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Digitalisierung und E-Sport - der Skiverband ist skeptisch | BR24

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DSV-Direktor Wolfgang Maier spricht über die Digitalisierung und den Nachwuchs im Wintersport. Er sieht E-Sport sehr kritisch und bemängelt die Bequemlichkeit der Jungen. "Wir stehen für Bewegung und körperlichen Sport", meint Maier.

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Digitalisierung und E-Sport - der Skiverband ist skeptisch

Gehen dem Deutschen Skiverband die Nachwuchstalente aus? Alpindirektor Wolfgang Maier erklärt, warum die Digitalisierung neue Herausforderungen mit sich bringt und wieso E-Sport die Verbandsziele "torpediert."

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Einige Podestplatzierungen, aber auch zahlreiche Enttäuschungen - der Start in die aktuelle Weltcupsaison verlief für den Deutschen Skiverband (DSV) durchwachsen. Im Jahr eins nach Rücktritten von Galionsfiguren wie Laura Dahlmeier und Felix Neureuther muss der Verband in manchen Disziplinen Lücken an der Spitze füllen, aber auch junge Talente an die Weltcupteams heranführen.

Kein Aktionismus beim DSV

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier bleibt trotzdem gelassen: "Wenn man eine Delle hat oder eine Leistungsreduzierung, wird die Zeit benötigt - mit oder ohne Druck", sagt Maier, der seit 2006 den Alpinbereich als Sportdirektor verantwortet: "Natürlich muss man sich verändern, natürlich muss man auch Personen in dem System ändern. Aber mit Druck hat man bei uns noch nie Erfolg gehabt."

Heißt auch: Von überstürzten Handlungen und Aktionismus hält Maier wenig. Schnelle Trainerwechsel bei ausbleibenden Erfolgen wie im Fußball? "Der DSV hat über Jahre hinweg aus meiner Sicht sehr weitsichtig gehandelt, indem man nicht das System sofort an die Wand gestellt hat und gleich die Trainerköpfe gefordert hat - weil das am Schluss noch nie wirklich etwas gebracht hat", so Maier.

Die größten Herausforderungen: Digitalisierung und E-Sport

Was Maier aber Sorgen bereitet: Die allgegenwärtigen Umwälzungen in der Gesellschaft und Themen wie Digitalisierung und E-Sport. Im Werben um Nachwuchs erschweren zwei aktuelle Trends die Arbeit im Deutschen Skiverband erheblich.

"Wir merken fast jeden Trend - und zwar an der Anzahl der Kinder, die in den Sport reinkommen", sagt Maier: "Die Digitalisierung hat - wie immer - einen Vorteil, aber auch viele Nachteile. Aus meiner Sicht macht es die Jugendlichen und Kinder wesentlich bequemer als früher. Man hängt sich ans Handy ran und schaut in irgendeinem Stream oder man kuckt halt irgendwas. Aber man hat keine Initiative mehr."

Maier: "E-Sport torpediert richtigen körperlichen Sport"

Digitaler Konsum und Bewegung - beides zusammen geht nicht, glaubt Maier: "Deswegen sind wir auch in Konfrontation mit dem Thema E-Sport. Nicht, weil wir gegen E-Sport sind. Sondern weil der E-Sport aus unserer Sicht das, wofür wir als stehen, nämlich für Bewegung, für richtigen körperlichen Sport, komplett torpediert."

Maier übt Kritik an der Gamingszene: Dass virtuelle Sportsimulationen dazu führen, dass man auch realen Sport ausübt, glaubt er nicht. "Die Kinder schauen E-Sport, FIFA20 oder irgendein Ski-Simulationsrennen an, aber gehen danach keinesfalls rausgehen und und spielen danach Fußball, fahren Ski oder Snowboard - das tun sie einfach nicht. Und das ist das, was nicht objektiv dargestellt wird aus der Spielszene", so Maier.

Probleme bei der Nachwuchswerbung

Und genau da liegen seiner Ansicht nach die aktuellen Probleme bei der Nachwuchswerbung: "Es ist etwas, was total kontrovers zu dem, wofür wir stehen. Wir stehen als Sportverband für Bewegung, für körperliche Entwicklung ... Und deshalb haben wir natürlich in vielen Bereichen mit der Digitalisierung ein Problem, was die Akquise der Kinder und Talente betrifft, die sich in den Sport reinbewegen."