BR24 Logo
BR24 Logo
Sport

Denise Schindler: "Olympia wäre nicht zu verantworten" | BR24

© BR24 Sport

Die Corona-Pandemie hält weltweit den Sport in Atem. SpVgg Unterhaching-Präsident Manfred Schwabl und Radsportlerin Denise Schindler sprachen in Blickpunkt Sport über die Konsequenzen für den Profisport und gaben eine Einschätzung zu Olympia.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Denise Schindler: "Olympia wäre nicht zu verantworten"

Die Corona-Pandemie hält weltweit den Sport in Atem. SpVgg Unterhaching-Präsident Manfred Schwabl und Radsportlerin Denise Schindler sprachen in Blickpunkt Sport über die Konsequenzen für den Profisport und gaben eine Einschätzung zu Olympia.

Per Mail sharen

Das Ausmaß des Schadens, den die Corona-Krise allein im Profifußball verursacht, ist derzeit nicht abzusehen. Der Zeitpunkt, an dem wieder gespielt werden kann, wird in der Frage, wie hoch die Einbußen sind, entscheidend sein. "Erst dann wissen wir, wie viele Einnahmen wirklich wegfallen", prognostizierte Manfred Schwabl bei Blickpunkt Sport. Fernsehgelder stehen dabei wohl in der Diskussion, auch Sponsorengelder richten sich danach, ob und wie die Saison zu Ende gespielt werden kann. "Das kann nur der Krankheitsverlauf entscheiden, und nicht irgendwelche Verbände", so der Präsident des SpVgg Unterhaching.

Der Drittligist aus der Münchener Vorstadt sprach sich deutlich gegen die Beantragung von Kurzarbeit für ihre Spieler aus. "Auch wenn das Budget in Haching ebenfalls eng ist, werden wir die Gehälter normal weiter bezahlen", versprach Schwabl. Im Gegenzug sprachen die Spieler für eine Spende an die Gemeinde Unterhaching aus, die der Verein ebenfalls unterstützen werde.

Corona-Krise als Lehrgeld für den Fußball?

Auf die Hilfe des DFB möchte sich Schwabl zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlassen, auch wenn der Fußball-Bund in seinen Augen "sicherlich bemüht ist, so gut es geht zu unterstützen". Vielmehr sieht er in der Corona-Krise einen Zeitpunkt, der die Vereine zum Umdenken anregen sollte. Die Spielvereinigung habe für sich bereits jetzt die Lehre aus der Krise gezogen, "in Zukunft noch mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen", so der Präsident.

Die Blase ist jetzt geplatzt. Jetzt müssen wir mal vor der eigenen Tür kehren, in uns gehen und überlegen, ob wir das Rad nicht alle überdreht haben. Manfred Schwabl

Olympische Spiele "unverantwortbar"

Radsportlerin Denise Schindler erklärte, warum Olympische und Paralympische Spiele nicht so einfach verschiebbar sind: "Es sind verschiedene Sportarten mit Sportlern aus aller Welt. Die Organisation an sich ist schon eine Mammutaufgabe und eine Verschiebung hochkomplex". Außerdem sei die Chance nur alle vier Jahre da, eine mögliche Verschiebung der Olympischen Spiele verursache massive existenzielle Ängste bei den Sportlern.

Vielen stelle sich laut Schindler die Frage, ob sie denn im Jahr drauf oder vielleicht auch erst übernächstes Jahr überhaupt noch konkurrenzfähig wären. Dennoch sprach sich die Paralympics-Zweite von 2016 in Anbetracht der "weltweit in den letzten drei Wochen verschärften Situation " für ein Umdenken in Sachen Olympia aus. "Es ist nicht mehr verantwortbar, dass die Spiele dort stattfinden", so Schindler im Interview.

"Peinlich", nannte Triathlet Jan Frodeno das Verhalten des IOC, das sich eine Entscheidungsfrist von vier Wochen eingeräumt hat. "Es ist schade, dass den Sportlern nun dieser Stress auferlegt wird", so der Olympiasieger. Die Trainingsmöglichkeiten seien weltweit nicht mehr gerecht, auch Dopingkontrollen würden nicht mehr vollständig durchgeführt werden. Nationaltrainer der U21-Fußballer Stefan Kuntz hofft auf eine "Lösung, von der alle Sportler profitieren und dieses Erlebnis doch noch miterleben dürfen".

Boykott keine Option

Bei einem Boykott der Spiele würden die Sportler ihre Förderung und somit auch ihre Existenzgrundlage aufs Spiel setzen. "Wir würden dann auch aus dem Kader rausfallen, das kommt für uns nicht infrage", stellte Schindler klar. Sie selbst hält eine Verschiebung der Olympischen Spiele um genau ein Jahr nach hinten für realistisch. "Ich glaube, das wäre der richtige Zeitpunkt. Jetzt gibt es andere Prioritäten, wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung und die Welt muss sich mit dieser Ausnahmesituation neu sortieren".

Die Radsportlerin sieht in einer Olympiade 2021 sogar eine riesen Chance: "Der olympische Gedanke könnte helfen, die Grenzen, die wir jetzt aus Sicherheitsgründen hochziehen, dann aufzulösen, die Welt wieder zu vereinen. Diesen Gedanken werden wir dieses Jahr niemals transportieren können".