Zurück zur Startseite
Sport
Zurück zur Startseite
Sport

Das Geschäft mit Fußball-Übertragungsrechten - bald zu Ende? | BR24

© picture alliance / Sven Simon

Fotomontage: Streamingdienst DAZN kauft Bundesligarechte von Eurosport

6
Per Mail sharen
Teilen

    Das Geschäft mit Fußball-Übertragungsrechten - bald zu Ende?

    Jede Bundesliga-Saison kassiert die DFL ein Vermögen. Die irre Summe von 1,16 Milliarden Euro pro Spieljahr zahlen die Sender, die die Bundesliga übertragen. Ein Milliardengeschäft, das nun an erste Grenzen stößt.

    6
    Per Mail sharen
    Teilen

    Die Übertragung von Spielen der Fußball-Bundesliga ist ein Milliardengeschäft. Über eine Milliarde Euro zahlten die Rechteinhabe der DFL, dem Ligaverband von erster und zweiter Liga. Der Großteil des Geldes kommt vom Bezahlsender Sky, auch der Internetanbieter DAZN und die ARD mit der Sportschau zahlen Millionen. Bevor im nächsten Jahr die Übertragungsrechte neu vergeben werden, steigen erste Anbieter aus dem Milliardenpoker aus. Ein Ende des Wahnsinns könnte trotzdem noch nicht erreicht sein – nicht nur Uli Hoeneß hofft darauf, dass neue Anbieter bald noch mehr Geld zahlen.

    Das Geschäft mit den Übertragungsrechten verärgert die Fans

    Fragt man Fans des FC Bayern München, die auf dem Weg ins Stadion sind, was sie von den Übertragungsrechten im Fußball halten, werden viele emotional. "Man muss mehr auf uns Fans schauen, es geht doch nicht nur um die Moneten!", echauffiert sich eine Bayernanhängerin im roten Trikot. Ein anderer Fan stimmt ihr bei:

    "Der Kommerz ist im Fußball viel zu groß geworden. Wir sind doch nicht nur die Quotenschweine, die im Stadion oder am Bildschirm die Quote bringen." Fußballfan FC Bayern München, Allianz-Arena

    Quotenschweine, Kommerz: Diese Stichworte fallen immer wieder. Der Fußballfan – er scheint überfordert zu sein mit den vielen verschiedenen Anstoßzeiten und mehreren Anbietern, die diese Spiele mal hier, mal dort übertragen. Dabei ist es zumindest in der Bundesliga in dieser Saison wieder etwas übersichtlicher. Eurosport hat seine Rechte kurzfristig und recht überraschend an den On-Demand-Anbieter DAZN verkauft.

    "Das kam schon etwas überraschend. Bis dato hatte Eurosport ja gesagt, dass sie sehr zufrieden waren. Am Ende war es für Eurosport wohl schwieriger, als man es nach außen gesagt hat." Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator

    DAZN - das Netflix des Sports?

    Eurosport war erst vor zwei Jahren in die Übertragung eingestiegen, gab für die Freitagsspiele und manche Sonntags- und Montagsspiele damals um die 70 Millionen Euro aus. Offensichtlich rentierte sich das nicht. Nun hat DAZN die Übertragung übernommen und macht dem Platzhirsch Sky damit mächtig Konkurrenz.

    DAZN wird oft auch als "Netflix des Sports" bezeichnet. Tatsächlich gibt es Parallelen: Beide senden nur on-demand, also jederzeit auf Abruf im Internet. Im klassischen Fernsehen gibt es DAZN nur in Kneipen zu sehen. Und: DAZN betreibt – so wie Vorbild Netflix – ein aggressives Preisdumping. Finanziert von einem amerikanischen Milliardär nimmt DAZN gerade einmal 12 Euro im Monat für ein Abo mit Fußball, aber auch anderen Sportarten wie Boxen, Tennis oder Darts. Bei Sky gibt es zwar alle Samstagsspiele, also den Bärenanteil der Bundesliga, zu sehen. Das kostet aber zwischen knapp 25 und 50 Euro im Monat. Sky Deutschland zahlt pro Saison fast eine Milliarde Euro für die Fußballrechte. Irgendwie muss das Geld ja wieder reinkommen.

    Sky und DAZN teilen sich auch die Champions League-Rechte, die seit gut einem Jahr damit gar nicht mehr im Free-TV zu sehen ist.

    "Die Entwicklung in der Champions League, wo Sky und DAZN exklusiv die Rechte haben, ist so, dass viele gemerkt haben, dass es schwierig wird für den Fußball, wenn er gesellschaftlich nicht mehr verankert ist, sondern ausschließlich als Pay-Angebot zu sehen ist." Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator

    Die Champions League - bald wieder im Free-TV?

    Klar, da ist eine Prise Trotzoptimismus beim ARD-Sportkoordinator dabei. Denn die Öffentlich-Rechtlichen würden natürlich gerne die Champions League zeigen, können bei Summen von über 100 Millionen Euro pro Saison aber nicht mehr mitbieten. Doch Balkauskys These unterstreichen auch diese Zahlen: Seitdem die Champions League nur noch im Pay-TV läuft, schalten in Deutschland um die 80 Prozent weniger Zuschauer ein. Der Fan zieht bei der Champions League seine schärfste Waffe: Er schaut einfach nicht mehr zu. Das fällt letztlich auf die Vereine zurück, die dadurch schlechtere Sponsorendeals abschließen. Gut möglich, dass die Champions League bei der nächsten Rechtevergabe also zumindest teilweise wieder ins Free-TV zurückkehrt.

    Im internationalen Vergleich geht es dem deutschen Fußballfan übrigens ziemlich gut. In England zum Beispiel läuft seit Jahren bis auf wenige Ausnahmen fast alles im Pay-TV, zwei Sender zahlen um die zwei Milliarden Pfund pro Saison und damit ungefähr das Doppelte wie in Deutschland. Highlights gibt es im Free-TV so gut wie gar nicht zu sehen, während in Deutschland die Sportschau im Fernsehen und die Bundesliga-Konferenz im Radio noch immer echte Institutionen sind. Und dann muss der englische Fan pro Spieltag auch noch mit gleich neun unterschiedlichen Anstoßzeiten klarkommen – In Deutschland sind es in den beiden obersten Ligen immerhin nur sieben.

    Neuvergabe der Bundesligarechte 2020

    Unbegründeter Frust bei den Fußballfans also? Zumal bald auch die Montagsspiele nach heftigen Protesten wieder verschwinden werden? Nein, natürlich nicht. Es ist tatsächlich teuer und schwierig geworden, in Deutschland Fußball zu schauen. Und auch wenn die Schlagzeilen zuletzt etwas Anlass zur Hoffnung gaben, sollte man nicht zu optimistisch auf die Neuvergabe der Bundesligarechte im nächsten Jahr hoffen. Möglich, dass dann nochmal neue Anbieter in das Wettbieten einsteigen.

    "Wenn Amazon oder Google wollen, können die uns alle rauskaufen, da hat kein einziges Medienunternehmen, das in Deutschland aktuell auf dem Markt ist, eine einzige Chance. Es ist die Frage, ob die Liga komplett bei Google oder Amazon verschwinden will?" Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator

    Ob die DFL, also die Deutsche Fußball-Liga, das wirklich will, kann derzeit keiner sagen. Könnten die Verantwortlichen den wohl nochmal deutlich lukrativeren Angeboten widerstehen, um der Deutschen liebste Sportart stattdessen auf anderen Ausspielwegen zu zeigen? Noch-Bayernpräsident Uli Hoeneß hoffte vor einigen Monaten in einem Zeitungsinterview jedenfalls darauf, dass etwa Amazon um die Rechte bald mitbietet. Hoeneß wörtlich:

    "Da spielt eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle. Dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können." Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München