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Coming-out im Fußball: "Mr. Gay Germany" fordert mehr Mut | BR24

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In der Diskussion über Coming-outs von Fußball-Profis bedauert Benjamin Näßler, "Mr. Gay Germany", die Äußerungen von Ex-Spieler Philipp Lahm. Der ehemalige FC-Bayern-Profi hatte schwulen Spielern empfohlen, sich ein Coming-out gut zu überlegen.

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Coming-out im Fußball: "Mr. Gay Germany" fordert mehr Mut

In der Diskussion über Coming-outs von Fußball-Profis bedauert Benjamin Näßler, "Mr. Gay Germany", die Äußerungen von Ex-Spieler Philipp Lahm. Der ehemalige FC-Bayern-Profi hatte schwulen Spielern empfohlen, sich ein Coming-out gut zu überlegen.

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Von
  • Babette Bauer
  • Stefan Kreutzer

"Das Spiel. Die Welt des Fußballs" lautet der Titel von Philipp Lahms Buch, das heute erscheint. Darin äußert sich Lahm auch zu gesellschaftlichen Fragen. So rät er homosexuellen Fußballprofis von einem öffentlichen Coming-out vor Karriereende ab.

"Gegenwärtig scheinen mir die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen." Philipp Lahm in seinem Buch

Bei der Buchpräsentation ergänzte der Weltmeister-Kapitän von 2014: "Ich würde es mir wünschen, wenn sich jemand outet. Aber ich warne, es lauern Gefahren."

"Mehr Mut gewünscht"

Benjamin Näßler ist aktueller "Mr. Gay Germany" und hat sich mit der Kampagne "Doppelpass" zum Ziel gesetzt, schwule Fußballer mit Gesprächsangeboten zu unterstützen.

Im radioWelt-Interview auf Bayern 2 hat er bedauert, dass Philipp Lahm nicht mehr Mut mache.

"Im Grundsatz muss ich sagen, hat er leider noch recht. Es ist immer noch so, dass das Thema 'Homosexualität im Fußball' ein Tabuthema ist. Nichtsdestotrotz hätte ich mir von ihm einfach gewünscht, mehr Mut zu machen." Benjamin Näßler

Über Philipp Lahm sagte Näßler, "Menschen wie er seien ein sehr, sehr großes Vorbild für viele junge Fußballerinnen und Fußballer und gerade sein Wort habe auch viel Gewicht.

"Da würde ich mir einfach wünschen, dass gerade Personen wie er, die so eine Strahlkraft haben, einfach den homosexuellen Spielerinnen und Spielern Mut machen, um auch zu zeigen, dass er sie unterstützen würde." Benjamin Näßler

Eine aktuelle Anti-Homophobie-Kampagne von 800 Fußballerinnen und Fußballern im "11 Freunde"-Magazin nannte Näßler ein "richtiges Zeichen" und fügte an: "Das, was er [Philipp Lahm] gemacht hat, ist eher wieder ein Schritt zurück leider."

Forderungen an den DFB - auch zum Amateurbereich

Näßler forderte den Deutschen Fußball-Bund auf, stärker gegen Homophobie einzutreten: "Es muss ein Zeichen her. Da sehe ich den DFB an der Spitze, dass der eine Kampagne startet für dieses Thema und nicht nur sagt, ja, in unserem Ethikkodex steht das drinnen."

Der Hobby-Fußballer appellierte aber auch an die Verantwortlichen in den Amateurvereinen.

"Ich würde mir auch erhoffen, dass dieser Schritt des Outings mal ein bisschen umgedreht wird: Dass nicht diejenigen, die schwul sind, sich outen müssen, sondern dass auch die, die in den Vereinen heterosexuell sind, dieses Zeichen setzen und sagen: 'Ach übrigens, wenn hier einer homosexuell sein sollte, ich habe damit kein Problem'." Benjamin Näßler

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