Alle Preisträger des Bayerischen Sportpreises 2022
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Bayerischer Sportpreis 2022 spiegelt bewegtes Sportjahr wider

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Bayerischer Sportpreis 2022 spiegelt bewegtes Sportjahr wider

Winter-Olympia in Peking, die European Championships in München, aber auch der Krieg in der Ukraine: Zum 20. Geburtstag des Bayerischen Sportpreises wurden besondere Athleten und ihre besonderen Leistungen geehrt - auf und abseits der Sportarenen.

Am Ende stimmten die Preisträger und Laudatoren eine kleine La Ola auf der Bühne an, die Stimmung war gut bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises am Samstagabend. Auch wenn die Welle nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass dabei durchaus auch ernste Themen im Mittelpunkt waren beim 20-jährigen Jubiläum des Preises. Es war vielmehr ein Abend der Emotionen am Münchner Olympiapark.

Überall sah man ja diese Zahlen- und Buchstabenkombination "20 Jahre Bayerischer Sportpreis" am Samstag in der BMW Welt (am Sonntag ab 22.05 Uhr im BR Fernsehen und Stream bei BR24Sport.de). Etwa 600 Gäste, vorwiegend Sportlerinnen und Sportler, aber auch Schauspieler und Politiker, erlebten eine besondere Ausgabe des Preises. Seit 2002 wird der vergeben, in acht Kategorien wurden die Athleten dieses Mal ausgezeichnet (insgesamt wurden bislang 213 Institutionen oder Athleten geehrt).

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Athletes for Ukraine

Im Zeichen der Großereignisse, aber auch "Athletes for Ukraine" werden prämiert

Der Sportpreis 2022 war aber nicht nur aufgrund des Jubiläums ein besonderer. Er stand im Zeichen der beiden bisherigen Sport-Großereignisse des Jahres: Olympia in Peking und den European Championships in München. Aber auch der Krieg in der Ukraine war ein großes Thema - die "Athletes for Ukraine" wurden in der Kategorie "Sportler mit Herz" ausgezeichnet.

Als der ehemalige Biathlet Jens Steinigen, Lisa Loch, die Frau von Rennrodler Felix, und der ehemalige Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler stellvertretend für alle Athletinnen und Athleten die Bühne betraten, brandete Applaus auf, der wohl lauteste an diesem Abend. "Dass direkt vor unserer Haustür ein Krieg ausbricht, hat vor einem Jahr keiner gedacht", sagte der Laudator, Bayerns Sportminister Joachim Herrmann. Die Athleten haben versucht "ein Zeichen gegen Krieg und für Frieden zu setzen. Sie haben die Stimme erhoben - und die hallt bis nach Russland."

Pichler wendet sich wegen Ukraine-Krieg an Politik

Ihr Leitsatz: "Sports Connect - Sport verbindet". 350.000 Euro sind bislang an Spendengeldern zusammengekommen, sogar ein eigener Lastwagen tourt mittlerweile in die Ukraine. "Den LKW muss auch wer fahren. Wir haben immer wieder die Nachrichten, dass sie knapp an einer Bombe vorbeigefahren sind", sagte Steinigen. Der mit dem Sportpreis bedacht auch fand: "Das Schönste wäre eigentlich, wenn wir hier nicht stehen würden."

Der Rennrodel-Olympiasieger Loch etwa ist selbst in die Ukraine mit Hilfsgütern gefahren und hat anschließend Geflüchtete mit nach Deutschland genommen. Der Verein unterstützt auch geflüchtete ukrainische Sportler wie Jana Hladijtschuk, damit diese weiterhin ihren Sport ausüben können. Und er verbindet weltweit Athleten miteinander und setzt damit ein Zeichen gegen den Krieg und für Frieden und Solidarität.

Trotzdem stellen sich Steinigen und der ehemalige russische Nationalcoach Pichler auf einen langen Krieg ein. Sie zeigen Videos von Sportlern, die in zerbombten Stadien trainieren. Pichler wandte sich auch an die Politik: "Ich höre immer nur: Wir müssen diesen Krieg gewinnen. Wir müssen versuchen, den diplomatischen Weg nicht außer Acht zu lassen."

Jahr der Jubiläen in Bayerns Sport

Nicht nur der Sportpreis feierte in diesem Jahr Jubiläum - auch Olympia 1972 in München, das Stadion ist ja nur einen Steinwurf vom Veranstaltungsort entfernt. Auch deshalb richteten die Münchner die European Championships 2022 aus. "Der hohe Stellenwert des Sports in Bayern wurde heuer auch sehr eindrucksvoll und nachhaltig durch die European Championships in München zelebriert," fand Herrmann. 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher waren im Sommer an den Wettkampfstätten.

Auch die Championships stehen für dieses Sportjahr. Und so bekam die Leichtathletin Gina Lückenkemper die Auszeichnung "Bayerischer Sommertraum des Jahres". Zwei Mal gewann sie nach WM-Bronze in Eugene Gold (100 Meter und 4x100-Meter-Staffel) auf der Bahn im Münchner Olympiastadion. "Ich habe das alles immer noch nicht so richtig realisiert, was da passiert ist", sagte sie. Mit "Gänsehaut" fuhr die 25-Jährige, die zeitweise in Bamberg trainiert, bereits in die Stadt.

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Gina Lückenkemper und Rebekka Haase (r.)

Alexandra Burghardt im Sommer wie Winter erfolgreich

Da ging es ihr wie der Burghauserin Alexandra Burghardt, die den Preis für "außergewöhnliche Sportmomente" in diesem Jahr errang. Schließlich gewann sie Gold mit Lückenkemper in der Staffel bei den Championships, aber war auch beim anderen Großereignis erfolgreich: Sie holte als Anschieberin Silber mit der Pilotin Mariama Jamanka im Zweierbob. "Es ist unglaublich viel passiert. Ich bin so dankbar für jede einzelne Medaille, für jeden einzelnen Menschen, den ich begegnen durfte", sagte Burghardt auf der Bühne.

Im Bob hatte sie "sehr, sehr viele Lagen an", erzählte sie auf der Bühne. Für eine Saison war Burghardt sowohl Sommer- als auch Wintersportlerin. Und heiratete später im Jahr ja auch noch. Künftig will sie sich aber wieder voll auf die Leichtathletik konzentrieren - Fernziel ist Olympia 2024 in Paris.

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Leichtathletik: Weltmeisterschaft

Schlickenrieder-Ehrung: "Ja, hast du denn die Pfanne heiß?"

Für Lacher im Auditorium sorgte übrigens ein anderer Olympia-Moment - beziehungsweise der ARD-Kommentator Jens Jörg Rieck. "Ja, hast denn du die Pfanne heiß?", schrie er noch einmal. Es war unverkennbar sein Kommentar beim Teamsprint-Gold der deutschen Langläuferinnen von Peking.

Der Bundestrainer Peter Schlickenrieder wurde für seine "Sportgeschichte" ausgezeichnet, weil er 20 Jahre nach Silber als Athlet im Februar in Peking Gold als Nationalcoach gewann. "Ich hab Tränen in den Augen gehabt", sagte er über den Moment, als er Riecks Kommentar erstmals hörte. Wichtiger als der schlichte Kampf um Medaillen und sportliche Erfolge sei es ihm aber, "junge Menschen zu aktivieren, motivieren, es selbst auszuprobieren". Egal ob sie sich für eine Silbermedaille oder Platz 15 im Volkslauf motivierten.

Schlickenrieder: "Nicht 27.000 neue Sportstätten bauen"

Er blickte auch noch einmal kritisch auf die Olympischen Winterspiele in Peking zurück. "Die Hoffnung war da, dass man über solche Olympischen Spiele auch in den Austausch kommt." Durch die Corona-Lage waren die Spiele dann aber doch stark abgeschirmt. Die Konzentration auf die Wettbewerbe fiel seiner Mannschaft so vielleicht leichter, aber das Olympia-Gefühl wurde ihr ein wenig verwehrt.

Das und die Bitte seiner Athleten war auch ein Grund, wieso sich der 52-Jährige entschied, statt aufzuhören, noch vier Jahre als Bundestrainer dranzuhängen. Bis Olympia 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo: "Da gehört der Sport hin und da ist er daheim in den Alpen", sagte Schlickenrieder. "Nicht 27.000 neue Sportstätten bauen: Nehmt das, was da ist." Und für den Bundestrainer bietet sich die Chance, noch eine weitere Sportgeschichte zu schreiben.

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Peter Schlickenrieder

Alle ausgezeichneten Sportlerinnen und Sportler:

  • Herausragende Bayerische Sportkarriere: Rennrodler Natalie Geisenberger und Tobias Wendl, Tobias Arlt
  • Herausragende Förderung des Sports: Triathlon Challenge Roth
  • Jetzt-erst-recht-Preis: Para-Surfer Ben Neumann
  • Außergewöhnliche Sportmomente: Leichtathletin und Bob-Anschieberin Alexandra Burghardt
  • Sonderpreis Sportler mit Herz: "Athletes for Ukraine"
  • Bayerischer Sommertraum des Jahres: Leichtathletin Gina Lückenkemper
  • Bayerische Sportgeschichte: Ex-Langläufer und Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder
  • Persönlicher Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten: Fußballer Thomas Müller