BR24 Logo
BR24 Logo
Sport

Depression im Profisport ist "wie ein Kreuzbandriss" | BR24

© BR

Depression ist eine Volkskrankheit. Trotzdem wollen Betroffene ihren Zustand oft nicht öffentlich machen. Besonders im Fußball: Da soll das Bild des unangreifbaren Athleten gewahrt werden. Eine Podiumsdiskussion möchte über die Krankheit aufklären.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Depression im Profisport ist "wie ein Kreuzbandriss"

Depression ist eine Volkskrankheit. Trotzdem wollen Betroffene ihren Zustand oft nicht öffentlich machen. Besonders im Fußball: Da soll das Bild des unangreifbaren Athleten gewahrt werden. Eine Podiumsdiskussion möchte über die Krankheit aufklären.

Per Mail sharen

Eine Unmenge an Trikots, Fanschals und Vereinswimpel zieren die Wände im Stadion an der Schleißheimerstraße. Die Kneipe ist eine Institution in der Münchner Fußballszene. Es ist ein Ort an dem so gut wie jeden Tag Fans bei den Spielen ihres Vereins mitfiebern. Vergangenes Jahr wurde das "Stadion" zur Fußballkneipe des Jahres gewählt. Mit dem Preisgeld schmeißen die Betreiber keine Party, sondern widmen einen Abend einem ernsten Thema: Depression im Profisport.

Schon im Jugendbereich wird Prävention geleistet

Jährlich erkranken vier Millionen Menschen in Deutschland an Depression, circa 10.000 davon enden im Freitod. Es ist eine Volkskrankheit, die zu lange stigmatisiert wurde – und teilweise leider immer noch wird. Nach dem tragischen Tod von Robert Enke sieht seine Witwe Teresa die Entwicklungen positiv: "In Nachwuchsleistungszentren sind Psychologen mittlerweile vorgeschrieben. Wir sind also auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel."

Die Last einer Depression hat auch Ex-Fußballprofi Martin Amedick (u.a. Borussia Dortmund und 1. FC Kaiserslautern) erfahren. Der 37-Jährige beschreibt den Zustand wie das Tragen einer Maske. Er wollte sich verstecken und war antriebslos. In schlimmen Phasen war er nicht einmal in der Lage, seine Sporttasche zu packen.

"Spiele wollte ich einfach nur hinter mich bringen. Ob wir gewonnen oder verloren haben, war egal." Martin Amedick

Depression kann jeden treffen und ist behandelbar

Der Psychologe Dr. Tobias Freyer liefert den wissenschaftlichen Background in der Diskussion. Er beschreibt die drei Hauptsymptome einer Depression – Stimmungseinschränkung, Interessenverlust und Antriebsstörung – und stellt klar, dass es sich um eine Stoffwechselerkrankung handelt. Von ihm kommt auch der prägnanteste Vergleich: "Depression ist wie ein Kreuzbandriss." Es ist eine behandelbare Krankheit, bei der eine Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb absehbar ist.

Der Andrang an diesem Abend ist groß. Die Münchner Kneipe ist restlos ausverkauft und das Publikum hat anschließend viele Fragen. Die Resonanz gibt Hoffnung, dass zwischen den ganzen Fanrequisiten und der Fußballromantik die harte Realität der Depression in Deutschland nicht vergessen wird.