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Diego Maradona wird 60 - zwischen Genialität und Tragik | BR24

© imago images/Laci Perenyi

Diego Maradona 1986 mit dem WM-Pokal

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    Diego Maradona wird 60 - zwischen Genialität und Tragik

    Einmal Hölle und zurück: Einst Fußball-Weltmeister, dann im Drogensumpf. Nach Entzug die Rückkehr ins Rampenlicht als Trainer, derzeit wieder dem Verfall geweiht: Jahrhundertfußballer Diego Maradona wird 60.

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    Will man verstehen, wie eng bei Diego Armando Maradona Franco, kurz: Diego Maradona, Genie und Wahnsinn beisammen liegen, lohnt sich eine Zeitreise zurück ins Jahr 2000 nach München.

    Deutschlands Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hatte zu seinem Abschiedsspiel ins Olympiastadion geladen. Misstrauisch wurde Matthäus' Ankündigung aufgenommen, dass Maradona - quasi als Stargast - kommen werde.

    Denn der war Anfang 2000 nach Kuba geflüchtet. Nicht der Zigarren und des Rums wegen. Maradona war schwer krank und wegen einer Drogen-Entziehungskur auf Castros fideler Zuckerinsel, wo er bis 2005 neben dem Entzug auch noch mindestens drei, vielleicht auch vier, Kinder gezeugt hat.

    © picture-alliance/dpa

    Diege Maradona 2003 auf Kuba

    Maradona - ein Jahrhundert-Fußballer

    Maradonas große Zeit war damals längst vorbei. Er sammelte Meistertitel, Pokalsiege und den UEFA-Cup-Triumph mit dem SSC Neapel zwischen 1987 und 1990. Mit der argentinischen Nationalmannschaft gewann er 1986 den Weltmeistertitel.

    Mehrmals war er wahlweise Südamerikas, Argentiniens oder Italiens Fußballer oder Sportler des Jahres. In seiner Heimat Argentinien wählten sie ihn 1999 gar zum Jahrhundertstportler, der Weltfußballverband FIFA kürte ihn 2000 zum Jahrhundertfußballer.

    Letzteres allerdings widerwillig. Wegen seiner da schon reichlichen Skandale war Maradona für die FIFA nur schwer zu vermarkten. Der Titel wurde zwei Mal vergeben: Die FIFA entschied sich für Brasilien-Legende Pelé, die Fans votierten in einer Internetabstimmung klar für Maradona.

    Dick, krank - und immer noch genial am Ball

    Beim Matthäus-Abschiedsspiel war Maradona tatsächlich da. Vier Tage Pause nahm er sich vom Drogen-Entzug auf Kuba, um dem Wunsch seines Freundes - Matthäus und Maradona kennen und schätzen sich seit dem ersten Aufeinandertreffen in einem Länderspiel 1981 - zu folgen.

    Und obwohl Maradona im Münchner Olympiastadion - übergewichtig, aufgedunsen, unbeweglich - nur wie eine Karikatur seiner selbst wirkte, blitzte in den Momenten, in denen er den Ball bekam, immer wieder auf, warum ihn der Mythos eines einzigartigen Fußballers umwehte.

    FC-Bayern-Spieler Thomas Müller, damals gerade zehn Jahre alt und Live-Zuschauer beim Matthäus-Abschiedsspiel, brachte es einmal treffend auf den Punkt. "Er hatte damals schon ein paar Pfunde zuviel", erinnerte sich Müller einmal anno 2010: "Aber was er am Ball veranstaltet hat, war Weltklasse."

    © imago images/Pressefoto Baumann

    Maradona (rechts) beim Lothar-Matthäus-Abschiedsspiel 2020

    Maradonas Neuanfang in Bayern

    Matthäus Abschiedsspiel war tatsächlich ein kleiner Wendepunkt im Leben Maradonas, dessen Karriere eigentlich komplett am Ende war. Schon in seiner aktiven Zeit war er wegen unerlaubter Hilfsmittel - Kokain und Appetitzügler - zwei Mal für je 15 Monate gesperrt worden. Wie lange er insgesamt Drogen konsumierte, ist unklar.

    Diesmal blieb Maradona tapfer. Auch wenn er später noch einmal rückfällig wurde: Nach zwei Jahren Entzug war er vorübergehend "clean". Maradona arbeitete daran, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. 2001 feierten 50.000 den Geläuterten bei dessen eigenem Abschiedsspiel im Estadio Alberto Jacinto Armando, der Heimspielstätte seines einstigen Klubs Boca Juniors.

    "Ich habe geirrt und bezahlt, aber der Fußball bleibt unbefleckt", sagte Maradona unter Tränen nach dem Fußballfest in Buenos Aires. Maradona nahm weiter ab und kehrte peu à peu in die Öffentlichkeit zurück.

    © imago images/Miguelze Sports Foto

    Diego Maradona bei seinem Abschiedsspiel 2011 mit seinen Töchtern Dalma und Giannina

    Beim TSV 1860 mit der Zigarre auf dem Trainingsplatz

    2008 wurde Maradona - unter anderem nach erneuter Entziehungskur und Magenverkleinerung - überraschend argentinischer Nationaltrainer, obwohl er zuvor nur mäßig erfolgreich Kurzzeitcoach bei den argentinischen Erstligaklubs Textil Mandiyú und Racing Club war.

    Wieder zog es ihn mehrmals nach München. Zum einen spielten seine Nationalkicker Martin Demichels und Ernesto Sosa damals beim FC Bayern. Zum anderen für ein Test-Länderspiel 2010 gegen Deutschland in der Allianz Arena.

    Maradona war längst wieder der gut gelaunte Entertainer. Eine Trainingseinheit auf dem Gelände des TSV 1860 München verfolgte er mit dicker Zigarre im Mund, seine Pressekonferenzen hatten großen Unterhaltungswert. Maradona, so schien es, schien in Bayern stets aufzublühen.

    © imago images/Lackovic

    Diego Maradona (links) 2010 beim Training auf dem Gelände des TSV 1860 München

    Schon zu seiner Zeit als Neapel-Spieler hatte es ihn immer wieder in den Freistaat gezogen: Per Privatjet nach Augsburg ins Lokal eines Freundes - Maradona und das Dolce Vita waren stets beste Freunde.

    Maradonas erneuter Niedergang in den 2010er-Jahren

    Nach der Weltmeisterschaft 2010 und dem 0:4-Aus gegen Deutschland wurde Maradona vom argentinischen Verband entlassen. Eine neue Phase der Tiefpunkte begann.

    Maradona versuchte sich überwiegend erfolglos als Trainer und Funktionär in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland und Mexiko. Seit dem vergangenen Jahr trainiert der den argentinischen Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata.

    Der Argentinier hat wieder kräftig zugelegt, rund und unbeweglich wirkt er, wenn er sein Team von der Seitenlinie dirigiert. Sportlich läuft es durchwachsen. Beim Saisonabbruch wegen der Corona-Pandemie war sein Team nur auf Platz 19 bei 24 Mannschaften.

    © imago images/Agencia EFE

    Diego Maradona als La-Plata-Trainer im Februar 2020

    Maradonas Hintern im Internet - Streit mit der Familie

    Für Schlagzeilen sorgt Argentiniens Ikone nur noch jenseits des Platzes. Zuletzt im Juni, als ein frisches Internetvideo aufgetaucht ist: Maradona tanzt mit einer Frau, langsam, behäbig - und lässt plötzlich die Hosen runter und präsentiert sein Gesäß.

    "Für euch ist es Maradona, für mich ist es ein Video von meinem alten Vater ... Für mich ist es, Wunden wieder zu öffnen. Es ist enorm traurig, das zu sehen", kommentierte Tochter Giannina das Video in den sozialen Netzwerken.

    Das Verhältnis zu ihr, Schwester Dalma und deren Mutter und Ex-Managerin Claudia Villafane ist seit dem vergangenen Jahr zerrüttet. Das Trio sorgte sich öffentlich um Maradonas Gesundheit, er werde von falschen Freunden, darunter Ex-Freundin Rocío Oliva, ausgenutzt.

    Der Gescholtene konterte und kündigte an, dass er seine Töchter enterben wolle. Diego Armando Maradona Franco ist mit 60 Jahren näher am Wahnsinn als am Genie.