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Mit Chad Nehring kommt ein echter Kämpfer zu den Augsburger Panthern. Der deutsch-kanadische Mittelstürmer kämpfte sich nach einer Kopfverletzung zurück aufs Eis - und das mit Erfolg. Nach zwei Jahren Reha gab er sein Comeback bei den Fuggerstädtern.

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Chad Nehring: "Ich musste das Schlittschuhfahren neu lernen"

Mit Chad Nehring kommt ein echter Fighter zu den Augsburger Panthern. Der deutsch-kanadische Mittelstürmer kämpfte sich nach einer Kopfverletzung zurück aufs Eis - und das mit Erfolg. Nach zwei Jahren Reha gab er sein Comeback bei den Fuggerstädtern.

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Von
  • Achim Hofbauer

Sein Spitzname: Chuck Norris – sein Beruf: Bad Guy und Tore schießen – einmal runter vom Eis ist Augsburgs neuer Chad Nehring eine Seele von Mensch, lächelt viel – im Spiel aber war er immer harter Hund. Nehring landet viele Volltreffer, nicht nur ins Tor, sondern auch in die Körper der Gegenspieler.

Nehring kam zur Saison 2017/18 in die Deutsche Eishockey-Liga und stürmte zwei Spielzeiten sehr erfolgreich für die Fischtown Pinguins, ehe er 2019 zur Düsseldorfer EG wechselte. 108 Partien hat er im deutschen Eishockeyoberhaus bereits bestritten, dabei stehen starke 32 Tore und 61 Assists zu Buche. Beim Anspiel zählte der 34-jährige Center in dieser Zeit mit konstant guten Quoten nahe der 60 Prozent zu den erfolgreichsten Bullyspielern der Liga.

Der Sturz, der sein Leben veränderte

Dann kam der 22. November 2019, als er mit der Düsseldorfer EG gegen Ingolstadt spielte. "Ich bin im Spiel unglücklich aufs Eis geknallt. Tat weh, aber egal. Später ist mein Kopf fast explodiert, ich hatte Tinnitus aber habe zu Ende gespielt, weil man das als Eishockeyspieler eben so macht", erinnerte sich Nehring an den Tag, der sein Leben veränderte. Minuten später brach der 34-Jährige zusammen, auch Wochen danach konnte er sich kaum auf den Beinen halten. Im Februar des vergangenen Jahres hatte Nehring in den sozialen Netzwerken einen Einblick in seine Leidensgeschichte gewährt. Er schrieb vom "größten Hindernis" seiner Karriere, von einer "Schädigung des Gehirns", von "Symptomen wie Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel, Konzentrations- und Sehstörungen", von "Angstzuständen und Depressionen". Den Grund kannte zunächst niemand. Körperlich schien alles in Ordnung, denn sämtliche Untersuchungen an Knochen und Gehirn waren ohne Auffälligkeiten.

Kopfverletzungen, ein unterschätztes Problem?

Viele unterstellten Nehring daraufhin ein mentales Problem, dabei sind Kopfverletzungen die häufigste Art von Verletzung im Eishockey. Im Gegenteil, die zunehmende Häufigkeit und auch Schwere der Läsionen beschäftigt die Deutsche Eishockey-Liga schon länger. Der Grund: Das Spiel schneller und dynamischer geworden, und auch die Schiedsrichter wären damit oft überfordert. Oft haben betroffene Spieler mehrere Monate mit den Folgen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen, viele schaffen es gar nicht mehr zurück aufs Eis. Klassische Scan-Verfahren wie ein CT oder MRT zeigen diese Störungen nicht, weshalb sie häufig auch nicht richtig auskuriert wird.

Seit Jahren sind die Verantwortlichen – vor allem aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen – darauf sensibilisiert, das Thema ernst zu nehmen. Denn neben den massiven Einschränkungen im Alltag ist das Belastende für die Spieler daran vor allem, dass es keinen Zeitplan für die Heilung gibt.

Nehring lernte das Schlittschuhfahren neu

In einer Spezialklinik in Chicago wurde man nach langer Suche dann endlich fündig. "Sie hatten mir Wasser ins Ohr geschüttet, um den Gleichgewichtssinn zu testen. Da war ziemlich viel kaputt, das Hirn wusste zum Teil nicht, was die Hände und Beine als nächstes machen und wohin die Augen schauen. Da hat nicht mehr viel funktioniert", erklärte Nehring seinen Befund.

Der Weg zurück war mühsam. Monate lang absolvierte Nehring Augen-Kopf- und Nackentraining und musste alles an Koordination neu lernen - sogar das Schlittschuhfahren. Doch für sein großes Ziel, wieder aufs Eis zu gehen, tat er alles, und schaffte tatsächlich wieder den Weg aufs Eis.

Der Deutsch-Kanadier spielte zunächst in einer Art Seniorenliga, wo man nicht checken darf. "Die Angst vor Gegenspielern war weg und das Gefühl fürs Spiel ist langsam wiedergekommen", erinnerte sich Nehring.

Comeback bei den Augsburger Panthern

Bei den Augsburger Panthern hat Nehring vor kurzem sein erstes Profimatch seit fast zwei Jahren absolviert. "Der ist ein Kämpfer. Er wirkt topfit und bringt uns offensiv die Qualitäten, die wir vielleicht letztes Jahr ein bisschen vermisst haben", lautete das Fazit von Stürmer Marco Sternheimer.

Ein großes Ziel hat Nehring noch: "Bevor ich in Rente gehe, will ich einen Profititel", stellte der Mittelstürmer klar. Das unterscheidet ihn nämlich noch von Chuck Norris. Der war tatsächlich mal Karate-Weltmeister, und hatte einen Titel, den Nehring auch verdient hätte: Figther of the year.