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Deutsche Eishockey-Liga: Der steinige Weg zurück aufs Eis | BR24

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Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) will am 13. November in die neue Saison starten. Durch die Corona-Pandemie wird der Neuanfang heikel. Trotz Hygienekonzept gibt es noch unzählige offene Fragen.

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Deutsche Eishockey-Liga: Der steinige Weg zurück aufs Eis

In Nordamerika spielt die NHL seit einer Woche ihr Finalturnier, in Deutschland will die Eishockey-Liga (DEL) am 13. November wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Doch bis dahin müssen noch einige Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden.

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Seit dieser Woche steht das anvisierte Datum für den Saisonstart in der DEL: Es wird, sollte es die Corona-Pandemie zulassen, der 13. November. Eishockey ist damit die letzte große Sportart, die in den Ligabetrieb zurückkehrt. Im März war sie die erste, die abgebrochen hat.

Normalerweise wäre Anfang August die Saisonvorbereitung der Teams auf Eis losgegangen. Um Geld zu sparen verzichtet man aber vielerorts noch ein paar Wochen auf die teuren Eisflächen, Nicht ganz unvernünftig, denn allzu viele Spieler wären noch nicht wieder hier und auch sonst gibt es noch einige Hürden bis November.

Viel läuft derzeit in der DEL über Videokonferenzen. Bei Augsburgs Sportboss Duanne Moeser ist das nicht anders. Im Vergleich zu anderen Veränderungen dieses Sommers aber ein Klacks: "Die Coronazeit ist schon verrückt. Planungsmaßnahmen hängen einfach in der Luft, man möchte was tun, man möchte was ausarbeiten. Aber das ist gar nicht so einfach", sagt Moeser.

Fitnesscenter statt VIP-Raum

Baustellen gibt es viele. Trainieren wie vor Corona – unmöglich. Statt auf dem Eis mit Puck und Schläger schuften viele Profis im Fitnessraum. Bei den Straubing Tigers zum Beispiel wurde der geräumige VIP-Raum von den Spielern um Tim Brunnhuber zum Fitnesscenter umgebaut.

"Was wir sonst so unten im Kraftraum hätten haben wir hochgeschleppt. Hier oben ist mehr Platz und wir haben auch mehr Freiheiten als unten im Container", erklärt Brunnhuber die unkonventionelle Maßnahme. Beim Oberligisten Rosenheim hat man das Training der Nachwuchsmannschaften in Nachbarorte ausgelagert, um allen Platz zu bieten.

EHC München startet schon mit dem Eis-Training

Was die meisten Vereine verbindet: Sie haben noch kein Eis. Eine Ausnahme: der EHC Red Bull München. Am Montag (10.08.2020) startet das Eistraining am Oberwiesenfeld, bereits in den vergangenen Tagen konnte das Team um Olympiaheld Patrick Hager in Österreich die Schlittschuhe anziehen: "Man hat im Sommer jetzt viel Zeit gehabt sich zu regenerieren und aufzubauen. Letztendlich waren die ersten Einheiten ganz gut, vor allem wenn man bedenkt wie lange wir nicht auf dem Eis waren."

Doch selbst wenn überall Eis da wäre: Die Größe der Trainingsgruppen wäre bei den meisten Klubs noch überschaubar. Beim ein oder anderen Team trudeln die ersten Nordamerikaner in diesen Tagen ein, das ist aber eher die Ausnahme.

Straubing: Warten auf die Nordamerika-Spieler

In Straubing ist beispielsweise außer Mike Conolly, der den Sommer in Niederbayern verbrachte, noch keiner der Kanadier und Amerikaner da. Manager Jason Dunham hat jede Menge Papierkram zu erledigen: "Ich habe an die Behörden E-Mails geschickt wegen den Mitarbeitern aus den USA und Kanada. Die Arbeitsverträge ebenso. An jedem Grenzübergang ist es anders, bei den US-Amerikanern wird es wohl schwieriger als bei den Kanadiern."

Noch schwieriger gestaltet sich das Ganze bei Spielern aus Nordamerika, die man gerne verpflichten würde. Seit letzter Woche spielt die beste Liga der Welt, die NHL, ihr Finalturnier. Umworbene Profis, auch aus den Farmteams, deren Vertrag ausläuft, dürfen aber nicht unterschreiben, solange ihr Team noch im Wettbewerb ist.

Ingolstadt: Schwierige Kaderplanung

Sportchef Larry Mitchell vom ERC Ingolstadt klagt über die schwierige Kaderplanung: "Natürlich habe ich die ein oder andere schlaflose Nacht gehabt. Man macht sich Sorgen: Gibt's wirklich genügend gute Spieler auf dem Markt? In den letzten zwei Tagen habe ich mit zwölf Spielervermittlern telefoniert. Jetzt würde ich sagen: Zehn von denen glauben, dass mehr Spieler auf den Markt kommen als vorher."

Sorgen um abspringende Sponsoren

Niemand weiß es aber sicher. Und dass in Deutschland weniger gezahlt wird als bisher, macht es nicht einfacher beim Verhandeln. Zwar geht ERC-Geschäftsführer Claus Liedy Stand jetzt davon aus, dass die Spieler am Ende deutlich mehr bekommen als die jetzt gültigen 75 Prozent des bisherigen Gehalts.

"Aber wenn man sich jetzt mal gedanklich ein schlimmeres Szenario vorstellt", erklärt er: "Ohne Zuschauer spielen zu müssen. Am Anfang, oder ein paar Spiele am Stück, dann ist natürlich die Werbeleistung auch nicht mehr dieselbe, wie wenn ein Stadion voll ist. Und: Man weiß natürlich auch nicht, ob alle Sponsoren die Krise unbeschadet überleben."

Deshalb wurden in der DEL die Lizenzen erstmal nur unter der Auflage vergeben, dass alle Spieler vorerst auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten: "Es wurde auch kommuniziert, dass das notwendig ist, also alle Spieler unterschreiben müssen." Dass da keiner Hurra schreit, ist klar.

Ingolstadt trennt sich von Torwart Pielmeier

Doch am Ende haben in Bayern alle unterschrieben - bis auf Ingolstadts Meistertorwart Timo Pielmeier, der nun nicht mehr zum Kader gehört. "Wir wissen um die Verdienste von Timo Pielmeier. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Aber in einem Mannschaftssport können wir ja nicht zweierlei Maßstäbe anlegen", sagt Liedy.

In Straubing lief das ganze laut Tim Brunnhuber ein wenig geräuschloser. Kritik ist aber durchaus rauszuhören: "Gerade für uns junge Spieler kann ich schon sprechen. Wir verdienen nicht das Riesengeld. Für uns war es jetzt nicht so ein Thema. Aber für die Älteren, also die, die gut verdienen kann ich mir schon vorstellen, dass das ein harter Schlag war. Härter als für uns. Da verstehe ich auch den Ärger und, dass sie eine Spielergewerkschaft gründen wollen."

Fehlende Zuschauer - ein ernstes Finanzproblem im Eishockey

Die Spielergewerkschaft - ein Thema dieses Eishockeysommers. Eine weiteres: Was ist mit den Zuschauern, wenn die Liga am 13. November startet? Im Gegensatz zum Fußball sind sie beim Eishockey ein ernstzunehmender Faktor im Saisonetat: Ohne sie hält wohl kaum ein Verein lange durch.

Daher nimmt der Zuschauerbereich im 80-seitigen Hygienekonzept des Deutschen Eishockeybundes (DEB) auch jede Menge Platz ein. DEB-Generalsekretär Stefan Schaidnagel hat das Ganze mitentwickelt, aber weiß: "Das Erstellen dieser Konzeption im Hinblick auf die Parameter ist sehr komplex. Wir haben heterogene Hallensituationen in den verschiedenen Sportarten. Alle, die sich Indoor bewegen haben verschiedene Prämissen, Parameter, etwa Größe, Zugang, Belüftungssituation."

Das Paradoxe: Alte Stadien wie in Rosenheim sind womöglich durch Fluchttüren besser zu belüften als die Multifunktionsarenen der DEL. Zuschauer sollen trotzdem rein, wohl mit personalisierten Tickets und mit viel Abstand. Ob man also bald schon wieder Fangesänge in vollen Eishockey-Arenen hört?

Fan-Vorgaben: Nicht singen, nicht schreien

Vorstand Marcus Thaller von den Starbulls Rosenheim hat da seine Zweifel. Zum einen muss jedes Stadion einzeln vom jeweiligen Gesundheitsamt abgenommen werden, zum anderen soll man ja nach Möglichkeit nicht singen und schreien. "Das ist schwer vorstellbar. Aber auch das wird sich wohl einspielen. Letztlich ist es ja die Emotion auf der einen Seite, aber die Liebe zum Sport auf der anderen. Deswegen ist man ja auch Fan."

Kurios: eine Mannschaft, drei Kabinen - wohin geht der Trainer?

Doch nicht nur für die Fans wird es ungewohnt, auch für die Spieler wie Tim Brunnhuber. Statt in einer Kabine sitzen sie in zwei oder drei. "In den Drittelpausen kann der Trainer ja zur Ansprache nicht in drei Kabinen gehen. Da muss man Lösungen finden", fordert Brunnhuber.

Auch aufwendige Coronatestserien und abgetrennte Hotels kann sich der Sport nicht leisten, helfen sollen Apps und Selbstauskünfte. Selbst die Ligakrösusse Mannheim und München, für Eishockeyverhältnisse steinreich, haben weniger Etat als jeder Fußballzweitligist.

Trotz Baustellen: Verein froh über Starttermin

Es bleiben viele Baustellen bis November. Trotzdem sind laut Augsburgs Duanne Moeser "alle Vereine froh, dass wir als Starttermin jetzt den 13. November haben." Und eine positive Sache findet Larry Mitchell dann doch im Eishockey-Coronasommer 2020.

Zwar ist jetzt schon August, aber durch den Saisonstart Mitte November befinden sich die Kaderplanungen gefühlt erst im "April oder Anfang Mai. Da hat man meistens noch viele Stellen offen. Wir werden unsere Kader füllen!"

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