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Biathlon Re-Start: Der Weltverband nach den Korruptionsvorwürfen | BR24

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Vor 2 1/2 Jahren geriet die Biathlonwelt ins Wanken. Razzia beim Weltverband, Korruptionsvorwürfe, angebliche Vertuschung positiver Dopingproben. Die staatlichen Ermittlungen dauern an, im Dezember soll ein Untersuchungsbericht Klarheit bringen.

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Biathlon Re-Start: Der Weltverband nach den Korruptionsvorwürfen

Vor zweieinhalb Jahren geriet die Biathlonwelt ins Wanken. Razzia beim Weltverband, Korruptionsvorwürfe, angebliche Vertuschung positiver Dopingproben. Die staatlichen Ermittlungen dauern an, im Dezember soll ein Bericht nun Klarheit bringen.

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Am Wochenende beginnt im finnischen Kontiolahti die neue Biathlon-Weltcupsaison. Es warten ereignisreiche Wochen, denn es geht auch um die Bewältigung der Vergangenheit. Gut zweieinhalb Jahre nach dem Rücktritt der damaligen Spitze des Biathlon-Weltverbandes wegen massiver Korruptionsvorwürfe soll es jetzt bald Klarheit geben.

Der Verband hat selbst eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben, im Dezember soll ein erster Bericht veröffentlicht werden. Dieser soll klären, ob die Korruptionsvorwürfe gegen Ex-Verbands-Präsident Anders Besseberg und Ex-Generalsekretärin Nicole Resch zutreffen und sie tatsächlich russische Dopingfälle gegen Geld vertuscht haben. Beide bestreiten es.

Weltverband IBU geht neue Wege

Ohne abzuwarten, was durch die externe Untersuchungskommission jetzt rauskommt, hat sich der Biathlon-Weltverband inzwischen neu aufgestellt. Das Anti-Doping-System wurde ausgelagert in eine Integrity Unit. Eine Einheit, die völlig unabhängig vom Verband die Dopingtests durchführen und investigativ gegen Doping-Hintermänner ermitteln soll.

Neu an der Spitze ist jemand, der sich mit mafiösen Strukturen sehr gut auskennt: Greg McKenna. Dem ehemaligen britischen Polizisten und seinem Team stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung, also rund 2000 Euro pro Athlet. Einmischen darf sich der Verband nicht mehr, nur das Geld für Mc Kennas Arbeit kommt von der IBU.

"Bei der Polizei habe ich 15 Jahre lang organisierte Kriminalität bekämpft, ich weiß, dass es um tiefere Strukturen geht und dass ich Vertrauen zu denen aufbauen muss, die einen sauberen Sport wollen. Wir wollen sauberen Sport für die Athleten. Genau dafür sind wir da und für nichts anderes." Greg McKenna, Leiter Biathlon-Integrity Unit.

Zweifel an Unabhängigkeit der neuen Doping-Einheit

Die Verbandsspitze hat im Gegensatz zu früher also keine Eingriffs- oder Vertuschungsmöglichkeit mehr. Allein die Integrity Unit legt fest, wer wann getestet wird. Positive Fälle leitet die Einheit direkt an den Internationalen Sportgerichtshof CAS weiter.

Trotzdem gibt es Zweifel an der neuen Struktur. Der Grund ist Franz Steinle. Er ist der Präsident des deutschen Skiverbandes, sitzt im Vorstand des Biathlon-Weltverbandes und im Vorstand der Integrity Unit. Matthias Kamber, langjähriger Anti-Doping-Chef der Schweiz, sieht hier einen potenziellen Interessenskonflikt. "Es macht einen schlechten Eindruck, wenn ein Funktionär in verschiedenen Gremien ist, das ist einfach heutzutage ein No-go", so Kamber.

McKenna versprach allerdings, dass Steinle nur eine passive Rolle hat. "Franz soll uns lediglich auf dem Laufenden halten, was beim Weltverband gerade abgeht. Er hat keinerlei Einblick in Doping-Verfahren und das operative Tagesgeschäft", so der Integrity Unit Chef.

Sponsoren halten sich bedeckt

Auch die Deutsche Kreditbank, einer der großen Sponsoren im Biathlon, begrüßt die Neuausrichtung, erwartet aber gleichzeitig eine umfangreiche Aufklärung und Aufarbeitung der Vorwürfe, bezogen auf die Ereignisse vorher im Verband. Die anderen Sponsoren wie BMW, Viessmann und Erdinger alkoholfrei wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Solange der Untersuchungsbericht noch nicht veröffentlicht sei, können man nichts dazu sagen, hieß es.

Erik Lesser findet das neue Anti-Doping-System im Biathlon jedenfalls vorbildlich und viel transparenter. "Ein neuer Präsident wurde gewählt, ne neue Constitution, Regelwerk, dann sind wir so als Athleten schon enger involviert und haben Mitspracherecht", sagte der Athleten-Sprecher.