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Corona führt zu "Grenzkonflikt" bei Regionalligist Alzenau | BR24

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Eigentlich sollte die Fußballsaison dieses Wochenende fortgesetzt werden, doch wegen der bayerischen Corona-Regeln hängen viele Amateurvereine in der Luft. Besonders verzwickt ist die Situation des unterfränkischen Vereins FC Bayern Alzenau...

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Corona führt zu "Grenzkonflikt" bei Regionalligist Alzenau

Eigentlich will der FC Bayern Alzenau in die Saison starten. Doch der Verein aus dem Nordwesten des Freistaats kickt in der Regionalliga Südwest. Wegen der bayerischen Corona-Regeln darf er keine Gästeclubs aus anderen Bundesländern empfangen.

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Es ist ein "Grenzkonflikt" der ungewöhnlichen Art. Denn was die Corona-Regeln, aber auch den Fußball angeht, gleicht Deutschland in diesen Tagen einem Flickenteppich. Konkret zu spüren bekommt das zum Beispiel der FC Bayern Alzenau. Weil der Verein in der Regionalliga Südwest spielt, aber in Bayern heimisch ist, darf er bis auf Weiteres keine Heimspiele austragen.

Verein darf keine Gastmannschaften empfangen

Grund dafür sind die Corona-Regelungen. Diese unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Der Alzenauer Fußballclub sitzt und trainiert in Bayern, spielt aber seit etwa 30 Jahren in Hessen.

Das Problem: In Bayern dürfen Fußballmannschaften momentan keine außer-bayerischen Mannschaften empfangen. Außerdem ist Bayern das einzige Bundesland, in dem Amateurvereine bislang keine Wettkampfspiele vor Publikum austragen dürfen. In Hessen hingegen werden die Fußballspiele vor Publikum ausgetragen. Je nach Stadion können bis zu 1.000 Fans mit Abstand ihrer Mannschaft zujubeln.

Bayern Alzenau in Hessen verwurzelt

Dass sich Alzenau fußballerisch seit Jahren nach Hessen orientiert, hat geografische Gründe. Alzenau ist der nordwestlichste Ort in Bayern, von dort sind es nur wenige Kilometer bis zur Landesgrenze. Obwohl der Verein "Bayern" im Namen trägt, hat er bei Auswärtsspielen nach Hessen kürzere Wege, als wenn er im Freistaat spielen würde.

Aktuell kickt der FC Bayern Alzenau in der Regionalliga Südwest, die in dieser Woche in die neue Saison startet. Eigentlich hätte der FC Bayern Alzenau dann auch sein erstes Heimspiel. Wenn da eben nicht die unterschiedlichen Corona-Regelungen wären. "Wir dürfen gegen bayerische Mannschaften spielen, aber gegen hessische nicht. Das muss mir mal jemand erklären", ärgert sich Trainer Artur Lemm.

Regionalliga Südwest gerät durcheinander

Vorerst also muss Bayern Alzenau komplett auf seine Heimspiele verzichten. Nicht nur die Ränge, sondern auch der Rasen im Stadion am Priestoß bleiben an Spieltagen verwaist. Das hat für den FC Bayern Alzenau und für die gesamte Regionalliga Südwest Konsequenzen. Wenn die Regelungen so bleiben, müsste der Verein alle Heimspiele verschieben oder sich einen Ausweich-Spielort mieten.

Beides wäre für den Verein keine zufriedenstellende Option. Langfristig sei das finanziell nicht tragbar, sagt Vorsitzender Andreas Trageser: "Bei der Kultur sind Zuschauer erlaubt, aber beim Fußball geht es nicht. In ganz Deutschland spielen die Amateure vor ein paar tausend Fans Fußball, nur in Bayern nicht."

Fußballclub hofft auf Zustimmung aus München

Mit Unterstützung des Alzenauer Bürgermeisters hat der Verein beim Bayerischen Innenministerium um eine Sonderregelung gebeten. Dieser Antrag wurde zunächst abgelehnt. Begründung: Die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung würde es nicht vorsehen, dass Zuschauer zugelassen werden. "Sie wäre auch gegenüber anderen Vereinen, die in bayerischen Ligen spielen, schwer vermittelbar", schrieb das Ministerium.

Klingt final. Doch Trainer, Spieler und der gesamte Verein haben noch Hoffnung. Das Kabinett will sich in der kommenden Sitzung am 14. September mit der Situation des FC Bayern Alzenau befassen. Dann soll es darum gehen, wann der Ligabetrieb im Amateurfußball und anderen Kontaktsportarten in Bayern wieder starten kann.

Bayern Alzenau tauscht Heimrecht mit Koblenz

Die Blicke richten sich nun in Alzenau auf diesen Termin. "Wir sind fünfmal die Woche hier. Das ist Zuhause, hier fühlen wir uns heimisch und haben Rückendeckung durch die Zuschauer", sagt Trainer Lemm. Selbstverständlich sei die Pandemie ernst zu nehmen, aber jede Maßnahme müsse Sinn machen.

Für das eigentlich erste Heimspiel des FC Bayern Alzenau gegen Koblenz Rot-Weiß am Wochenende gibt es nun erst einmal eine Sonderlösung: Die Vereine haben das Heimrecht kurzerhand getauscht. Das heißt, Alzenau spielt einen Tag später als ursprünglich geplant - und dann nicht in Alzenau, sondern in Koblenz. "Das kann sicherlich keine Dauerlösung sein", sagt Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Es handele sich um eine kurzfristige Lösung, in der Hoffnung, dass Alzenau zeitnah auch Heimspiele austragen darf.

Bei der Partie in Koblenz gilt ein Hygienekonzept. 500 Zuschauer sind zugelassen. Vielleicht werden sich darunter ein paar Gästefans aus Alzenau mischen. Auch in Rheinland-Pfalz ist das schließlich erlaubt.

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Eigentlich will der FC Bayern Alzenau in die Saison starten. Doch der Verein aus dem Nordwesten des Freistaats kickt in der Regionalliga Südwest. Wegen Corona-Regeln darf er keine Gästeclubs aus anderen Bundesländern empfangen.

💡 Wer spielt in der Regionalliga Südwest?

In der Regionalliga Südwest spielen 22 Mannschaften aus Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Der FC Bayern Alzenau ist eine Ausnahme in der Liga. Der Verein kommt zwar aus dem Nordwesten Unterfrankens spielt aber seit 30 Jahren in Hessen. Deshalb kickt Bayern Alzenau seit dem Aufstieg 2019 in der Regionalliga Südwest – und nicht in der Regionalliga Bayern, was geografisch anzunehmen wäre.

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