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Buchtipp: "Marek Mintál – Wie Fußball Menschen berührt" | BR24

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Der 1. FC Nürnberg taumelt gerade durch die Zweite Bundesliga. Da tut es gut, sich an bessere Zeiten und besondere Spieler zu erinnern. Hans Böller zeichnet in seinem Buch die Karriere von Marek Mintál nach und lässt die Freude am Fußball aufleben.

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Buchtipp: "Marek Mintál – Wie Fußball Menschen berührt"

Der 1. FC Nürnberg taumelt gerade durch die Zweite Bundesliga. Da tut es gut, sich an bessere Zeiten und besondere Spieler zu erinnern. Hans Böller zeichnet in seinem Buch die Karriere von Marek Mintál nach und lässt die Freude am Fußball aufleben.

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Von
  • Anja Bühling

Auf die Frage, ob er Zeit hätte für ein Interview über das über ihn erschienene Buch, sagt Marek Mintál gerne zu. Ganz einfach, weil er es "wunderbar" findet, dass der ehemalige Sportchef der Nürnberger Nachrichten, mit dem ihn eine fast 20-jährige respektvolle, freundschaftliche Beziehung verbindet, ein Buch über sein Leben und seine Karriere beim 1. FC Nürnberg geschrieben hat. Das Buch von Hans Böller rundet für ihn sozusagen seine Fußballer-Karriere beim Club ab.

Ein ganz normales Fußballerleben – Danke schön!

Für den Autoren ist das Buch eine Liebeserklärung an den "eigentlichen" Fußball, wie ihn viele lieben. Verkörpert wird dieser Fußball von Marek Mintál – einem Spieler, der für Böller eine typische Fußballer-Karriere durchlief und dabei, was vielleicht das Außergewöhnliche ist, immer normal geblieben ist.

"Dieses Buch ist keine klassische Biografie, es ist noch nicht einmal ein klassisches Fußballbuch. Am ehesten ist es der Versuch von der Freude am Fußballspiel zu erzählen, von der Freude am Spielen, wie sie Marek Mintál vorlebte. Man kann es – deshalb auch als Dankeschön an Marek Mintál lesen, der so vielen Menschen so viel Freude gemacht hat." Hans Böller, im Vorwort von "Marek Mintál – Wie Fußball die Menschen berührt."

Es soll keine Heldengeschichte sein, nicht weil der mittlerweile 44-jährige Marek Mintál nicht das Potenzial dazu hätte. Nein, vielmehr weil der Slowake sich selbst nicht so sieht. Mareks Eltern Maria und Anton, mussten hart und viel arbeiten, seine Familie – die ihm viel bedeutet – war nicht auf Rosen gebettet und er ist immer bodenständig geblieben.

Marek Mintál Schweißer

Hans Böller hat für dieses Buch auf seine Aufzeichnungen, sein in den mehr als 20 Jahren Sportredaktion angesammeltes Wissen, viele Gespräche mit Marek, Interviews mit Mitspielern wie Andi Wolf, Javier Pinola und Rafael Schäfer oder Trainer wie Wolfgang Wolf und Hans Meyer sowie spezielle Recherchen zurückgegriffen. Ihm selbst neu war zum Beispiel, dass Marek Mintál eine Schweißerlehre gemacht hatte und in dem Beruf auch gearbeitet hat. Vielleicht ist auch das ein weiterer Grund dafür, dass der jetzige U21-Trainer weiß, was es für ein Glück sein kann, als Fußballer sein Geld verdienen zu können.

Demut, Dankbarkeit und viel Arbeit

Immer wieder ist es im Buch zu lesen und immer wieder sagt es Mintál: Er ist dankbar für das, was er durch den Fußball erleben konnte, darunter die Spiele mit der slowakischen Nationalmannschaft, die Möglichkeit im Ausland zu spielen, die Erfolge als Torschützenkönig in der Slowakei und in Deutschland, die Aufstiege, den Gewinn des DFB-Pokals 2007. Nach seiner Zeit als aktiver Profi waren es der Start in seine Trainerkarriere oder der Einsatz als Co-Trainer bei der gelungenen Relegation gegen Ingolstadt im vergangenen Jahr.

Der Slowake betont immer wieder, dass er eine "geile Zeit mit all den Menschen im Verein hatte", für die er einfach dankbar ist. Noch heute sind Spieler aus der Pokalsieger-Mannschaft Freunde von ihm. Aber genauso wie die Erfolge gehören für ihn als Sportler auch die negativen Seiten des Sports zu seiner Zeit in Nürnberg: Niederlagen, Verletzungen und auch Abstiege.

© BR-Studio Franken/ Anja Bühling

Club-Idol Marek Mintál vor "seiner Wand" im Museum des 1. FC Nürnberg

Mintál bleibt positiv – und normal

Dass er für seine sportliche Karriere immer sehr hart gearbeitet hat, auch mit Extraeinheiten selbst im Urlaub und auf einiges verzichtete, das findet er normal. Angesprochen auf seine schweren Verletzungen, auf drei Mittelfußknochenbrüche, die ihn gerade da erwischten, als er Torschützenkönig der Ersten Bundesliga geworden war und er lange brauchte, um zurückzukommen, bleibt er ganz ruhig. Mehr als zwei Jahre laborierte Mintál mit Unterbrechungen an den Verletzungen. Nach der dritten Operation wollte er einfach nur wieder aufwachen, so sagt er. Natürlich habe er auch Angst um seine sportliche Zukunft gehabt. Aber dennoch konnte er auch diese Zeit genießen, ihr etwas Positives abgewinnen – vor allem, wenn er daran denkt, dass es wirklich viel schlimmere Krankheiten gebe als den Bruch eines Mittelfußknochens, so Mintal. Er sei Optimist geblieben und hätte auch in dieser Zeit das Positive gesehen. Hans Böller schreibt dazu in seinem Vorwort:

"Die Geschichte der Nürnberger Jahre ist keine spektakuläre, auch wenn sie von vielen spektakulären Momenten erzählt. Es geht um schöne und traurige Tage, aber Glück und Verzweiflung sind keine solitären Extreme, sie bedingen und brauchen einander."
© BR/Studio Franken/Anja Bühling

Der DFB-Vereinspokal vom 1. FC Nürnberg 2007 gewonnen, im Vereinsmuseum.

Der DFB-Pokal 2007

Für jeden Leser und jede Leserin wird es Momente geben, in denen er oder sie sich daran erinnert, wo man diese besonderen Spiele erlebt hat – die, die den Abstieg bedeuteten oder das, das den Gewinn des DFB-Pokals brachte. Welche Emotionen im Fußball mitspielen, beschreibt Hans Böller unter anderem eindrucksvoll beim Halbfinale im DFB-Pokal 2007 im Nürnberger Stadion gegen Eintracht Frankfurt – dieser "magischen Nacht". Eine Erinnerung, die immer noch gut tut. Als eine ungewohnt positive Stimmung Zuschauer und Club-Team ins Finale trug und Nürnberg 4:0 gegen Frankfurt gewann. Dass Trainer Hans Meyer, wider aller Erwartungen, nach der langen Verletzung, Marek Mintál in der 87. Minute einwechselte, dafür ist ihm der Spieler "solange Hans Meyer lebt" dankbar.

Von Erfolgen und Niederlagen

Als Marek Mintál dann im Finale in Berlin gegen den VfB Stuttgart nach seinem Tor zum 1:1 nach einem bösen Foul wieder verletzt ausgewechselt werden musste, wurde er in eine Klinik gefahren. Irgendwie ist diese Geschichte nie richtig erzählt worden, so Hans Böller. Wo war Mintál eigentlich als die zweite Halbzeit im Olympiastadion lief und wie kam er wieder rechtzeitig ins Stadion, um den Pokalgewinn mitzufeiern? Auch dieses Geheimnis lüftet Hans Böller in seinem Buch, das Marek Mintál auch über seine Trainerausbildung bis hin zu den nervenaufreibenden Relegationsspielen als Interims-Cotrainer der ersten Mannschaft nach Regensburg begleitet.

Reich bebilderte Clubgeschichte

Spielend erzählt nimmt das Buch nicht nur Club- oder Fußballfans mit auf die Reise durch das Leben von Marek Mintál vom kleinen slowakischen Dorf Bytčica in die Bundesliga und nach Nürnberg.

Es ist keine Biografie, sondern ein Dankeschön an Marek Mintál, an seine Art Fußball zu sehen und zu spielen – so sieht es Hans Böller. Und es ist eine Art Resümee von mehr als 20 Jahren journalistischer Begleitung des 1. FC Nürnbergs und des Fußballs in seinen Höhen und Tiefen und mit all seinen Emotionen. Und sollten einem selbst die Bilder dazu vor dem geistigen Auge fehlen: Das Buch ist opulent mit vielen Fotografien ausgestattet.

Hans Böller: "Marek Mintál - Wie Fußball Menschen berührt", starfruit Verlag, Fürth, Januar 2021, 445 Seiten, gebunden, 32,00 Euro

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