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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Kommt der Rücktritt? DFB-Präsident Fritz Keller zögert noch. Doch schon jetzt stellt sich die Frage nach einem geeigneten Nachfolger. Wie ea auch kommen mag: Der DFB gibt derzeit ein ganz schlechtes Bild ab.

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DFB-Machtkampf: Zögern und Taktieren

Der Druck auf Fritz Keller wächst. Doch der zum Rücktritt aufgeforderte DFB-Präsident schweigt weiter, Generalsekretär Friedrich Curtius taktiert. Derweil hat die DFB-Ethikkomission über den Fall beraten und das DFB-Sportgericht auf den Plan gerufen.

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Der Chef schweigt, der Adjutant macht Druck: Während der bedenklich wankende Fritz Keller nach dem Beben von Potsdam ein fragwürdiges Spiel auf Zeit begonnen hat, ist sein Widersacher Friedrich Curtius nach vorne geprescht. Der DFB-Generalsekretär nutzte die Schockstarre des tief getroffenen Präsidenten, der sich selbst mit etwas Abstand zur Rücktrittsforderung der Landes- und Regionalverbände nicht rührte.

Curtius brachte einen Umbruch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ohne ihn und seinen Boss ins Gespräch - und setzte Keller damit unter Zugzwang.

Ball liegt beim DFB-Sportgericht

Stillstand, bis am Montagabend bekannt wurde: Die DFB-Ethikkommission bringt den Fall vor das verbandsinterne Sportgericht. Die Kommission habe über die "Freisler-Äußerung" des DFB-Präsidenten (gegenüber DFB-Vize Rainer Koch, d. Red.) beraten "und das Ergebnis (...) dem Sportgericht zur Entscheidung vorgelegt", hieß es in einer Mitteilung.

Auch zwei Anträge gegen den DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius wurden demnach beraten: "Es handelt sich dabei zum einen um die Umstände und die Verfahrensweise im Zusammenhang mit der fristlosen Kündigung des Büroleiters von Herrn Keller. Zum anderen handelt es sich um die Weitergabe eines Schreibens von Herrn Keller (...) durch Herrn Dr. Curtius an den Medienberater Kurt Diekmann."

Curtius: Taktieren für einen "Neuanfang"

Nach Kellers Nazi-Vergleich hatte Koch, der Kellers nachträgliche Entschuldigung lediglich "entgegengenommen" hat, angekündigt, er wolle eine Bewertung des Sachverhalts den "dafür zuständigen Gremien" überlassen. Keller scheint entschlossen, diese Bewertung abzuwarten, während sein interner Gegenspieler, der bei den Landesverbänden ebenfalls in Ungnade gefallene Generalsekretär Friedrich Curtius, offensiver im Hintergrund agiert.

"Mit ihrer sehr klaren Haltung zur inakzeptablen Freisler-Äußerung von Fritz Keller und ihrer Aufforderung zum Rücktritt hat die Konferenz ein deutliches Signal gegeben, wie sie sich einen Neuanfang an der Spitze des DFB vorstellt", teilte Curtius, dem ebenfalls das Vertrauen entzogen worden war, am Montag mit. Keller dagegen schwieg weiter beharrlich, obwohl die Nachfolge-Spekulationen bereits begonnen haben.

Er "respektiere" das Votum und nehme dieses "sehr ernst", versicherte Curtius: "Ich stehe für Gespräche zu konstruktiven Lösungen für den DFB jederzeit zur Verfügung, dies umfasst selbstverständlich auch meine Funktion." Es scheint, als wäre der 44-Jährige bereit, den Weg für einen Neuanfang freizumachen - sollte auch Keller die Forderungen der Landesfürsten erfüllen.

Nächster "Showdown" im Verbandsvorstand droht

Welche Konsequenzen aus den Beschlüssen der Konferenz gezogen werden, ist allerdings noch offen. Keller, so scheint es, will offenbar erst die Einlassungen der Ethikkommission zu seinem Nazi-Vergleich abwarten, bevor er sich zu seiner Zukunft äußert. Es droht ein weiterer Showdown - diesmal im Verbandsvorstand.

Außer Curtius schweigen alle - selbst die Landesfürsten, die in Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge die weiteren Gegner Kellers in der Führung des Verbandes stützten, äußern sich nicht weiter. Der monatelange Machtkampf der unversöhnlichen DFB-Spitze ist nach dem Gipfel am Templiner See in Potsdam an einem erneuten Tiefpunkt angelangt.

Keller-Rücktritt eine Frage der Zeit?

Viele Seiten sehen Keller jedenfalls nach dem Nazi-Vergleich als nicht mehr tragbar an, die krachende Klatsche samt Vertrauensentzug und Rücktrittsforderung vom Sonntag verschärfte die Lage nochmals.

Bis der erst im September 2019 durchaus mit hehren Absichten angetretene DFB-Chef an der Spitze des größten Einzelsportverbandes der Welt den Hut nehmen muss, ist es womöglich nur eine Frage der Zeit.

Selbst in der Politik ist das Thema angekommen. SPD-Politikerin Dagmar Freitag hält Kellers Rücktritt für unausweichlich, allerdings sei das kein Garant für ein Ende des Machtkampfes. "Der DFB gibt seit Jahren ein desaströses Bild ab und hat damit auf nationaler und internationaler Ebene Schaden genommen", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag auf SID-Anfrage.

Auch für Koch könnte es eng werden

Sollten Keller oder Curtius nicht den deutlichen Forderungen der Landesfürsten nachkommen, wandert der Fall wohl in den DFB-Vorstand. Bei einer Entscheidung durch das formal zweithöchste Gremium des Verbandes, dem 15 Mitglieder des DFB-Präsidiums, 21 Landesvertreter, fünf Präsidenten der Regionalverbände sowie zwölf Mitglieder der Deutschen Fußball Liga (DFL) angehören, dürfte Keller womöglich etwas mehr Unterstützung erhalten. Für den im Profilager isolierten Curtius gibt es dagegen kaum Rückhalt.

Schließlich schlugen sich die DFL-Vertreter im Machtkampf auf die Seite des Präsidenten, nachdem sie bereits bei dessen Amtsantritt große Hoffnungen in einen Neuanfang gesteckt hatten. Sollte es für Keller trotz seiner verbalen Entgleisung und der Verurteilung dessen auch vonseiten der DFL gar zu einer knappen Mehrheit reichen, müsste er sich dennoch fragen, ob er gegen den Willen der Amateure weiterregieren möchte.

Vor allem für Koch dürfte es in diesem Fall deutlich enger werden. Trotz des Zuspruchs der Amateurvertreter steht der stets aus der zweiten Reihe agierende Jurist längst mit Curtius und Osnabrügge in der Schusslinie. Seine eigenen Chancen auf den Chefposten beim DFB dürften ebenfalls gesunken sein.