfurter Arzt immer an erster Stelle gestanden, die Sportler sollen froh gewesen sein, einen Arzt beim Doping an ihrer Seite gehabt zu habe.

Das Plädoyer der Verteidigung: Kein Berufsverbot, sondern ein sofortiges Ende der Haft.

Urteil am 15. Januar

Am kommenden Freitag soll das Urteil verkündet werden. Egal wie es lautet, es wird das Ende eines Verfahrens sein, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat. Juristisches Neuland nannte es der Staatsanwalt. Schließlich gibt es das Anti-Doping-Gesetz erst seit etwas über fünf Jahren.

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