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Jérome Boateng vom FC Bayern
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Julian Ignatowitsch
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Jérome Boateng vom FC Bayern

"Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warm mache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe", sagte der 30-Jährige in einem Interview mit seinem Lifestyle-Magazin "Boa".

Als Kind bespuckt und beleidigt

Boateng war schon als Kind und Jugendlicher immer wieder mit dem Thema konfrontiert worden. Bei manchen Spielen in Marzahn oder in Leipzig hätten die Eltern der gegnerischen Mannschaft ihn und Mitspieler bespuckt. "Dabei waren manche von uns gerade mal zehn Jahre alt. Ich erinnere mich noch an ein Pokalspiel beim Köpenicker SC. Da ist der Vater eines Gegenspielers auf unsere Seite gekommen, hat mich die ganze Zeit beleidigt. Irgendwann hab ich angefangen zu heulen", erzählte der dunkelhäutige Verteidiger des FC Bayern.

"Ich konnte das nicht glauben"

Heute spüre er keinen Stich mehr, so Boateng, "aber als ich jünger war, war das brutal. Meine Eltern sprachen lange nicht mit mir über meine Hautfarbe. Sie war gar kein Thema. Dann ruft dir plötzlich jemand 'Hey, mein kleiner Nigger' zu. Meine Eltern haben mir da erklärt, dass manche Menschen Probleme mit meiner Hautfarbe haben. Ich konnte das nicht glauben. Für ein Kind ergibt das keinen Sinn."

Doch wenn rechte Parolen bis in die Mitte der Gesellschaft vordringen würden, "sollte jeder aufstehen und Stellung beziehen. Wir Spieler bekommen viel Aufmerksamkeit. Mir ist in den vergangenen Jahren immer klarer geworden, dass ich für viele Menschen auch ein Botschafter bin", sagte er.

Boateng kritisiert Schubladendenken

Die Flüchtlingskrise in Europa werde in seinem Freundes- und Kollegenkreis nach wie vor viel diskutiert. "Immer wieder kommen wir auf das gleiche Thema: Was machen wir mit den vielen Menschen, die zu uns kommen? Und welche Folgen ergeben sich daraus?" Er spüre, dass viele Leute ihre Mitmenschen wieder mehr in Schubladen steckten: "Eine für die Deutschen, eine für die Migranten. Und die Deutschen, deren Eltern vielleicht ausländische Wurzeln haben und die nicht weiß sind, sich aber völlig deutsch fühlen, weil sie hier aufgewachsen sind, werden wieder skeptischer angeschaut."

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Julian Ignatowitsch

Sendung

B5 Sport vom 09.11.2018 - 14:55 Uhr