BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Profisport ohne Zuschauer, Stillstand im Amateursport | BR24

© Picture alliance/dpa

Fußball auf einer leeren Zuschauertribüne

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Profisport ohne Zuschauer, Stillstand im Amateursport

Bund und Länder haben angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen entschieden, den Profisport im November nur noch ohne Zuschauer zuzulassen. Dagegen wird der Freizeit- und Breitensport erneut komplett heruntergefahren.

Per Mail sharen

Ab 2. November werden im Profisport - unabhängig von der Sportart - keine Zuschauer mehr zugelassen. Wie alle anderen Regelungen, die Bund und Länder am Mittwoch beschlossen haben, gilt dies zunächst für vier Wochen, also den kompletten Monat November.

Betroffen ist nicht nur der Profifußball von der 1. bis zur 3. Liga. Noch viel mehr trifft diese Entscheidung kleinere Sportarten. Diverse Verbände - aus dem Handball, Basketball, Eishockey oder Volleyball - hatten vor den Beratungen vor erneuten Einschnitten gewarnt. Es gehe in vielen Fällen um die nackte Existenz.

Amateursport erlebt zweiten Lockdown

Am härtesten treffen die Maßnahmen Amateur- und Freizeitsportler: Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Amateurvereine dürfen bis auf weiteres nicht mehr zusammen trainieren. Allein der Individualsport, also etwa alleine joggen gehen, ist weiter erlaubt.

Unterschiedliche Vorgaben in den Ländern soll es diesmal nicht geben. "Die Entscheidungen gelten bundesweit", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

DFL weist auf die Hygienekonzepte hin

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bezeichnete die erneute Anordnung von Geisterspielen in einer ersten Reaktion als "bedauerlich". Fans und Klubs hätten in den vergangenen Wochen, "wo immer möglich, Hygiene- und Abstandsregeln nahezu ausnahmslos diszipliniert umgesetzt und sind damit ihrer Verantwortung gerecht geworden", teilte die DFL mit.

"Zweifelsohne erfordert die sich zuspitzende Pandemie-Lage zusätzliche Anstrengungen in allen Lebensbereichen", schrieb die DFL, verwies aber auch auf die "mit großem Aufwand" erstellten Hygienekonzepte für die Bundesliga und 2. Bundesliga "zum effektiven Schutz von Stadion-Zuschauern", die mit den zuständigen Behörden vor Ort abgestimmt gewesen seien. Der Verband hoffe, "dass die beschlossenen Maßnahmen im Sinne der gesamten Gesellschaft schnell und nachhaltig Wirkung zeigen".

Handball: Geisterspiele "widersprechen" früheren Vereinbarungen

In den anderen Profi-Ligen sieht es dagegen bereits jetzt düsterer aus. Die Anordnung der Geisterspiele widerspreche "eigentlich dem, was wir letzte Woche mit den Chefs der Staatskanzleien besprochen haben", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga der Deutschen Presse-Agentur und ergänzte: "Da war der Tenor noch eindeutig: Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei."

Basketball: Spielen "auch ohne Zuschauer"

"Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe dafür", sagte Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, zu der Entscheidung aus der Politik. "Es werden von uns Hygienekonzepte verlangt, für die wir viel Geld in die Hand nehmen und mit ausgewiesenen Experten zusammenarbeiten. Und obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter."

Der BBL-Chef fügte aber hinzu: "Aber jetzt warten wir die genauen Beschlüsse erst einmal ab. Vielleicht gibt es ja noch etwas Kleingedrucktes, das Ausnahmen zulässt." Er sei froh, dass die Ligen zumindest ohne Zuschauer spielen dürfen. "Von daher schwankt meine Gefühlslage gerade zwischen Frust und Erleichterung", sagte Holz. Die BBL will am 6. November in ihre neue Saison starten.

Eishockey: für die DEL "kaum anders", für den Nachwuchs "grausam"

Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga Gernot Tripcke erklärte: "Diese Entscheidung trifft den gesamten Profi-Sport natürlich sehr hart". In Bezug auf die DEL sei "die Ausgangslage in den letzten Wochen aber faktisch schon kaum anders" gewesen.. Es bliebe "zu hoffen, dass die Situation sich bis zu unserem potentiellen Saisonstart Ende des Jahres etwas entspannt". Für den Nachwuchs, der wie schon im März gar nicht mehr spielen und trainieren darf, wertete Tripcke "die getroffenen Beschlüsse grausam."

DOSB bedauert Lockdown für Breiten- und Freizeitsport

Dramatisch sind die Auswirkungen auf den Amateursport, der einen zweiten kompletten Lockdown erlebt. "Der DOSB bedauert sehr, dass dieser temporäre Lockdown inklusive eines Verbots des Amateursports offenbar nötig geworden ist", sagte Präsident Alfons Hörmann.

© BR

Jetzt ist klar, dass die Profis nur ohne Zuschauer und die Amateure im November überhaupt nicht mehr aktiv sein dürfen. Der Präsident des deutschen Sportbundes Alfons Hörmann weiß, was dieser Stop für Auswirkungen auf die Zukunft haben kann.

Hörmann: "Schwerer Schlag", Finanznot und fehlender sozialer Kit"

Der DOSB-Chef sagte, "für Gesamtsport Deutschland" seien die Beschlüsse ein schwerer Schlag. "Das, was jetzt passiert, ist natürlich ein Szenario, wie wir es uns nicht hätten vorstellen können". Aber es gelte, "einmal mehr, in weitestem Sinne solidarisch, die Maßnahmen mitzutragen".

Hörmann denkt zugleich an die finanziellen Auswirkungen trotz der zugesagten Finanzhilfen: "Wenn es nicht gelingt, an der Stelle nachzubessern im Sinne der Vereine, der betroffenen Organisationen, Verbesserungen umzusetzen, dann befürchten wir, dass der 200-Milllionen-Topf nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft wird, obwohl auf der anderen Seite die Existenznot nicht nur mit Händen zu greifen, sondern sehenden Auges bei vielen Organisationen in die Insolvenz führt."

Der Verbandschef weist auch auf die Auswirkungen für die Gesellschaft hin: "Wir sprechen bei den 90.000 Vereinen ja immer von unseren sozialen Tankstellen, über das ganze Land verteilt. Wenn die Tankstellen bildlich gesprochen, nicht geöffnet sind, dann geht vieles an sozialem Kit verloren".