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Die Bundesliga auf der "gelben" Welle | BR24

© dpa-Bildfunk

Video-Assist-Center in Köln

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    Die Bundesliga auf der "gelben" Welle

    Die Deutsche Fußball-Liga hat ihr neues Videobeweis-System vorgestellt, das erstmals zur neuen Saison zum Einsatz kommt. Doch nicht nur technisch ändert sich einiges: Auch in Sachen Regelinterpretation stehen einige Neuerungen an.

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    Die Fußball-Bundesliga auf dem Weg in ein neues technisches Zeitalter. Wenn am 18. August der Ball im Saison-Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen rollt, kommt erstmals der jüngst beim Confed Cup erprobte Videobeweis zum Einsatz. "Spieler, Manager und Schiedsrichter freuen sich darauf, dass der Fußball ein Stück weit gerechter wird", sagte Ansgar Schwenken aus der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bei einer Vorstellung heute in Köln.

    Was die DFL besser machen will als der Weltfußballverband FIFA beim Confed Cup? In Deutschland werxden die Schiedsrichter bereits seit einem Jahr intensiv geschult. Vor dem Confed Cup hatten die Schiris nur zehn Tage, um sich mit dem neuen System vertraut zu machen. 1,8 Millionen Euro investiert die DFL in die Technik, 23 Schiedsrichter wurden für die Rolle als Video-Referee geschult. "Jeder weiß, wie der andere tickt. Jeder vertraut dem Assistenten", sagt Sascha Stegemann, einer der Auserwählten.

    Was kann überprüft werden?

    Grundsätzlich erlauben die internationalen Regelhüter vom IFAB-Board den Einsatz des Videobeweises in vier Fällen: Torerzielung (Foul oder Abseits vorher?), Elfmeter (richtig oder falsch?), Platzverweis (berechtigt oder nicht?), Spielerverwechslung bei Gelber und Roter Karte. Bis zu sechs Video-Schiri gleichzeitig sitzen in Köln im Cologne Broadcast Center vor TV-Bildschirmen, zwei Videooperatoren bereiten die kritischen Szenen auf, ein Supervisor aus der Schiedsrichter-Elitekommission überwacht alles. Der Schiedsrichter selbst hat im Stadion ebenfalls die Möglichkeit, eine kritische Szene auf einem Monitor am Spielfeldrand zu begutachten.

    Die Entscheidungen sollen in einem Zeitfenster zwischen 10 und 40 Sekunden getroffen werden. Laut Schwenken habe es in der vergangenen Saison in 306 Spielen 104 "spielrelevante Fehlentscheidungen" gegeben. 77 davon hätte man mit Videoassistent vermeiden können, glaubt Schwenke.

    Wofür es in Zukunft "Gelb" gibt

    Schon einen Tag zuvor hatten sich in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt vor der neuen Bundesliga-Saison turnusmäßig Schiedsrichter, Trainer und Manager der Vereine getroffen, um sich über die Neuerungen und deren Umsetzung auszutauschen. Zentraler Konsens: Schwalben, vorgetäuschte Verletzungen und Zeitschinden soll zukünftig härter geahndet werden. Aber auch der Videobeweis könnte für ein erhöhtes Aufkommen von Gelben Karten sorgen.

    Als Lehre aus dem zurückliegenden Confed Cup sollen Spieler, die das Schiedsrichter-Zeichen für den TV-Beweis - der Schiedsrichter zeichnet mit beiden Händen ein Rechteck in die Luft - benutzen, konsequent bestraft werden. "Wir werden dieses TV-Zeichen der Spieler als Unsportlichkeit werten und mit einer Gelben Karte ahnden. Darauf können sich alle einstellen", erklärte der Münchner FIFA-Schiedsrichter Felix Brych.

    Die Spiele werden länger

    Auf Zeitschinden wollen die Schiedsrichter mit längeren Nachspielzeiten reagieren, auf Schwalben wollen Deutschlands Regelhüter stärker achten. Neu auch: Gelbe Karten bei einem simulierten Foulspiel, auch außerhalb des Strafraums, sollen zur Regel werden. Spieler sollen bei möglichen Verletzungen den Ball nicht mehr wie bisher ins Aus spielen.

    "Die Entscheidung über eine Unterbrechung soll nur noch von uns Schiedsrichtern getroffen werden", erklärte Brych. Insgesamt zeigte sich Brych vor der neuen Saison aber optimistisch - vor allem wegen des kommenden Videobeweises. "Ich habe ein gutes Gefühl. Wir haben schließlich ein Jahr getestet. Wie es sich in der Praxis einspielt, werden die Erkenntnisse der ersten Spieltage zeigen", sagte der 41-Jährige: "Aber wir freuen uns auf die Hilfe. Das Spiel ist so schnell und komplex geworden, dass wir Hilfe brauchen können."