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Fußball-Ikone Paul Breitner sieht den FC Bayern auf dem richtigen Weg. Die Kritik am WM-Ausrichter Katar ist für ihn eine "verlogene Diskussion". Außerdem würdigte der 70-Jährige in Blickpunkt Sport das Lebenswerk seines Freundes Gerd Müller.

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Breitner zur Debatte um WM in Katar: "Verlogene Diskussion!"

Fußball-Ikone Paul Breitner sieht den FC Bayern auf dem richtigen Weg. Die Kritik am WM-Ausrichter Katar ist für ihn eine "verlogene Diskussion". Außerdem würdigte der 70-Jährige in Blickpunkt Sport das Lebenswerk seines Freundes Gerd Müller.

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Von
  • Sonja Weinfurtner

Paul Breitner stellte fest, dass Julian Nagelsmann seinen Job schon jetzt "ganz gut macht" beim deutschen Rekordmeister. Auch, wenn man nach vier Spielen noch gar nicht so viel sagen könne. Breitner betont: "Nach zehn Spielen wissen wir, wohin der Hase läuft." Sollte es dem neuen Bayern-Coach gelingen, eine Stimmung zu schaffen, bei der sich jeder Spieler wohl fühlt gibt es schließlich "keinen leichteren Job, als den FC Bayern zu trainieren." Wie schon früher braucht man beim Fußball "gute Laune" auf dem Platz. Sein Tipp für Nagelsmann lautet: Er muss jedem Spieler - egal ob 18 oder 35 Jahre alt - den gleichen Respekt entgegenbringen!

Ein Trainer muss mit den "Sensibelchen" im Team gut umgehen gehen können, muss ihnen die nötigen Streicheleinheiten geben und er muss den Fehler vermeiden, zu sagen: Ich bin der große Star im Team.

Kauft Bayern sich Leizpig vom Hals?

Der 70-Jährige meinte, es sei "ein Schmarrn", dass sich die Münchner die Konkurrenz - beispielsweise in Form von RB Leipzig - vom Hals kaufe: Schließlich hat der FC Bayern nur Nationalspieler in seinen Reihen. Der Klub kann sich nur ergänzen, vielleicht auch verbessern mit hervorragenden Kickern, so sie zu finanzieren sind. Bayern hat den Fans und den Aktionären gegenüber eine Verpflichtung: "Wie jede Firma versuchen die Bayern jedes Jahr ein bisschen besser zu werden!" Das gelingt laut Breitner nur, "wenn der Verein frühzeitig schaut: Wo sind die Besten!"

Momentan sieht der ehemalige Bayern-Profi bei seinem Ex-Klub noch Probleme in der Defensive: "Das ist die einzige Gegend, in der was zu tun ist!" Aber sonst ist der Verein laut Breitner "für die nächsten vier, fünf Jahre perfekt aufgebaut." Die einzige Aufgabe, die auf den Klub zukommt, ist bald einen Nachfolger für den Topscorer Robert Lewandowski zu finden.

WM in Katar: "Verlogene Diskussion!"

Zur bevorstehenden Weltmeisterschaft in Katar vertritt Breitner eine ganz klare Meinung: "Ich finde die Diskussion in vielerlei Hinsicht verlogen. Das ganze Thema mit den Sklaven, den Arbeitsbedingungen - das gibt's nicht erst, seitdem Katar die WM zugesprochen bekam - das gibt's seit dem Start des Baubooms in der Region. Da hätten die Herrschaften schon vor 15 Jahren auf den Tisch hauen müssen!" Er glaubt nicht daran, dass sich dort durch eine WM irgendetwas ändern wird. "Es ändert sich auch in den anderen Ländern nach Olympischen Spielen nichts." Breitner hätte es für viel sinnvoller gehalten, "eine panarabische WM zu machen", um eine politische Annäherung der dortigen Länder anzupeilen.

Auch von einer von der FIFA vorgeschlagenen Reform mit einer WM im Zweijahresrhythmus hält der Oberbayer überhaupt nichts: "Die vergessen dabei, dass die Europameisterschaft die viel bessere Weltmeisterschaft ist, als das, was wir immer als Weltmeisterschaft ertragen müssen." Er zeigte kein Verständnis für ehemalige Spieler, die sich momentan positiv dafür äußern.

"Es ist im Moment ein Kuhhandel, der stinkt zum Himmel. Das hat mit der Realität, mit nüchternem Abwägen, was brauchen wir an Turnieren, was können wir den Vereinen und Spielern zumuten, nichts mehr zu tun." Paul Breitner

"Gerd Müller hat Lebenswege bestimmt"

Breitner blickte bei Blickpunkt Sport auch zurück auf die besondere Freundschaft zum kürzlich verstorbenen Gerd Müller. Er bekräftigte, dass ihm die gemeinsame Zeit in den letzten Jahren mit Müller "emotional wichtiger war", als alle Siege und Erfolge aus früheren Tagen. Und er stellte heraus, wie sehr der "Bomber der Nation" das Leben von "so vielen Spielern und Fans mitbestimmt" hat. Ohne Müller hätte Breitner selbst wohl eine ganz andere Lebensgeschichte geschrieben: "Real Madrid hätte mich nie gekauft. Ich wäre mit meiner Familie nie nach Madrid. Gerd war ein Garant dafür, dass sich Millionen von Menschen freuen können."

Größter Triumph: Weltmeister 1974

Den wohl größten Moment seiner Karriere erlebte Breitner bereits mit 22 Jahren: Er verwandelte den Elfmeter im WM-Finale 1974, der den Weg ebnete zum deutschen Titel-Triumph. Sein Verhältnis zum FC Bayern München war stets zwiespältig: Einerseits Galionsfigur, andererseits harter Kritiker. Und auch in den Jahrzehnten nach der aktiven Fußball-Karriere ist er in der Öffentlichkeit als spitzzüngiger Kolumnist und Analyst präsent geblieben.

"Entscheidend war, ich hatte ein Talent bekommen, wie Hunderte Millionen Kinder das gerne hätten haben wollen. Und diesem Talent gegenüber war es eine Verpflichtung, das auszureizen, wie weit du kommst." Paul Breitner

Galionsfigur, Kritiker, Helfer

Hinter dem erfolgreichen Sportler und manchmal unbequemen Kritiker verbirgt sich eine vielschichtige Persönlichkeit. Am 5. September 2021 feierte der gebürtige Kolbermoorer seinen 70. Geburtstag. Er ist ein außergewöhnlicher Stratege, der eindrucksvoll vorangeht.

"Ich habe soweit es möglich war, immer versucht, konsequent zu sein, immer 100 Prozent Leistungsbereitschaft zu bringen, immer ehrlich zu sein. Ob am Fußballplatz oder danach in meinen anderen Geschäften und Berufen." Paul Breitner

Appell für soziales Engagement

Breitner engagiert sich seit vielen Jahren für hilfsbedürftige Menschen. Der Fußball-Weltmeister leitet mit seiner Frau eine eigene Ausgabestelle der Münchner Tafel. Er sagt, dass es nicht genug Engagement geben kann: "Die Bedürfnisse werden immer mehr und größer. Das Leben wird immer schwieriger. Die Menschen, die Hilfe brauchen, werden immer mehr." Sein Appell geht an jede Firma - auch an jede Fußball-Mannschaft, die eine Firma ist.

"Das Ganze im Fußball ist ein Wechselspiel zwischen dem Fans, den Spielern und dem Verein. So wie die Zuschauer die Spieler und den Verein unterstützen, so sollte sich auch jeder Verein überlegen, wie kann ich rausgehen - dort wo meine Fans sind - und was kann ich da in einem bestimmten Rahmen tun." Paul Breitner