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Bayerns Fußballverband will vor Gericht ziehen | BR24

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Der Bayerische Fußball-Verband drängt auf eine Entscheidung der Politik: Wie lange müssen Bayerns Amateurfußballer noch auf den Wettkampfbetrieb verzichten?

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Bayerns Fußballverband will vor Gericht ziehen

In Bayern ist wegen Corona noch immer der Wettkampfbetrieb im Amateurfußball untersagt. Weil die Staatsregierung weiter zögert, überlegt der Bayerische Fußball-Verband (BFV), vor Gericht zu ziehen. Deshalb wurde eine Mitgliederbefragung gestartet.

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Harmonie und Einklang zwischen BFV und Bayerns Staatsregierung sind erst einmal dahin. Mit ungewohnter Schärfe hat der Fußballverband, Interessenvertretung von rund 4.500 Vereinen mit 1,6 Millionen Mitgliedern, das zögerliche Verhalten des Freistaats in Sachen Amateurfußball kritisiert.

Konzerte und Gottesdienste ja, Fußballspiele nein?

"Es ist für die meisten nicht nachvollziehbar, dass wir aktuell den Spielbetrieb nicht starten können, obwohl die Staatsregierung es längst wieder erlaubt, beispielsweise Konzerte oder Gottesdienste unter freiem Himmel zu veranstalten und dabei sogar bis zu 400 Zuschauer zugelassen sind", schreibt Präsident Reiner Koch in einem Rundbrief an die BFV-Mitgliedsvereine, das er auch auf seiner Homepage veröffentlicht hat.

"In jedem Schwimmbad und an jedem Badestrand tummeln sich mehr Menschen als bei den meisten Amateurfußballspielen rund um das Spielfeld Zuschauer stehen würden. Warum dies so ist? Wir können es nicht sagen!" Reiner Koch im BFV-Rundbrief

Mitgliederbefragung: Soll der BFV vor Gericht ziehen?

Auslöser des Rundbriefs, der in einigen Passagen deutliche Worte Richtung Staatsregierung beinhaltet, ist eine BFV-Vorstandssitzung am Dienstagabend.

Die Verbandsverantwortlichen haben beschlossen, die Meinung ihrer Mitgliedsvereine in einer Online-Befragung einzuholen, um die zentrale Frage zu klären, "inwieweit der BFV als Interessenvertreter seiner über 1,6 Millionen Mitglieder den Rechtsweg beschreiten soll."

BFV glaubt nicht mehr an Spielbetrieb im September

Heißt kompakt: Der BFV will die Staatsregierung unter Druck setzen, endlich eine Entscheidung in Sachen Amateurfußball in Bayern zu treffen. Ursprünglich war die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für Mitte September angepeilt.

Aber: "Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass der Ministerrat in den nächsten zwei Wochen keine weiteren Lockerungen beschließen wird, was – unter Berücksichtigung einer für den Spielbetrieb zwingend erforderlichen Vorlaufzeit – Amateurfußball in Bayern im Monat September unmöglich macht", so Koch.

Kabinett hat das Thema am 14. September auf der Agenda

Mittlerweile kündigte der auch für den Sport zuständige Innenminister Joachim Herrmann (CSU) immerhin an, dass sich das Bayerische Kabinett in seiner Sitzung am 14. September auch mit der Frage nach einer Wiederaufnahme des Ligabetriebs im Amateurfußball befassen werde.

Nachwuchseinbruch bei bis zu 20 Prozent

Den Klubs fehle somit jede "Perspektive". Zudem mache sich - neben den wirtschaftlichen Folgen - langsam auch ein Einbruch im Nachwuchs bemerkbar.

"Ersten Erhebungen zur Folge brechen den Vereinen gerade in den jüngsten Jahrgängen immer mehr Kinder weg, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind es bei den F-Junioren nahezu 20 Prozent weniger, Tendenz steigend", schreibt Koch.

Online-Befragung noch bis Montag

Bis zum kommenden Montag, 7. September, 10.00 Uhr, können Bayerns Fußballvereine an der Umfrage des BFV teilnehmen. Präsident Koch und Schatzmeister Jürgen Faltenbacher wollen Vereinsvertretern in zwei Online-Fragerunden an diesem Freitag noch einmal ausführlich den aktuellen Stand und die Hintergründe erläutern.

Bereits im Vorfeld der Vorstandsentscheidung und der Online-Befragung hatte BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth gegenüber BR24 Sport das Unverständnis des Verbandes über die aktuellen Einschränkungen unterstrichen: "Wenn es beispielsweise erlaubt ist, Konzerte mit bis zu 400 Zuschauern durchzuführen, auf dem Fußballplatz soll das aber nicht möglich sein - da fehlt schon das Verständnis. Die Vereine fragen auch und wollen Antworten haben."

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Fabian Frühwirth, Pressesprecher des Bayerischen Fußballverbands, zeigt wenig Verständnis, dass im Profifußball möglicherweise wieder Zuschauer zugelassen werden, die bayerischen Amateurklubs aber noch warten müssen.