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Das Sommermärchen: Chronologie der WM-Affäre | BR24

© picture-alliance/dpa

Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach

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    Das Sommermärchen: Chronologie der WM-Affäre

    Seit Oktober 2015 hält den Deutschen Fußball-Bund die Affäre um den möglichen Kauf der WM 2006 im Griff. Eine Chronologie der Ereignisse.

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    • BR24 Sport

    16. Oktober 2015: In einer Pressemitteilung des DFB ist erstmals von einer ungeklärten Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA die Rede.

    16. Oktober 2015: "Der Spiegel" berichtet, die WM sei mutmaßlich gekauft worden. Der DFB bestreitet die Vorwürfe vehement.

    17. Oktober 2015: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußert sich zu den Anschuldigungen: "Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat."

    18. Oktober 2015: Auch der ehemalige Präsident des Organisationskommitees (OK) Franz Beckenbauer weist die Korruptions-Vorwürfe zurück: "Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren."

    19. Oktober 2015: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main prüft, ob genügend Anhaltspunkte für die Aufnahme von Ermittlungen vorliegen.

    19. Oktober 2015: Niersbach räumt ein, "dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden".

    22. Oktober 2015: Niersbach wirft in einer Pressekonferenz neue Fragen auf. Zwar soll keine schwarze Kasse existiert haben, allerdings wurden 6,7 Millionen Euro an die FIFA gezahlt, um später 170 Millionen zu erhalten. Die FIFA dementiert Niersbachs Version der Geschehnisse sofort.

    23. Oktober 2015: Die Situation spitzt sich zu: DFB-Präsident Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge, es soll sehr wohl eine schwarze Kasse gegeben haben.

    26. Oktober 2015: Als Präsident des damaligen OKs trägt Beckenbauer die Verantwortung. Er bricht sein Schweigen und bezeichnet den Deal mit der FIFA bezüglich eines WM-Zuschusses als Fehler, ein Stimmenkauf soll aber ausdrücklich nicht stattgefunden haben.

    2. November 2015: Das Bundeskanzleramt schaltet sich in die WM-Affäre ein.

    3. November 2015: Die Steuerfahndung Frankfurt startet eine Razzia beim DFB. Auch die Privathäuser von Niersbach, Zwanziger und Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt werden durchsucht.

    6. November 2015: Der "Spiegel" veröffentlicht ein Schreiben an die FIFA mit handschriftlichen Notizen, die von Niersbach stammen sollen. Sie wären ein Beleg dafür, dass der heutige DFB-Präsident schon vor der WM von den Zahlungen wusste.

    9. November 2015: Niersbach übernimmt die "politische Verantwortung" für Ereignisse rund um die WM 2006 und erklärt mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als DFB-Präsident.

    10. November 2015: Die DFB-Interimspräsidenten Koch und Rauball bestätigen die Unterschrift von Franz Beckenbauer unter einem Dokument, das den versuchten Stimmenkauf vermuten lässt.

    13. November 2015: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangt vom DFB eine umfassende Aufarbeitung des Skandals.

    20. November 2015: Franz Beckenbauer bezieht Stellung zum dubiosen Vertragsentwurf mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner. Er habe diesen am 2. Juli 2000 blind unterzeichnet.

    11. Dezember 2015: FIFA-Präsident Joseph Blatter zweifelt an Beckenbauers Aussagen. Die FIFA-Finanzkommission soll 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben.

    22. Januar 2016: Neben der Schweizer Bundesanwaltschaft nimmt nun auch die US-Bundespolizei FBI die Ermittlungen auf.

    5. Februar 2016: Die Schlinge zieht sich zu: Beckenbauer, Zwanziger und Niersbach drohen mögliche Schadenersatzansprüche seitens des DFB. Mit der FIFA können sich die Verantwortlichen des Fußballbundes einigen.

    9. Februar 2016: Der DFB verlangt vom ehemaligen OK-Vizepräsidenten Fedor Radmann eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro.

    11. Februar 2016: Die umstrittenen Geschäfte zwischen den WM-Organisatoren und Warner sollten laut Radmann Stimmen sichern und verhindern, dass Warner gegen den DFB arbeitet.

    4. März 2016: Viele Indizien sprechen dafür, dass die WM 2006 gekauft wurde, eindeutige Beweise gibt es jedoch nicht. Die Veröffentlichung des Berichts belasten vor allem Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach schwer.

    5. März 2016: Erneut bestreitet Beckenbauer einen Stimmenkauf. Er rechtfertigt die ominöse Zahlung an die FIFA als Sicherheitsleistung für den Finanzzuschuss.

    22. März 2016: Die Ethik-Kommission der FIFA leitet ein formelles Verfahren gegen das WM-Organisationskommitee ein.

    25. Juli 2016: Gegen Niersbach wird eine einjährige Sperre verhängt. Im Urteil soll es sich aber "nicht um Schmiergeldzahlungen oder Korruption" handeln, sondern anfängliche Vertuschungsversuche bestrafen.

    1. September 2016: Die Schweizer Bundesanwaltschaft führt im Zuge eines Strafverfahrens Razzien "wegen des Verdachts des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung" durch.

    2. Dezember 2016: Zwanziger stellt Strafanzeige gegen die Schweizer Bundesanwaltschaft. In seinen Augen seien die Ermittlungen gegen ihn ungerechtfertigt gewesen.

    13. Januar 2018: Mohamed Bin Hammam entpuppt sich überraschend als Schlüsselfigur in der WM-Affäre. Der frühere FIFA-Vizepräsident bestätigte, dass die 6,7 Millionen Euro direkt auf sein Konto geflossen seien, äußerte sich aber nicht zum Zweck der Zahlungen.

    23. Mai 2018: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhebt Anklage wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung gegen Niersbach und Zwanziger. Die Ermittler gehen von einem privaten Deal von Franz Beckenbauer aus, der zur Zahlung der berüchtigten 6,7 Millionen Euro geführt haben soll.

    21. Juli 2018: Beckenbauer weist alle Anschuldigungen von sich. Bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises deutet er an, dass er den "Kampf um die Wahrheit" aufgegeben habe.

    15. Oktober 2018: Das Landgericht Frankfurt am Main lehnt die Eröffnung eines Hauptverfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts ab.

    26. Juli 2019: Beckenbauers gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich. Seine Anwälte legen bei der Schweizer Bundesanwaltschaft Atteste vor, wodurch der Kaiser einer Anklage entgehen könnte. Beckenbauers Verfahren wird separiert, um den Prozess gegen andere Beschuldigte zu beschleunigen.

    6. August 2019: Die Schweizer Bundesanwaltschaft erhebt offiziell Anklage gegen die Ex-DFB-Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt. Sie sollen gemeinsam mit dem früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi im April 2005 den wahren Grund der gezahlten 6,7 Millionen Euro arglistig vertuscht haben. Zwanziger und Schmidt sowie Linsi wird Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen. Niersbach die Gehilfenschaft zu Betrug. Gleichzeitig droht die Verjährung der Anklagepunkte, weshalb bis April 2020 muss ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden muss.

    26. August 2019: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main revidiert die Entscheidung des Landgerichts Frankfurt aus dem Oktober 2018 und stimmt der Anklage gegen Niersbach und Zwanziger zu. Auch Schmidt und Linsi werden sich vor Gericht behaupten müssen.