Bernhard Langer

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Bernhard Langer: Mit 65 noch lange nicht im Rentenalter

Bernhard Langer: Mit 65 noch lange nicht im Rentenalter

Mit 65 könnte Deutschlands erfolgreichster Golfer eigentlich längst in die wohl verdiente Rente starten. Doch Bernhard Langer spielt und siegt einfach immer weiter.

Es ist ein sehr kleines und unscheinbares gelbes Häuschen am Ortsrand von Burgwalden in den Westlichen Wäldern. Früher war hier das Backhaus untergebracht, heute ist es ein Heimatmuseum und erinnert mit einer Schautafel auch an einen der größten Söhne der Gegend: den Golfer Bernhard Langer.

Auch Bernhard Langer fing als Balljunge an

Lorenz Schreiber kümmert sich um das Museum, ist für die Schautafel verantwortlich und erinnert: "Er als junger Bursche. Mit seinen dünnen Beinen ist er mit dem Fahrrad von Anhausen hoch geradelt. Er hat hier dann Caddie gemacht, Balljunge – er durfte selbst ja nur versteckt mitspielen. Aber er war sehr, sehr trainingsfleißig. Auch wenn´s schon dunkel wurde, er wollte unbedingt aus dem Bunker raus einlochen."

Das dürfte dann schon mal einige Stunden gedauert haben. Die Anekdote stammt aus dem Jahr 1965. Die Schautafel in dem kleinen Museum ist eigentlich viel zu klein für einen so großen Weltstar, der in seiner Wahlheimat Amerika noch viel größer und bekannter ist als hierzulande.

Nie viel Aufhebens um seine eigenen Erfolge

Doch irgendwie passt all das auch ziemlich perfekt auf einen Sportler, der nie viel Aufhebens um sich selbst gemacht hat. Bernhard Langer wollte einfach immer nur Golfen, wie er BR-Reporter Uli Köhler schon 1981 verriet: "Früher wollte ich der beste Assistent sein und der beste Lehrling, dann der beste Deutsche und irgendwann einer der besten Europäer werden."

Trotz 65 Jahren immer noch bei Turnieren aktiv

Der Sohn eines Maurers aus Anhausen bei Augsburg wurde einer der besten Golfer aller Zeiten - und ist es bis heute. Denn Bernhard Langer spielt auch trotz seiner nun 65 Jahre immer weiter: Dieses Wochenende in Michigan in den USA auf der sehr populären Senioren-Tour - die Langer seit vielen Jahren eindrucksvoll dominiert. Und das gegen teilweise deutlich jüngere Konkurrenz, wie Yannick Ludwicki von Langers Heimatclub GC Augsburg-Burgwalden, betont: "Ich habe heute noch mit einem älteren Herrn gesprochen, der hat gesagt, dass die Schläge immer kürzer werden. Bei Bernhard Langer funktioniert das andersrum – Er hat so diesen Benjamin-Button-Effekt. Je höher das Alter, desto niedriger der Score."

Mutter machte sich anfangs Sorgen um berufliche Zukunft

Die frühen Sorgen von Bernhards Mutter Walburga rund um die berufliche Zukunft des Sohnemanns haben sich natürlich schon lange erledigt: "Vom zehnten Jahr weg hat er nimmer anders gesagt als: Golflehrer wollt er werden. Er wollt immer nur Golf." Deswegen ist der kleine Bernhard die rund sieben Kilometer von seinem Heimatort Anhausen nach Burgwalden fast täglich mit dem Fahrrad durch die Westlichen Wälder zum Golfclub Augsburg gefahren.

Langer kommt immer noch nach Augsburg zum Golfen

Heute kommt der Weltbürger zwar deutlich seltener und sicher nicht mehr mit dem Fahrrad, aber immer noch regelmäßig, wie Yannick Ludwicki, der Manager des Golfclubs Augsburg verrät: "Tatsächlich versucht er seine Besuche unter dem Radar zu machen. Im Startzeiten-Modul steht dann nicht ‚Bernhard Langer‘ sondern ein Alias." Aber "unter dem Radar" ist bei einem derart prominenten Sportler natürlich nahezu unmöglich. Besonders die Club-Jugend übe dann besonders lange auf dem Trainingsplatz neben dem Schlussloch der Anlage, schmunzelt Ludwicki: "Und wenn er dann vom Platz kommt, dann gibt es kein Halten mehr. Dann bildet sich eine Traube und Alles wird unterschrieben: Mützen, Bälle, T-Shirts. Bernhard Langer ist eben ein großes Vorbild für Jugendliche und Amateurgolfer. Der Name ist hinlänglich bekannt – ein großes Idol."

Langer mit Abstand erfolgreichster Golfer Deutschlands

Und das gilt, auch wenn seine größten Erfolge auf der Profitour schon 20 bis 30 Jahre her sind. In den 1980er und 90er Jahren gewann Bernhard Langer zweimal das Masters, eines der größten Turniere überhaupt. Mit fast 120 Turniersiegen bleibt er wohl auf ewig der mit weitem Abstand erfolgreichste Golfer Deutschlands.

Da ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass er finanziell schon lange ausgesorgt hat: "In den Medien steht natürlich immer nur das Preisgeld, aber das landet so ja nicht auf meinem Konto. Ich muss den Manager und den Caddie bezahlen, auch die Reisen und das Training kosten einige Tausend Mark in der Woche", erklärte der Anhauser schon 1981 in einem BR-Interview. Allerdings, so der 65-Jährige, mit einem Schmunzeln, "der Rest landet dann auf dem Sparbuch."

Trotz großer Erfolge bodenständig geblieben

Schwäbisch, sympathisch, bodenständig, so ist Bernhard Langer. Seinen 65. Geburtstag wird der Jubilar daher erst nach dem angesprochenen Golfturnier in Michigan kommende Woche nachfeiern - im kleinen Kreis, mit seiner Ehefrau Vikki, den vier erwachsenen Kindern und den vier Enkelkindern in Langers langjähriger Wahlheimat Florida. Beim Golfclub Augsburg und im Heimatmuseum in Burgwalden wird Lorenz Schreiber dagegen wohl schon am 27. August auf den 65. von Bernhard Langer anstoßen: "Er ist ein absoluter Weltstar und wir sind sehr, sehr stolz auf ihn. Ein Gewächs vom GCA – Golfclub Augsburg Burgwalden. Über so eine lange Zeit so erfolgreich zu sein, das ist Wahnsinn. Geschuldet ist das seiner Konsequenz. Er trainiert hart und hat keine Allüren wie etwa ein Tiger Woods. Wir sind stolz auf ihn und das er Ehrenmitglied im GCA ist, ist ja eh klar."

Golfstar Bernhard Langer 1981 - damals begann seine Karriere erst

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