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Bergsteiger-Legende Reinhold Messner ist 75 | BR24

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Eine Bergsteiger-Legende ist 75: Reinhold Messner - Bergsteiger, Abenteurer, Autor, Politiker, Museumsgründer und Filmemacher.

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Bergsteiger-Legende Reinhold Messner ist 75

Bergsteiger, Abenteurer, Autor, Politiker, Museumsgründer und Filmemacher: Reinhold Messner hat als erster Mensch alle 14 Achttausender der Welt bestiegen und sich immer neu erfunden. Nun feierte er seinen 75. Geburtstag.

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Reinhold Messner hat Alpingeschichte geschrieben: Als erster Mensch bestieg der Südtiroler alle 14 Achttausender der Welt und bezwang gemeinsam mit Peter Habeler den Mount Everest ohne Sauerstoff - später sogar im Alleingang. Fans bewunderten seinen eisernen Willen, seinen grenzgängerischen Wagemut und seine unglaublichen Leistungen. Kritiker warfen ihm überhöhten Ehrgeiz und Egoismus vor. Messner ist und war einer, der begeistert, verärgert und polarisiert.

Tod des Bruders "größte Niederlage"

Einer seiner Kletterpartner war der zwei Jahre jüngerer Bruder Günther. 1970 schafften die beiden die Erstbesteigung der Südwand des Nanga Parbat. Doch beim Abstieg stürzte sein Bruder ab und starb. Die Umstände des Tods gelten bis heute als unklar. Messner suchte jahrelang nach der Leiche Günthers und fand sie 2005 schließlich auch. Doch seine damaligen Gefährten zweifeln seine Darstellung des Dramas bis heute an.

"Es war die größte bergsteigerische Leistung meines Lebens und gleichzeitig meine größte Niederlage." Reinhold Messner

Extreme prägen Messners Leben

Nach den Erfolgen im Höhenbergsteigen suchte der Südtiroler neue Ziele. Er durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Extreme prägten Messners Leben als Bergsteiger und Abenteurer.

Messner sagt selbst über sich: "An Widerständen werden Durchhaltevermögen und Willen trainiert. Man kann den Willen trainieren wie einen Muskel. Und man gewinnt diese Haltung: Früher oder später gelingt es mir doch. Manche nennen es Sturheit. Es ist mir nicht wichtig, wie man es nennt. Ohne die vielen Widerstände wäre ich nicht der geworden, der ich bin."

"Das Scheitern erlaubt uns die Erkenntnis, wie weit wir gehen können." Reinhold Messner in Bayern 1
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Nicht mal er selbst hätte gedacht, seine vielen gefährlichen Touren zu überleben. Doch jetzt ist Bergsteiger Reinhold Messner 75. Im Interview mit BAYERN-1-Moderator Marcus Fahn blickt er auf seine Abenteuer zurück.

Messners Schlüsselfähigkeit: "Neugierig bleiben"

Als das Älterwerden extremen körperlichen Höchstleistungen Grenzen setzte, verwirklichte Messner mit ähnlicher Durchsetzungskraft sein Museumsprojekt, das heute seine Tochter Magdalena weiterführt. Sechs verschiedene Standorte bilden ein Bergmuseum. Messner bewirtschaftete auch Bergbauernhöfe. In Sulden am Ortler (Südtirol) züchtet er Yaks. Für die Grünen saß er fünf Jahre im Europaparlament. Als Experte für Risikomanagement wurde er zu Vorträgen geladen. Mit Wirtschaftsbossen stieg er auf Berge, auch mit Angela Merkel ging er - gerade dieses Jahr wieder - wandern.

Seit einigen Jahren dreht er mit Sohn Simon dokumentarische Bergstreifen. Mit seinen diversen Projekten hielt er sich auch nach den Extremerfolgen seiner Bergsteiger- und Abenteurerlaufbahn in der Öffentlichkeit. "Eine meiner Schlüsselfähigkeiten war, mich immer wieder neu zu erfinden, bei null anzufangen, neugierig zu bleiben", sagte er. "Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit gefunden habe, in der richtigen Lebensphase das Richtige zu tun. Hätte ich es umgekehrt gemacht, zum Beispiel zuerst Filmen, dann Klettern und Bergsteigen, wäre ich umgekommen oder gescheitert."

Kritik an Mount-Everst-Tourismus

Stets warnte er vor dem Massenansturm auf die Berge, forderte einen Erschließungsstopp. Früher habe man ihm vorgehalten, er gönne anderen nicht die Besteigung des Mount Everest, sagt er. Erst nach einer Serie von Todesfällen in diesem Jahr und Fotos von Menschenschlangen, die auf dem Weg zum Gipfel wie Autos im Stau stehen, habe auch die Öffentlichkeit verstanden, welcher Wahnsinn sich dort abspiele.

"Es stehen im Basislager – das hat noch niemand berichtet – ständig vier Helikopter. Die Leute fliegen inzwischen nach oben oder fliegen nach Katmandu zum Abendessen." Reinhold Messner in Bayern 1

Messner und seine Generation veränderten in den 1970er und 1980er Jahren das Bergsteigen. Messner kritisierte damals von nationalem Ehrgeiz getriebene "Gipfelsiege" - der Berg sei schließlich kein Feind - und propagierte ein Bergsteigen nur für sich selbst. Mit dem Verzicht auf Expeditionstross, Fixseile und Flaschensauerstoff prägten er und einige andere damals den Alpinstil. Messner erfand dabei mit Sologängen an Achttausendern neue Maßstäbe.

"Eine Idee im Kopf ist ein Luftschloss. Wenn ich dann daraus etwas entstehen lasse, das ist der Moment des Glücks. … Das Glück kann man nicht erhaschen, nicht erjagen, das kriegt man nicht geschenkt. Sondern das fließt uns zu, es kommt über uns, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, während wir Ideen in die Tat umsetzen." Reinhold Messer im Rucksackradio