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CAS-Urteil: Too big to fail - auch im Fußball | BR24

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Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat Manchester City die Starterlaubnis für den Europapokal gegeben. Das Urteil könnte wegweisend sein. Die UEFA-Regeln zu "Financial Fairplay" wirken nur noch wie eine Farce.

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CAS-Urteil: Too big to fail - auch im Fußball

Keine Sperre für Manchester City und Trainer Pep Guardiola. Der internationale Sportgerichtshof CAS hat die Strafe der UEFA aufgehoben. Sportrechtsexperten stellen das Financial Fairplay in Frage.

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Es bleibt dabei: Keine Strafen für die großen Fußballklubs. Als die UEFA vor rund zehn Jahren das Financial Fair Play eingeführt hat, war die Idee, so die Überschuldung der europäischen Klubs zu beseitigen. Die Grundregel dabei lautet: Ein Verein darf nicht mehr Geld ausgeben, als er einnimmt. Christian Müller war als ehemaliger Finanzchef der deutschen Fußballliga an der Ausarbeitung beteiligt. Er ist fassungslos und "total enttäuscht" von der Entscheidung des CAS: "Das ist das Waterloo für die Sportregelwerke. Eine Strafe von zehn Millionen Euro ist einfach eine Lachnummer, das hätte man sich auch sparen können."

Anwälte haben Druck ausgeübt

Antoine Duval, Experte für Europäisches und Internationales Sportrecht am ASSER-Institut in Den Haag, ist sich sicher, dass aus dieser Entscheidung hängen bleibt: "Große Klubs, die sich teure Anwälte und kreative Wirtschaftsprüfer leisten können, kommen viel besser mit den Financial Fairplay Regeln zurecht als mittlere und kleinere Klub, die sich diese Anwälte und Buchhalter nicht leisten können." In diese Richtung gehen auch die Informationen, die der ehemalige DFL-Finanzvorstand Christian Müller hat:

"Was ich gehört habe, aus dem Hause der UEFA oder des europäischen Fußballs in Nyon, ist, dass ein unglaublich hoher Druck aufgebaut wurde von Manchester City und dass die Anwälte wirklich bis an die Zähne bewaffnet aggressiv aufgetreten sind. Einschüchterungsversuche haben dort stattgefunden. Ob das so weit geht, dass auch die drei Richter eingeschüchtert wurden, das kann man nicht beurteilen als Außenstehender." Christian Müller, ehemaliger Finanzchef der DFL
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Was bedeutet das Urteil des CAS für das Financial Faiplay? BR-Sportredakteur Sebastian Krause sieht es kritisch.

CAS fehlt es an Tranzparenz und Unabhängigkeit

Duval sieht beim Internationalen Sportgerichtshof mehr ein strukturelles als ein personelles Problem. Es mangelt dem CAS an Transparenz und Unabhängigkeit. Außerdem kritisiert Duval eine zu große Machtkonzentration. Als eine Art Weltsportgericht habe der CAS nun seiner Meinung nach die Financial Fairplay Regeln versenkt: "Mein Gefühl ist, das Financial Fairplay hat in der öffentlichen Wahrnehmung viel Glaubwürdigkeit verloren, ob es abgeschafft wird, weiß ich nicht. Aber was seine Wirkung angeht scheint das Financial Fairplay tot oder im Koma zu sein."

UEFA betont Erfolg von Financial Fairplay

Trotz der Niederlage betonte die UEFA erneut, dass die eigenen Finanzregeln in den vergangenen Jahren "eine signifikante Rolle" gespielt hätten. Mehr als 40 Vereine wurden bisher wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay bestraft. Doch meistens traf es kleine Klubs aus dem Osten und Südosten des Kontinents. Manchester City wäre der Erste sogenannte Big Player gewesen. Das hat das Urteil des CAS nun verhindert.

Regelverstöße verjährt und nicht nachzuweisen

Nach Auffassung der drei CAS-Richter waren die Regelverstöße, die der Fußballverband für sein Urteil herangezogen hat, entweder nicht zweifelsfrei nachzuweisen oder sie sind bereits verjährt. Das "too-big-to-fail-Prinzip", das man aus dem Bankwesen oder von Autokonzernen kennt, scheint auch im europäischen Fußball zu gelten.

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Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat Manchester City die Starterlaubnis für den Europapokal gegeben. Sportrechtsexperten üben gegenüber der ARD Radio Recherche Sport Kritik an der CAS-Entscheidung.