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Basketball-Teamcheck Bamberg: Neustart mit Plan | BR24

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Neuzugang Paris Lee in Aktion

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    Basketball-Teamcheck Bamberg: Neustart mit Plan

    Neuer Trainer, acht Neuzugänge - der Umbruch bei Brose Bamberg ist gewaltig. Nach einer insgesamt enttäuschenden Saison soll ein neuer Stil Einzug halten und der Teamgeist wieder mehr gelebt werden. Ein Neustart mit Plan.

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    So lief die vergangene Saison

    2018/2019 spielte Bamberg eine ungewohnt schwache Hauptrunde. Der ehemalige Serienmeister landete nach 34 Spieltagen "nur" auf Rang fünf und reihte sich damit hinter den Top-Teams aus München, Berlin und Oldenburg und sogar auch hinter Aufsteiger RASTA Vechta ein. Gegen die Niedersachsen war im Play-off-Viertelfinale auch Endstation. Mit 1:3 ging die Serie gegen den Underdog verloren. Bitter!

    Kleines Trostpflaster in einer insgesamt verkorksten Saison: Das Team gewann den BBL-Pokal. Dieser Erfolg und der Einzug ins "Final Four" der Champions League, wo man in Antwerpen allerdings nur Vierter wurde, trösteten zumindest ein wenig über die insgesamt doch enttäuschenden Leistungen in der Liga hinweg.

    Gründe? Die Zusammensetzung des Teams passte nicht. Dazu kamen Turbulenzen im Verein. Erst musste Sport-Geschäftsführer Rolf Beyer gehen, dann Trainer Ainars Bagatskis und schließlich Sportdirektor Ginas Rutkauskas. Federico Perego übernahm als Coach und brachte die Mannschaft immerhin wieder auf sicheren Play-off-Kurs. Inzwischen ist auch er weg.

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    Assem Marei kennt die BBL aus seiner Bayreuther Zeit

    Wer kommt, wer geht

    Tabula rasa in Bamberg. Mit dem neuen Coach Roel Moors, der vom letztjährigen Champions-League-Rivalen Giants Antwerpen kommt, hält ein neuer Stil Einzug. Die Mannschaft wurde massiv umgekrempelt, kein Stein blieb auf dem anderen. Acht Spieler - sechs Ausländer und zwei Deutsche - haben den Klub verlassen. Lediglich Louis Olinde, Bryce Taylor, Maurice Stuckey und der neue Kapitän Elias Harris blieben.

    Wirklich nachtrauern dürften die Fans nur Nikos Zisis (Joventut de Badalona), Tyrese Rice (Panathinaikos Athen) und vielleicht Augustine Rubit (Olympiakos Piräus). Außerdem mussten Ricky Hickman (Ziel unbekannt), Cliff Alexander (Le Mans Sarthe Basket), Arnoldas Kulboka (CB Bilbao Berri), Patrick Heckmann (ratiopharm Ulm) und Daniel Schmidt (Fraport Skyliners) gehen.

    Von den sieben Neuzugängen sind nur zwei aus der BBL bekannt: Power Forward Christian Sengfelder spielte zuletzt eine starke Saison in Braunschweig und empfahl sich so für ein Topteam. Center Assem Marei trug von 2016 bis 2018 das Trikot des oberfränkischen Erzrivalen medi Bayreuth und stand zuletzt beim türkischen Klub Pinar Karsiyaka unter Vertrag.

    Alle anderen haben noch keinerlei Deutschlanderfahrung. US-Guard Paris Lee bringt Trainer Moors aus Antwerpen mit nach Oberfranken. Auf ihm ruhen ähnlich große Hoffnungen wie auf Shooter Aleix Font, der zuletzt unter Svetislav Pesic beim FC Barcelona spielte. Dazu kommen mit Forward Tre McLean (BC Parma Basket Perm/Russland) und Guard Kameron Taylor (PEAC-Pecs/Ungarn) zwei weitere US-Boys sowie der erst fünf Tage vor Saisonstart verpflichtete Venezolaner Michael Carrera (Obras Basket Buenos Aires), über den Sportdirektor Leo De Rycke sagt: "Er bringt uns Energie auf beiden Seiten des Courts. Wir haben das fehlende Puzzleteil gesucht – und in ihm gefunden."

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    Roel Moors will Team-Basketball sehen

    Der Trainer

    Roel Moors ist Experten für einen kontrollierten Team-Basketball bekannt, der auf einer starken Defensive basiert und bei dem in der Offensive immer der besser postierte Spieler gesucht wird. Das passt zu dem, was Bamberg zuletzt spielte. Es wird also keine 180-Grad-Wende bei der Spielweise geben. Dass er mit Lee seinen "verlängerten Arm" gleich mitgebracht hat, ist sicher kein Nachteil.

    "Ich will viel Ballbewegung sehen, jeder darf und soll scoren, aber immer auch den besser postierten Mitspieler sehen. Wir müssen den Zuschauern wieder den Spaß am Basketball zurückbringen." Roel Moors

    Wo Moors im Vergleich zur vergangenen Saison den Hebel ansetzen muss und will, ist beim Thema Einstellung und Kampfgeist. Was die Kaderqualität angeht, hatten die Oberfranken gegenüber fast allen Klubs einen Vorteil. Doch das machten die Gegner - vor allem Vechta in den Play-offs - mit Mentalität mehr als wett.

    Erwartungen an die Saison

    Brose Bamberg geht in sein 50. Bundesligajahr! Und da möchte man den Fans Spektakel und nach Möglichkeit auch viele Erfolgserlebnisse bieten. Michael Stoschek, Aufsichtsratsvorsitzender und als Brose-Chef der starke Mann im Hintergrund, ist nicht gerade für seinen langen Geduldsfaden bekannt. Auch deshalb soll die vergangene Saison möglichst schnell vergessen gemacht und eine neue Erfolgsgeschichte geschrieben werden. Dazu muss vor allem die heimische Arena wieder zu einer uneinnehmbaren Festung werden.

    Gerade die Fans, die jahrelang verwöhnt wurden, lechzen wieder nach mehr Dominanz. Sollte das Team wieder als solches auftreten und wieder Team- und Kampfgeist zeigen - darauf zielte die Kaderzusammenstellung ab -, verzeihen sie aber auch mal eine Niederlage. Die Anhänger sind ein Pfund, mit dem die Oberfranken auch in Zukunft wuchern können.

    Das gilt auch für Europa. Bamberg tritt erneut in der Champions League an. In einer attraktiven Achter-Gruppe - u.a. mit Vorjahresfinalist Iberostar Teneriffa - ist Platz vier das erklärte und realistische Ziel. Damit stünde man im Achtelfinale.

    Prognose

    Viele neue Spieler, teils ohne BBL-Vergangenheit, machen Bamberg zu einer großen "Wundertüte". Nominell ist der Kader vielleicht sogar etwas schwächer als in der vergangenen Saison. Dies soll aber mit Einsatz, Mentalität und Kampfgeist ausgeglichen werden. Gelingt das, kann Bamberg wieder eine größere Rolle spielen, auch wenn Meister FC Bayern Basketball und wohl auch ALBA Berlin etwas enteilt sind. Die Play-offs sind ein Muss. Das Halbfinale sollte in dieser Spielzeit wieder drin sein.