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Wie geht's weiter im Deutschen Fußball-Bund nach dem bevorstehenden Rücktritt von Präsident Fritz Keller? Stimmen und Stimmungen nach dem DFB-Beben.

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Die Suche nach dem idealen DFB-Neuanfang und Präsidenten

"Desaster", "Trauerspiel" - Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag und Sylvia Schenk von Transparency International reagieren mit deutlichen Worten auf das Chaos im Deutschen Fußball-Bund: Die Kritik richtet sich gegen DFB-Vize Koch.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Die angekündigten Rücktritte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die bevorstehende Interimsphase unter den Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters sorgt für reichlich Gesprächsstoff, nicht nur bei Fußballfans.

In der Öffentlichkeit wie längst über prominente Wunschkandidaten für den Posten des DFB-Präsidenten diskutiert - von Karl-Heinz Rummenigge über Rudi Völler bis Philipp Lahm - die Liste ist lang. Doch bis es einen neuen Mann an der DFB-Spitze gibt, steht erst einmal die Aufarbeitung an.

Dagmar Freitag: "Ein Desaster"

Einen Tag nach dem DFB-Beben nannte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, die jüngsten Entwicklungen ein "Desaster".

Während sich Noch-Präsident Fritz Keller, Vize Rainer Koch & Co. derzeit bis zur DFB-Sportgerichtsverhandlung am kommenden Montag nicht äußern wollen, melden sich prominente Kritiker zu Wort.

"Wir schauen ja schon seit Jahren auf einen völlig in sich zerstrittenen Verband. Auf Führungspersonen, die aus unterschiedlichsten Gründen offenbar nicht bereit oder in der Lage sind, miteinander zu arbeiten", sagte Freitag im Interview mit BR24 Sport: "Das ist für einen solchen großen, mitgliederstarken Verband aus meiner Sicht wirklich einfach ein Desaster."

Sylvia Schenk: "Übersteigt meine Phantasie"

Ähnlich harte Worte fand Sylvia Schenk, ehemaliges Vorstandsmitglied und Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International. "Das war ein Trauerspiel, was wir die letzten Wochen und Monate erlebt haben", sagte sie gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Ich hatte schon länger Zweifel, ob das mit Herrn Keller und der Gesamtkonstellation im DFB noch lange gutgehen würde. Aber wie sich das jetzt entwickelt hat, das hat meine Phantasie überstiegen."

Wie ernsthaft ist der Neuanfang?

Beide, Freitag und Schenk, begrüßen den vom DFB in Aussicht gestellten Neuanfang. Doch es bleiben Zweifel, wie ernsthaft dieser angegangen wird.

Freitag wirbt dafür, "wirklich einen personellen Neuanfang auch mal mit Leuten von außen zu starten." Schenk sagt: "Das Wichtige ist, dass die an der Spitze, die das alles angerührt haben, dann wirklich weg sind - aus meiner Sicht."

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Dagmar Freitag, die Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestages, über die bevorstehende Neuausrichtung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Kritik gibt es aber am zeitlichen Ablauf: Vor allem Schenk geht es nicht schnell genug. Geht es nach dem DFB, soll es erst 2022 vorgezogene Neuwahlen geben, bis dahin die Interimsphase mit Koch und Peters. Zwar sei ein geordneter Übergang beim größten Sportverband der Welt wichtig, "aber spätestens im Herbst sollte man wirklich mit dem Neuanfang beginnen."

Zweifel an Interimsphase unter Rainer Koch

Unglücklich empfinden Freitag und Schenk die Situation, dass Vize Rainer Koch die Übergangsphase mitsteuern soll.

"Wenn man die Querelen des letzten halben, dreiviertel Jahres beobachtet hat, ist eben klar, dass Rainer Koch ja auch mit im Fokus von Vorwürfen und somit auch von Aufklärung betroffen ist", sagte Freitag. Sie sei gespannt, wie Koch "diesen Spagat hinbekommen will", diese Interimsphase zu organisieren.

Schenk glaubt, "Herr Koch, da hatte ich schon den Eindruck die letzten Wochen, wäre am liebsten auf Dauer geblieben. Insofern ist es schon mal ein ganz deutlicher Schritt nach vorne, dass er jetzt eingesehen hat: Ich trete nicht noch einmal an."

Philipp Lahm - der ideale DFB-Präsident?

Zum möglichen neuen DFB-Präsidenten - das Amt wird jährlich mit einer Aufwandsentschädigung von 246.000 Euro versüßt - äußerten sich beide zurückhaltend. Als möglicher Name fiel nur Philipp Lahm. "Das wäre übrigens jemand, den ich mir vorstellen könnte", sagte Freitag über den ehemaligen FC-Bayern-Spieler: "Aber ansonsten möchte ich mich an Spekulationen nicht beteiligen."

"Ich habe eine gute Meinung zu Herrn Lahm, gerade wie er zu Themen wie Nachhaltigkeit mit den sozialen Aspekten und allem steht", erklärte Schenk. Aber: "Ich habe aber bisher den Eindruck gehabt, dass er sich sowas wie den DFB-Präsidenten nicht antun wird."