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Deutsches Langlaufteam: WM-Medaillen kein realistisches Ziel | BR24

© imago-images/GEPA Pictures

Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder im Januar 2020

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    Deutsches Langlaufteam: WM-Medaillen kein realistisches Ziel

    Das deutsche Langlaufteam hat coronabedingt eine schwierige Vorbereitung hinter sich. Mit viel zuwenig Schneekilometern geht die Mannschaft in die WM-Saison. An Medaillen bei der Heim-WM 2021 glaubt Bundestrainer Schlickenrieder "realistisch" nicht.

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    Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder wirkt trotz einer Saisonvorbereitung mit Hindernissen derzeit ausgeglichen, zufrieden. Mit den deutschen Langlauf-Damen ist er momentan im Trainingslager im schweizerischen Davos. Die Mannschaft kann in schwierigen Corona-Zeiten endlich auf Naturschnee trainieren.

    Das war dem Team in diesem, von einem Virus durcheinander gewirbelten Jahr, nicht immer möglich. "Im Frühjahr gingen uns viele Schneekilometer ab durch den Corona-Lockdown", sagt der Bundestrainer. Zwar konnten seine Sportlerinnen und Sportler allein oder zumindest in Kleingruppen trainieren. Aber Krafttraining, Laufband oder Übungen in der Oberhofer Skihalle ersetzen nun einmal nicht echte Loipen-Kilometer.

    Schlickenrieder befürchtet deshalb auch, dass sein Team beim Weltcupstart durchaus noch Rückstand hat, etwa gegenüber den Skandinaviern oder den Russen. Umso zufriedener ist Schlickenrieder mit dem aktuellen Trainingslager in Davos. "Jeden Schneetag bestmöglich ausnutzen", so die Zielsetzung für die kommenden Tage: "Es geht darum, das Ski- und Schneegefühl wieder aufbauen."

    Weltcupauftakt Ende November in Finnland

    Bis 6. November sind Schlickenrieder und sein Team noch in Davos. Nach einer Regenrationswoche geht es am 12. November ins finnische Muonio, um sich an die Schneebedingungen in Skandinavien zu gewöhnen. Die neue Weltcupsaison beginnt dann am 27. November in Ruka, eine Woche später stehen Rennen im norwegischen Lillehammer im Kalender.

    Wer tatsächlich in Ruka starten wird, will Schlickenrieder erst nach Testrennen in Muonio entscheiden: "Es sollen die besten Sechs am Start stehen."

    Schlickenrieder hat einen "konkreten Plan"

    "Es gibt einen sehr konkreten Plan bis zur Weltmeisterschaft, wer was läuft", sagt Schlickenrieder ansonsten. Anders als in den vergangenen Wintern sollen die Teams die Weltcups in "Blöcken" angreifen. So werden die Sprinter beispielsweise erst nach dem Auftakt mit überwiegend Distanzrennen in Ruka und Lillehammer zum Einsatz kommen.

    Corona: Schlickenrieder setzt auf verantwortungsbewusste Sportler

    Der Bundestrainer und das Langlauf-Team des Deutschen Skiverbands scheinen trotz der schwierigen Vorbereitung unter Corona-Bedingungen solide vorbereitet.

    Gerade im Umgang mit den Gefahren durch den Virus lobt Schlickenrieder die Mannschaft. "Das Team war schon immer sehr sensibel beim Thema Hygiene", sagt er. Wenn ein Ausdauerathlet eine Grippe erwischt, sei der Ausfall "eine Katastophe".

    Entsprechend hatten seine Athletinnen und Athleten viele Verhaltensmaßnahmen, etwa das Meiden von großen Menschenansammlungen, ohnehin schon intus: "Das ist fast schon in der DNA eines Langläufers."

    Allerdings appelliert er auch an die Eigenverantwortung der Sportler im Umgang mit dem Hygienekonzept des DSV: "Das ist eine Grundvoraussetzung. Die Sportlerinnen und Sportler müssen wollen, die Trainer können die Rahmenbedingungen setzen."

    WM-Medaillen bleiben nur ein "Wunsch"

    Nur einmal wirkt Schlickenrieder dann doch nicht so glücklich - als die bevorstehende Heim-WM 2021 in Oberstdorf angesprochen wird. Bei seinem Amtsantritt im April 2018 hatte der ehemalige Weltklasse-Langläufer noch Edelmetall als Ziel ausgegeben.

    "Den Wunsch eine Medaille zu holen, hat jeder Athlet - und auch der Teamchef", sagt Schlickenrieder rund zweieinhalb Jahre später zwar. "Realistisch", glaubt er aber nicht daran, dass seine Langläuferinnen und Langläufer im Februar und März aufs Podest laufen können.

    "Die WM 2021 kommt glaube ich tatsächlich zu früh. Wir brauchen Zeit." Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder

    Zwar sei speziell das Damenteam eine "aufstrebende Mannschaft". Aber im deutschen Langlauf werde derzeit eben nur "in kleinen Schritten vorwärts marschiert." Von "Achtungserfolgen" wie einem dritten Platz von Katharina Hennig in Val die Fiemme im vergangenen Winter will sich der Bundestrainer nicht blenden lassen.

    Von einer WM-Medaille können man erst sprechen, wenn es eine Läuferin oder ein Läufer mehrmals hintereinander aufs Podest schafft. "Man muss ganz ehrlich sagen: Wir gehören nicht zu den Topfavoriten auf eine WM-Medaille", so Schlickenrieder.

    Perspektivisch hält er dennoch an seinen Plänen fest, die deutschen Langläufer wieder zu Podestanwärtern zu formen: "Es geht vorwärts, es geht bergauf."