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Coronavirus-Entscheidungen spalten Bayerns Fußballklubs | BR24

© picture-alliance/dpa

Leere Sitze im Regensburger Stadion

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Coronavirus-Entscheidungen spalten Bayerns Fußballklubs

Spiele ohne Zuschauer in 1. und 2. Fußball-Bundesliga, Absagen in Liga drei - der Coronavirus trifft auch die bayerischen Fußballklubs. Fürth und Regensburg fürchten den Einnahmenverlust, der FC Ingolstadt hätte dagegen lieber ohne Fans gespielt.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Profifußball in Bayern an diesem Wochenende ohne Zuschauer: Die bayerischen Erst- und Zweitligisten rechnen mit empfindlichen wirtschaftlichen Verlusten, von sechs- bis siebenstelligen Euro-Summen ist die Rede.

Der SSV Jahn Regensburg empfängt am Samstag Holstein Kiel - ohne Zuschauer. Bleibt die bayerische Regelung, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern abzusagen oder eben ohne Zuschauer auszutragen sind, tatsächlich bis zum 19. April bestehen, wäre der Jahn noch zwei weitere Heimspiele betroffen. Die Oberpfälzer beziffern die befürchteten Mindereinnahmen im Bereich "Ticketing & Hospitality" auf rund 1,1 Millionen Euro. "Diese Einnahmen sind für einen Klub der Größenordnung des SSV Jahn natürlich existenziell", sagte Jahn-Geschäftsführer Christian Keller auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (11.03.2020).

Fürth: Keine Zuschauer in einem "der zuschauerstärksten Spiele"

Auch die Spielvereinigung Greuther Fürth befürchtet eine finanziell herausfordernde Phase. Zwar unterstütze man alle Maßnahmen gegen das Coronovirus. Die "Kleeblättler" haben an diesem Freitag aber den Hamburger SV zu Gast, eines "der zuschauerstärksten Spiele."

Geschäftsführer Holger Schwiewagner blickt wie sein Regensburger Pendant Keller mit Sorge auf die fehlenden Einnahmen: "Fakt ist, diese Entscheidung trifft uns wirtschaftlich natürlich sehr und wir hoffen, dass unsere Fans und Partner uns in dieser außergewöhnlichen und schweren Phase auch weiterhin zur Seite stehen."

1. FC Nürnberg in Hamburg vor leeren Rängen

Auch der Club wird gegen St. Pauli vor leeren Rängen spielen. In Hamburg sind ab sofort Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern untersagt. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 30. April.

Das nächste Heimspiel ist für den 22. März terminiert. Mit Erzgebirge Aue gastiert dann eine Mannschaft, die dank der relativen, geographischen Nähe eine einigermaßen große Anzahl eigener Fans mitbringen würde. "Generell besteht die Gefahr signifikanter Erlöseinbußen. Wir befinden uns derzeit in intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten, um die Situation ganzheitlich zu beleuchten", lässt der 1. FCN auf Anfrage ausrichten.

Somit würden die Heimspiele gegen Erzgebirge Aue am 22.03.20 (13 Uhr), und den VfL Bochum am Osterwochenende (noch nicht zeitgenau terminiert), sowie das Auswärtsspiel bei Jahn Regensburg am Freitag, 03.04.20 um 18.30 Uhr, ohne Zuschauer ausgetragen, wenn die entsprechenden Spieltage an diesen Daten terminiert blieben.

FC Augsburg: Infos zum Wolfsburg-Spiel am Donnerstag

Der FC Augsburg spielt am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg. Auch in Schwaben dürfen keine Zuschauer ins Stadion. Beim FCA rechnet man mit einem hohen sechsstelligen Verlust pro Spiel, Näheres zum bevorstehenden "Geisterspiel" will der Verein am Donnerstag bekannt geben. Es ist die erste Partie unter dem neuen Trainer Heiko Herrlich. Auch die folgenden zwei Heimspiele finden vor leeren Rängen statt.

3. Liga: Absage kommt nicht überall gut an

Noch härter würden Spiele ohne Zuschauer die Vereine der 3. Liga treffen. Dort sagte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die nächsten beiden Spieltag aber komplett ab, nachgeholt werden soll Anfang Mai.

Die Meinung der Drittligaklubs geht weit auseinander. Die Verantwortlichen den TSV 1860 München hatten im Vorfeld gewarnt, dass Spiele ohne Zuschauer einige Vereine in finanzielle Probleme stürzen könnte. "Wir brauchen Solidarität innerhalb der Liga und Kompensation durch Verbände oder Land. Dieses Szenario kann kein Drittligaverein stemmen", sagte Löwen-Finanzchef Michael Scharold.

Beim FC Ingolstadt hätte man dagegen Spiele ohne Zuschauer bevorzugt. "Das Abstimmungsergebnis ist für uns schwer nachvollziehbar, die Entscheidung natürlich zu akzeptieren", sagte Geschäftsführer Franz Spitzauer nach der Absage der kommenden beiden Spieltage.

Sportchef Michael Henke räumte ein, dass auch dem FCI hohe Einnahmen entgangen wären. Er begründete die "Schanzer"-Einstellung aber mit sportlichen Gründen: Der Klub wäre mit neuem Trainer Tomas Oral lieber im Spielrhythmus geblieben statt in eine Zwangspause zu gehen.

In Bayerns Amateurligen wird gespielt

Vorerst normal geht's weiter in Bayerns Amateurligen. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV), riet im BR-Exklusivinterview zu Ruhe und Besonnenheit. Man solle den Vorgaben der Gesundheitsämter und Kommunen folgen. Aber eine generelle Absage von Amateurspielen durch den BFV wird es nicht geben.

"Wir haben um die 14.000 Fußballspiele terminiert an jedem Wochenende und dann sind bei diesen 14.000 Spielen weniger als zehn dabei, die überhaupt von der Größenordnung an die Zahlen heranreichen, die im Moment vom Ministerpräsidenten und den anderen Verantwortlichen in der Staatsregierung als kritisch angesehen worden sind", so Koch.

© BR

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV), im Exklusivinterview mit BR24 Sport: Welche Ratschläge kann der BFV den bayerischen Amateurklubs in Zeiten des Coronavirus geben?