BR24 Logo
BR24 Logo
Sport

DFL-Konzept: Die Welt blickt auf den deutschen Fußball | BR24

© BR/Nils Hahn

Kommendes Wochenende nimmt der Profifußball seinen Spielbetrieb wieder auf. Aber die Fortsetzung der Saison funktioniert nur unter Einhaltung strenger Maßnahmen. Task-Force-Mitglied Dr. Werner Krutsch erläutert das DFL-Konzept.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

DFL-Konzept: Die Welt blickt auf den deutschen Fußball

Kommendes Wochenende nimmt der Profifußball seinen Spielbetrieb wieder auf. Aber die Fortsetzung der Saison funktioniert nur unter Einhaltung strenger Maßnahmen. Task-Force-Mitglied Dr. Werner Krutsch erläutert das DFL-Konzept im BR-Interview.

Per Mail sharen

Der 40-jährige Kniespezialist und Mediziner Dr. Werner Krutsch leitet die Fifa-Klinik an der Uni-Klinik Regensburg und ist Kapitän der deutschen Ärzte-Nationalmannschaft. Krutsch ist Mitglied der Task-Force, die das 51-seitige Konzept der Deutsche Fußball Liga (DFL) mit ausgearbeitet hat.

Es ist ein umstrittenes Konzept, in dessen Mittelpunkt zahlreiche Maßnahmen für die Bundesliga-Vereine und deren Profis und Betreuer stehen. Der Arzt stellt klar, dass es in erster Linie darum geht, das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Der Virus selbst kann nicht komplett ausgelöscht werden. Die Task-Force hat sich intensiv Gedanken gemacht und zahlreiche Szenarien durchgespielt. Die Grundvoraussetzung, dass das Konzept greift, ist ein vorbildliches Verhalten der Profis im Umgang mit ihren persönlichen Kontakten. Und dann wird natürlich getestet, getestet, getestet. Ein positiv getesteter Profi darf laut Krutsch nicht auflaufen.

"Wir können keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Das ist völlig klar. Was wir mit unserem Konzept entwickelt haben ist, das Risiko für die Berufsgruppe Profifußballer möglichst gering zu halten." Dr. Werner Krutsch

"11 Freunde" = Elf Maßnahmen für Profis

Die elf Maßnahmen, die die Spieler erfüllen müssen, haben sie bei der DFL "11 Freunde" genannt, berichtet der Nürnberger Mediziner. Die Regeln gibt's sowohl für das Verhalten im Stadion als auch im Hotel oder im Training oder bei der Familie daheim. Sie gelten an allen Quarantäne-Standorten der 1. Bundesliga und 2. Bundesliga.

"Ich denke, es ist es ist eine Art Hilfestellung", so Krutsch. Per WhatsApp haben die Fußballer die jeweiligen Maßnahmen auf ihr Handy geschickt bekommen - "in verschiedenen Sprachen". Der Handzettel soll die Kicker auch auf die Tests vorbereiten, die für sie nun mehrmals pro Woche anstehen.

Kurzer Medizincheck am Stadion

Zudem plant die DFL auch vor dem Neustart am 16. Mai, dass sie einen Probelauf an allen Stadien durchführt. Dort sind anders als an allen Orten mehr Menschen, die zu den Spieltagen zusammenkommen. Daher herrscht erhöhte Vorsicht: "Es beginnt schon mit einer Einlasskontrolle, wo dann eine Art kurzer Medizincheck durchgeführt wird und geguckt wird, dass auch da keiner Fieber oder Symptome von Corona hat", erklärt der Orthopäde.

Die Spieler auf dem Feld sollen dabei auch weiter jubeln, findet er. Die Kicker dürfen ja ohnehin erst spielen, wenn sie negativ getestet wurden. Sie leben laut Krutsch in einer "Art Pseudo-Quarantäne" - "Sie haben also wenig bis gar keinen Kontakt zu möglichen Infizierten."

DFL-Konzept soll auch anderen Ländern helfen

Anders als zu Beginn der Corona-Zeit (Beispiel 1. FC Nürnberg) muss dann im Normalfall auch kein ganzes Team mehr in Quarantäne. Dynamo Dresden soll die Ausnahme bleiben. "Damals hat keiner Hygienemaßnahmen eingehalten", erklärt Krutsch.

Krutsch und seine Kollegen arbeiteten bereits seit Langem am Konzept: "Zu Beginn der Pandemie haben wir uns schon zusammengefunden bei der DFL und die Pandemie-Situation in der Gesellschaft beobachtet." Andere Länder schauen sich das Konzept bereits ab - die Welt blickt auf den deutschen Fußball.

Die Welt blickt auf den deutschen Fußball

Der Vorsitzende, Prof. Dr. Tim Meyer, hält etwa bereits Kontakt mit anderen Ligen in Europa und den USA. "Und auch ich selbst bin in einer WhatsApp-Gruppe mit den Verbandsärzten und den Nationalmannschaftsärzten der anderen europäischen Länder", berichtet Krutsch. "Wir sind eigentlich seit der Beginn der Pandemie dabei, uns gegenseitig auszutauschen." Eines eint die Länder und Ligen: Ihr Sport soll unter den geänderten Voraussetzungen und ohne großes Risiko weiterlaufen können.