Ilkay Gündogan (Manchester City) bejubelt den Champions-League-Viertelfinal-Triumph über den FC Bayern München
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Ilkay Gündogan von Manchester City

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Champions League: Gündogan auf dem Weg zur Krönung

Nach dem 4:0-Sieg über Real Madrid zieht Manchester City als großer Favorit in das Champions-League-Finale ein. Für den ehemaligen Nürnberger Ilkay Gündogan ist es die Chance, seiner Karriere die Krone aufzusetzen.

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Ilkay Gündogan läuft derzeit wieder einmal zur Höchstform auf. Der 32-jährige Mittelfeldspieler hat den Ruf, immer dann besonders gut zu werden, wenn alles auf dem Spiel steht. Und diese Saison ist keine Ausnahme. Ende Februar sah die Welt bei Manchester City noch ein wenig anders aus. Der FC Arsenal hatte die besten Karten im Meisterrennen und dem Team von Pep Guardiola hing der Ruf nach, in der Champions League trotz herausragendem Fußball nie den ganz großen Wurf landen zu können.

Dann begann die stärkste Phase der Saison und seither ist City nicht zu schlagen. Egal ob Pokal, Liga oder Königsklasse: Manchester City verliert nicht. Während Tormaschine Erling Haaland, Vorlagengenie Kevin De Bruyne und Dribblekünstler Bernardo Silva meist für spektakuläre Highlights sorgen, zieht der Gündogan routiniert, besonnen und durchdacht die Fäden eine Reihe dahinter.

Guardiola über Gündogan: "So intelligent"

So war es schon beim Viertelfinal-Triumph über Bayern München, so ist es in den wichtigen Spielen der Liga, so war es auch bei diesem 4:0 über Real Madrid. Gündogan war der Anker im City-Mittelfeld. "Er ist als defensiver und offensiver Mittelfeldspieler so intelligent. Wir sind sehr froh, ihn zu haben", sagte Guardiola über seinen Taktgeber, den er vor dieser Saison sogar zum Kapitän beförderte. Gündogans Stärke ist, das Spiel an sich zu ziehen, ohne dabei besonders viele Ballberührungen zu brauchen. Er ist keine Passmaschine, die im Stakato, die Bälle in alle Richtungen verteilt. Mit seiner Technik und seiner Überblick schafft er es, in kurzen Momenten die Mitspieler so freizuspielen und in Szene zu setzen, dass sie glänzen können.

Erste Karriereschritte beim 1. FC Nürnberg

So ruhig und durchdacht wie er spielt, so ging er auch seine Karriere an. Er überhastete nichts. Er nahm sich seine Zeit und wartete immer auf den richtigen Moment. So war es, als er spät den Schritt in die Jugendabteilung des VfL Bochum ging. Und auch als er von dort als 18-Jähriger Nordrhein-Westfalen verließ, um in Franken seine erste Schritte im Profifußball zu gehen. Dort reifte er als Spieler, kam in der schwierigen und schnelllebigen Welt des Geschäfts an. Beim 1. FC Nürnberg wurde er in seiner ersten ganzen Saison direkt Stammspieler in der 1. Bundesliga und hatte im Jahr darauf einen großen Anteil am sechsten Platz, der besten Saison in der jüngeren FCN-Geschichte.

Gündogan verließ den 1. FC Nürnberg 2011 wieder und wechselte nach Dortmund. Und auch beim BVB drückte er dem Spiel seinen Stempel auf, wurde in seiner ersten Saison Meister und Pokalsieger. Es waren die ersten großen Titel seiner Karriere. Die anderen sollte lange auf sich warten lassen. Denn der BVB scheiterte 2013 im Champions-League-Finale am FC Bayern. Die Weltmeisterschaft 2014 verpasste Gündogan wegen einer Nervenwurzelentzündung im Rücken. Und für den BVB gab es fortan nicht mehr viel zu gewinnen. Zu dominant war die Konkurrenz aus München. Und so ging Gündogan nach fünf Jahren in Dortmund den nächsten Schritt und folgte dem Ruf Guardiolas zu Manchester City.

Wechsel nach Manchester: Schwerer Beginn und jahrelange Dominanz

Es war kein guter Beginn für Gündogan. In seiner ersten Saison sprang ihm die Kniescheibe heraus. Kurz nach seinem Comeback die nächste Schockdiagnose: Kreuzbandriss. Doch anschließend lief es besser. Gündogan war aus Guardiolas Plan nie wegzudenken. Mit ihm in der Schaltzentrale gewann Manchester vier Meistertitel, viermal den Ligapokal und einmal den FA Cup. Doch auch dort sollte es für den ganz großen Titel bislang nicht reichen. Trotz des erfolgreichen Fußballs, den City über die vergangenen Jahre spielte, erreichte es nur 2021 das Champions-League-Finale - und verlor gegen Thomas Tuchsels FC Chelsea.

Nun will Gündogan es im dritten Anlauf endlich schaffen und den größten Titel im europäischen Klubfußball gewinnen. Nach dem Halbfinal-Triumph sind die Voraussetzungen gut. "Was für ein wunderbarer Abend", schrieb City-Kapitän Ilkay Gündogan am Mittwochabend nach dem 4:0-Sieg über Real Madrid in den sozialen Medien. Kurz zuvor hatte er unter großem Applaus bei seiner vorzeitigen Auswechslung den Platz verlassen. "So STOLZ auf diese Mannschaft", schrieb der deutsche Nationalspieler weiter. Nun wartet im Finale am 10. Juni Inter Mailand. Würde Gündogan auch bei seinem dritten Anlauf auf den Titel stolpern, es wäre eine große Überraschung. Zu dominant ist die Maschine, die Guardiola in Manchester aufgebaut hat. Zu gut sind die einzelnen Akteure. Zu überlegt setzt Mittelfeldstratege Gündogan sie in Szene.

Gündogans Zukunft: Barça, BVB - oder Nürnberg?

Doch wie es für Gündogan danach weitergeht? Sein Vertrag in Machester läuft aus. "Der Verein kennt meine Meinung", sagte Guardiola über die mögliche Verlängerung mit seinem Kapitän. Er will Gündogan halten - doch die Konkurrenz ist groß. Der FC Barcelona soll schon bei den Gesprächen mit dem 32-Jährigen weitfortgeschritten sein. Sie suchen nach einem Ersatz für Sergi Busquets in der Schaltzentrale. Borussia Dortmund würde ihn gerne zurückholen und auch der FC Bayern wurde immer wieder als mögliche Adresse gehandelt.

Und dann gibt es freilich noch den 1. FC Nürnberg. Gündogan hatte immer wieder gesagt, dass er sich eine Rückkehr in seine alte fußballerische Heimat gut vorstellen könnte. Noch immer steht er im regelmäßigen Kontakt zu Dieter Hecking. Doch ob ein Wechsel von der Krone Europas zu einem akut abstiegsgefährdeten Zweitligisten wirklich zum durchdachten Karriereplan passen würde? ""Bald" noch nicht, aber wer weiß das schon, was in einigen Jahren ist", hatte der Ex-Clubberer vor gut einem halben Jahr über eine mögliche Rückkehrt gesagt. Denn der FCN liegt ihm immer noch am Herzen: "Meine vielleicht glücklichste Zeit als Fußballer hatte ich zu Beginn meiner Karriere als 18-, 19-Jähriger beim 1. FC Nürnberg", hatte er einmal gesagt. Das, jedoch, könnte sich vielleicht durch einem Sieg im Champions-League-Finale am 10. Juni vielleicht sogar ändern.

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