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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Einmal mehr sorgt die ARD-Dopingredaktion für Schlagzeilen. Das Ergebnis eines Experiments: Durch flüchtigen Hautkontakt können Dopingmittel übertragen werden.

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Doping per Hautkontakt? ARD-Recherche sorgt für Diskussionen

Ein Experiment der ARD-Dopingredaktion sorgt für Diskussionen: Dopingmittel können schon per Hautkontakt übertragen werden. Die Welt-Doping-Agentur WADA spricht von einem "seltenen Ereignis", ein Sportrechtler befürchtet dagegen weitreichende Folgen.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Die ARD-Dopingredaktion um Hajo Seppelt hat bei den Recherchen für die neueste Ausgabe von "Geheimsache Doping" gemeinsam mit der Rechtsmedizin der Uniklinik Köln ein ungewöhnliches Experiment gewagt: Können Dopingsubstanzen durch kurze Berührungen an Hand, Nacken oder Arm übertragen werden?

Ja, so das Ergebnis der Mediziner der Uniklinik. Alle zwölf Testpersonen hätten nach der Untersuchung unter massivem Dopingverdacht gestanden. Die Spuren waren bis zu 15 Tage danach nachweisbar.

WADA: Phänomen ist "gut bekannt"

Muss der Kampf gegen das Doping im internationalen Sport also neu angegangen werden? Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) geht zurückhaltend mit den jüngsten ARD-Recherchen um.

Die Möglichkeit, dass Dopingmittel über die Haut übertragen werden könnten, sei "gut bekannt", teilte die WADA mit. Allerdings betrachtet diese es "als ein sehr seltenes Ereignis (...), basierend auf der geringen Anzahl solcher Fälle, die in der Vergangenheit aufgetreten sind."

Zudem sei das Potenzial "wissenschaftlich auf eine sehr kleine Anzahl von verbotenen Substanzen beschränkt", so die WADA. Allerdings will die Agentur die Situation gemeinsam mit der ARD-Dopingredaktion weiter verfolgen.

Sportrechtsanwalt befürchtet neue Dopingprozesse

Diese lockere Einschätzung teilen allerdings nicht. "Die Befunde aus den Experimenten der ARD-Dopingredaktion werden dazu führen müssen, das Prinzip der 'strict liability' ('strikte Haftung', Anm.d.Red.) und des Beweismaßes des WADA-Codes neu zu bewerten", sagt beispielsweise der renommierte Sportrechtsanwalt Rainer Cherkeh.

Der Anwalt aus Hannover befürchtet, dass viel Arbeit auf den Internationalen Sportgerichtshof CAS zukommen könnte. "Bei in der Vergangenheit liegenden, strittigen Dopingfällen rechne ich in Einzelfällen mit Wiederaufnahmeverfahren vor dem CAS", so Cherkeh.