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DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach Hopp-Beleidigungen | BR24

© picture alliance/Revierfoto/dpa

TSG 1899 Hoffenheim - FC Bayern München am 29.02.2020: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge entschuldigt sich bei Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp

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DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach Hopp-Beleidigungen

Der DFB-Kontrollausschuss wird nach den Beleidigungen gegen Dietmar Hopp ein Ermittlungsverfahren einleiten. Bayern-Fans hatten die Schmäh-Banner offenbar während des Spiels im Block zusammengestellt. Hoffenheims Mäzen will weiter ins Stadion gehen.

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Wie der Deutsche Fußball-Bund am Samstagabend bestätigte, werde das Ermittlungsverfahren Anfang nächster Woche eingeleitet.

Fans vom FC Bayern München zeigten während der Partie gegen 1899 Hoffenheim in Sinsheim beleidigende Plakate gegen Hopp. Das Spiel, das die Münchner mit 6:0 gewannen, wurde zwei Mal von Schiedsrichter Christian Dingert unterbrochen. Der glänzende Auftritt der Gäste aus Bayern wurde zur Nebensache. Nach dem zweiten Wiederanpfiff spielten sich die Profis beider Mannschaften den Ball solidarisch nur noch hin und her.

Banner wurden anscheinend während des Spiels zusammengebastelt

Aus Polizeikreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass die Bayern-Anhänger die Schmäh-Spruchbänder gegen Hopp offenbar erst während des Spiels im Gästeblock zusammenstellten. Davor zeigten sie eine Choreographie zum 120. Vereinsjubiläum der Münchner mit vielen einzelnen Plakaten.

Einsatzpolizisten berichteten, dass Fans größere Mengen an Klebebänder mit in die Arena nahmen - offiziell, um damit Fahnen an den Stangen zu befestigen. Diese Tapes seien aber dazu verwendet worden, um aus einzelnen Plakaten die Banner zu basteln. Den Bayern-Fans gelang es zudem, Pyrotechnik und Rauchtöpfe in die Arena zu schmuggeln.

Auslöser für Schmäh-Banner: Kollektivstrafe gegen BVB-Fans

Der Grund für die Spruchbänder-Aktion dürfte die zuletzt vom DFB-Sportgericht ausgesprochene Kollektivstrafe gegen die Dortmunder Fans sein. Die BVB-Anhänger dürfen in den kommenden beiden Spielzeiten wegen ihrer Hopp-Schmähungen in der Vergangenheit nicht ins Sinsheimer Stadion.

DFB-Präsident Fritz Keller verteidigte das Urteil gegen die Dortmunder Fans im Aktuellen Sportstudio des ZDF: "Der Teilausschluss war auf Bewährung ausgesprochen worden. Wenn man gegen eine Bewährung verstößt, dann wird es rechtskräftig. Dem Gericht ist gar nichts anderes übrig geblieben."

© picture alliance/Norbert Schmidt

Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

Woher kommt der Hass gegen Hopp?

Es ist ein Hass gegen Dietmar Hopp, der sich über Jahre verfestigt hat: Schon seit 2008, dem Hoffenheimer Aufstiegsjahr, richtet sich die Hetze der Ultras in den Stadien gegen den TSG-Mäzen. Der 79-Jährige musste sich schon viele Jahre üble Beschimpfungen und Plakate gefallen lassen.

Der SAP-Mitgründer machte aus dem einstigen Dorfklub mit seinem Privatvermögen einen etablierten Bundesliga-Verein. Klar gab es beispielsweise schon den VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen. Aber hinter diesen Teams stehen große Unternehmen und keine einzelnen Investoren. Somit gilt Hopp für die Ultras der anderen Vereine als das Gesicht der Kommerzialisierung des Fußballs.

Fußball-Bosse sagen Hass und Hetze den Kampf an

Zahlreiche Verantwortliche sehen die Verrohung der Gesellschaft als Problem, für welches der Fußball missbraucht werde. Verbands-Boss Fritz Keller räumte Fehler in der Vergangenheit ein: "Manche haben recht, wenn sie sagen, wir hätten viel früher durchgreifen müssen." Diese Mängel sollten nun ausgemerzt werden: "Wir haben Hassbilder und Neid in unserer Gesellschaft und jetzt auch im Fußball. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen. Jetzt muss durchgegriffen werden. So geht es nicht mehr weiter."

© Jens Wolters/BR

Die Vorkommnisse in Sinsheim überschatten alles Sportliche. Vereins-Verantwortliche und Spieler zeigen sich nach dem Skandalspiel des FC Bayern gegen Hoffenheim erschüttert.

"Jegliche Art von Hass darf keinen Platz haben, dies muss der Anspruch des gesamten deutschen Profi-Fußballs sein!" Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga

FC Bayern-Verantwortliche verurteilen Vorfälle aufs Schärfste

Karl-Heinz Rummenigge schließt sich an und stellt fest: "Es muss aufhören. Ich werde mich nicht mehr wegducken." Der Bayern-Vorstandschef möchte den Rekordmeister an die Spitze der Bewegung "gegen die Feinde unserer Sportart" stellen.

"Mit dem heutigen Tag muss ein Umdenken stattfinden. Wir müssen alle zusammenstehen. Wir haben viel zu lange die Augen davor verschlossen, was in gewissen Kurven passiert ist." Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge

Rummenigge denkt laut über den Rauswurf der handelnden Ultras nach: "Wir haben diese ganzen Vorkommnisse filmen lassen, wir werden mit aller Schärfe gegen die Verantwortlichen, die den FC Bayern diskreditiert haben, juristisch vorgehen und sie zur Rechenschaft ziehen", so der 64-Jährige. Die Fan-Gruppierung spielt die Vorkommnisse nur runter.

Hopp will weiter ins Stadion gehen

Hoffenheims Mehrheitseigner will keine persönlichen Konsequenzen aus dem Eklat ziehen und hofft auf die angekündigten Maßnahmen: "Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen dann halt weg bleiben", sagte Hopp am Sonntag im Interview bei Sport1: "Ich warte jetzt gespannt ab, wie das jetzt alles ins Rollen kommt. Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen. Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten." Auf der anderen Seite habe er "diese Solidarität gesehen und gespürt - und es ist natürlich eine große Hilfe, dass da jetzt durchgegriffen wird."