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Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Uli Hoeneß (von links, Archivfoto)
© imago/HJS
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Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Uli Hoeneß (von links, Archivfoto)

Die sichtlich gereizten Vereinsverantwortlichen Uli Hoeneß (Präsident), Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef) und Hasan Salihamidzic (Sportdirektor) richteten in der Presselounge des FC-Bayern-Trainingszentrums an der Säbener Straße deutliche Worte an die Journalisten.

"Wir werden uns das nicht mehr gefallen lassen. Wir werden mit dem heutigen Tag die herabwürdigende hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen", erklärte Rummenigge, der die Runde eröffnete. Gegen den Springer-Konzern habe man bereits zwei Unterlassungserklärungen erwirkt, eine weitere Abmahnung sei "gestern zugestellt" worden. In Zukunft werde man es dabei nicht belassen, "sondern auch Gegendarstellungen verlangen."

Audio: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über den zukünftigen Umgang des FC Bayern mit Kritik in den Medien und "hämische Berichterstattung".

Audio: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über den zukünftigen Umgang des FC Bayern mit Kritik in den Medien und "hämische Berichterstattung".

Rummenigge erklärte, dass sich das Trio am Montag (15.10.18) nach der Medienberichterstattung nach dem UEFA-Nations-League-Spiel gegen die Niederlande zusammengesetzt und diesen Entschluss gefasst habe. "Was man da lesen musste, hat nichts mehr mit der Leistung zu tun, sondern war Abrechnung mit einzelnen Spielern", so Rummenigge - und im Mittelpunkt der Kritik hatten vor allem FC-Bayern-Spieler gestanden.

Rummenigge: "Unverschämt, polemisch und respektlos"

Der Vorstandschef wählte drastische Worte: Es gehe nicht mehr um "Würde und Anstand", die "Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen." Ärger bereitete ihm auch, dass mittlerweile sogar Experten in ihrer Kritik über das Ziel hinausschießen. Angesichts der Einschätzung des früheren Bayernspielers Olaf Thon, der den Innenverteidigern Jérôme Boateng und Mats Hummels "Altherrenfußball" vorgeworfen hatte, fragte Rummenigge: "Geht's eigentlich noch?" Altersgrenzendebatten, auch bei den Flügel-Routiniers Franck Ribéry und Arjen Robben, seien "unverschämt, respektlos und polemisch wie kaum etwas zweites."

Hoeneß: "Zeit, dass sich der wichtigste Klub positioniert"

Audio: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nennt zwei Beispiele der Berichterstattung, die ihn in den vergangen Tagen besonders gestört haben.

Audio: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nennt zwei Beispiele der Berichterstattung, die ihn in den vergangen Tagen besonders gestört haben.

Uli Hoeneß erklärte, "es ist an der Zeit, dass sich der wichtigste Klub in Deutschland positioniert." Der gewohnt wortgewaltige Bayern-Präsident nannte zwei Beispiele aus der vergangenen Woche. Der Fernsehsender n-tv habe versucht, "Jogi Löw abzuschießen", so Hoeneß, indem der Sender bei Jugendfußballern herauskitzeln wollte, ob man Löw entlassen sollte: "Das ist respektlos."

Das zweite Beispiel betraf das jüngste Basketball-Heimspiel der Bayern. Es gab dezente Pfiffe in der Halle beim Auftritt der Gäste Niko Kovac und Hasan Salihamidzic. Der Springer-Konzern habe beim TV-Signalanbieter "nachgefragt, ob man die Sequenz der Pfiffe nicht haben könne, weil man sie bei Bild online stellen wolle. Das ist eine Frechheit."

Salihamidzic: "Entsetzt" über die Medienkritik

Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic "war entsetzt" über die Medienkritik der vergangenen Tage und Wochen. Wie Rummenigge und Hoeneß wählte er die Einordnung "respektlos". Zur Kritik an seiner Person, dass er sich als Sportdirektor nicht in der Öffentlichkeit demonstrativ vor den gescholtenen Trainer Niko Kovac gestellt hatte, sagte er: "Warum? Was soll das? Niko steht bei mir nicht in Frage. Er weiß ganz genau, dass wir hinter ihm stehen ... Die Bundesliga ist doch keine Dschungelshow."

Rummenigge und Hoeneß: Gefangen im Widerspruch

Die Pressekoferenz sorgte postwendend für kontroverse Reaktionen im Netz. Vor allem Rummenige und Hoeneß standen im Fokus. Denn während der Vorstandschef an den ersten Grundgesetz-Artikel und die Würde des Menschen erinnerte, fragten die anwesenden Journalisten bei Hoeneß nach, ob er nicht in der Vergangenheit auch mit einigen Äußerungen über das Ziel hinausgeschossen ist. Hoeneß hatte sich unter anderem kritisch zu Mesut Özil und dessen Leistungen in der Vergangenheit oder auch zu Karim Bellarabi und dessen Foul im Bundesligaspiel gegen Bayerns Rafinha geäußert.

Während der Pressekonferenz schimpfte Hoeneß auf Nachfrage eines Journalisten beispielsweise über Ex-Bayern Juan Bernat mit markigen Worten: "Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden sind. Und an dem Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben. Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat", sagte er über Bernat, der einen "Scheißdreck" gespielt habe.

Auch der Umstand, dass Hoeneß in der Pressekonferenz einige Journalisten namentlich angegriffen hat, sei alles andere als glücklich. "Für mein Verständnis haben die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic mit Ihrer Medienschelte eine klare Grenze überschritten", kommentiert BR-Sportreporter Taufig Khalil.