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Doping-Prozess: Rad-Manager Erzen fragte bei Schmidt an | BR24

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Der Angeklagte (2.v.l.) mit seinen Anwälten

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Doping-Prozess: Rad-Manager Erzen fragte bei Schmidt an

Im Dopingprozess gegen den Sportarzt Mark S. kamen erneut Details als Licht. Offenbar wollte auch der slowenische Radsport-Manager Milan Erzen mit dem Doping-Arzt Mark Schmidt zusammenarbeiten.

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Am Freitag (27.11.2020) berichtete ein involvierter Zollbeamter als Zeuge vor dem Landgericht München II, dass Radsport-Funktionär Milan Erzen vor Jahren an Mark Schmidt herangetreten sein soll. Das habe der Mediziner bei einer seiner Vernehmungen nach dem Auffliegen des Doping-Rings erzählt. Die Anklage wirft Schmidt Dopingpraktiken über mehrere Jahre vor, dem Erfurter Mediziner droht eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess sollte eigentlich vor Weihnachten enden, wurde aber zuletzt zunächst bis zum 11. Juni 2021 verlängert.

Erzen bestreitet Vorwürfe

Erzen, der als großer Macher im slowenischen Radsport gilt, "wollte eine Geschäftsbeziehung eingehen", sagte der Ermittler. Demnach habe Erzen bei Schmidt unter anderem nach "einer Maschine" - offenbar zur Aufbereitung von Blut - angefragt. Aktuell arbeitet Erzen beim Elite-Rennstall Bahrain-Merida, die Vorwürfe stritt er bereits 2019 ab, als die französische Presse über die Ermittlungen berichtete.

Nach Bekanntwerden der Affäre um die "Operation Aderlass" und die Berichte über Erzen hatte der Radsport-Weltverband UCI Untersuchungen gegen den Manager eingeleitet, aber kein Verfahren eröffnet. Schmidt habe eine Zusammenarbeit mit Erzen aber abgelehnt, sagte der Zollbeamte aus Nürnberg, der bei zwei Vernehmungen mit dem Arzt im Frühjahr 2019 dabei war. Der Rad-Manager habe später noch über SMS Kontakt aufgenommen und nachgehakt. Doch Schmidt habe nicht reagiert.

Initiative soll von Sportlern ausgegangen sein

Bei der Beschreibung seiner Rolle in dem Doping-Netzwerk versuchte Schmidt erneut den Eindruck zu erwecken, dass er nicht den ersten Stein geworfen habe. Vielmehr habe es eine große Nachfrage unter den Sportlern gegeben. Nachdem er die notwendigen Maschinen für das Blutdoping übernommen hatte, "kamen schon die Anfragen von Sportlern", sagte er aus. Wie schon bei seinem Geständnis versuchte er sich als eher harmlos und etwas naiv zu inszenieren. Er habe den Strafrahmen "völlig falsch eingeschätzt und nie gedacht, dass mir eine Inhaftierung droht".

Bei seinem Geständnis Ende September hatte er erklärt, dass es ihm nicht um Geld gegangen sei. Zudem sei es ihm immer wichtig gewesen, die Gesundheit der Sportler zu schützen. Der Skandal war durch die "Operation Aderlass" bei der Nordischen Ski-WM im Februar 2019 in Seefeld aufgeflogen. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch den österreichischen Langläufer und Kronzeugen Johannes Dürr. Bisher bekannt ist die Verwicklung von 23 Sportlern aus acht Ländern.

Kritik an Haftbedingungen

Dafür kritisierte er umso deutlicher die unwürdigen Bedingungen seiner Haft. "Ich wusste nicht, wo ich gelandet bin. Das hat meine ohnehin schwer angeschlagene Psyche schwer beeinträchtigt", so Schmidt. In der U-Haft habe er in einem versifften Bett schlafen müssen, "wie wenn ich zu Hause drei Jahre nicht putze", schilderte der Sportarzt. Er habe erleben müssen, wie sich ein Hepatitis-C-Kranker den Arm aufschlitzte und im Bad das Blut verspritzte. Es habe 30 bis 40 Minuten gedauert, bis der Inhaftierte abgeführt worden sei. Ein anderer Inhaftierter habe stundenlang in einer Erwachsenenwindel in seinen Exkrementen gelegen.

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Im Dopingprozess gegen den Sportarzt Mark Schmidt hat sich der Hauptangeklagte erneut geäußert, dürfte aber kaum zu seiner Entlastung beigetragen haben.