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Basketball-Finalturnier: Mehr Farce als Chance? | BR24

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BBL-Spielszene FC Bayern Basketball gegen Alba Berlin

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    Basketball-Finalturnier: Mehr Farce als Chance?

    Am 6. Juni beginnt in München das Finalturnier um die deutsche Basketballmeisterschaft. Während die Liga und die Vereine eine Chance für ihre Sportart sehen, gibt es auch Gefahren. Und nicht jeder Fan kann dieses Meisterschaftsfinale ernst nehmen.

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    Wer in diesen Tagen Stefan Holz, dem Geschäftsführer der deutschen Basketball-Liga (BBL), oder auch FC-Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic zuhört, der muss glauben, dass die Austragung des Finalturniers um die deutsche Basketballmeisterschaft, das am 6. Juni in München beginnt, der Heilsbringer schlechthin für die Sportart ist. Im Kampf um Platz zwei in der Publikumsgunst hinter dem Fußball sieht der deutsche Basketball in der Saisonfortsetzung die einmalige Chance, verlorenen Boden auf seine Konkurrenten Handball und Eishockey gutzumachen.

    Sowohl in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als auch in der Handball-Bundesliga (HBL) wurde die Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie beendet. Außer Fußball wird im Juni und Juli also nur Basketball gespielt werden. Das ideale Schaufenster. Aber ist das wirklich so? Das Meinungsbild ist da durchaus gespalten. Und die Fakten sagen teilweise etwas anderes.

    Kaum mehr Aufmerksamkeit für Basketball

    Das Argument, der Basketball könne vom Stillstand in den anderen Sportarten profitieren und mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, ist nur teilweise haltbar. Denn die Übertragungsrechte für das Münchner Turnier liegen bei einem Streaminganbieter. Im Free-TV werden auf einem Spartenkanal nur sechs ausgewählte Spiele live in voller Länge zu sehen sein. ARD, ZDF und die dritten Programme haben lediglich ein Zweitverwertungsrecht.

    Streamingdienste erreichen vor allem Hardcore-Basketballfans. Viele neue Abonnenten dürften beim Finalturnier nicht dazukommen, nur weil es sonst gerade kaum Livesport zu sehen gibt. Dazu kommt: Außer zwei Agenturmitarbeitern werden keine Journalisten akkreditiert. Das heißt: Keine exklusiven Nachfragen, Storys von der Stange und TV-Bilder vom vorproduzierten BBL-Signal.

    "Es werden nur von zwei Presseagenturen jeweils ein Medienvertreter in der Spielhalle sein, und das auch nur in der passiven Zone. Dazu sind zwei Fotografen vor Ort. Darüber hinaus sind leider keine Akkreditierungen möglich." Aus einer Pressemitteilung der BBL vom 22. Mai

    Finalturnier aus finanzieller Sicht fragwürdig

    Auch das Geld ist im Falle des Basketballs kein stichhaltiges Argument. Die Saisonfortsetzung könnte für die Vereine eine Draufzahlgeschäft werden.

    (Anm.d.Red. Im ursprünglichen Artikel wurde FC-Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic zitiert, dass er ein "Draufzahlgeschäft" befürchtet. Diese Aussage war falsch und wurde von uns korrigiert.)

    Die TV-Gelder sind im Basketball nicht annähernd so relevant wie beispielsweise im Fußball. Und Zuschauereinnahmen werden bei dem Turnier in der Rudi-Sedlmayer-Sporthalle auch nicht generiert.

    Mannschaften wie Bayreuth, Würzburg oder Gießen haben genau deshalb die Reißleine gezogen und fast alle Spielerverträge aufgelöst, um irgendwie durch die Corona-Zeit zu kommen. Und ob die Verträge mit Rechteinhabern und Sponsoren dank des Finalturniers wirklich in voller Höhe fließen werden, ist offen.

    Gesundheit: Weiter ungeklärte Fragen

    Was die Gesundheit der Spieler angeht, gibt es ebenfalls sehr unterschiedliche Meinungen. Nicht alle Profis sind mit der Entscheidung, das Finalturnier zu veranstalten, glücklich. Dass sich die Spieler während des Turniers in eine dreiwöchige Hotel-Quarantäne begeben müssen, schmeckt ebenfalls nicht jedem, auch wenn die Kritik nach der jüngsten Kommunikationsoffensive der Liga leiser geworden ist. Bambergs Elias Harris etwa sagt: "Ich sehe das inzwischen entspannter."

    Athletensprecher Bastian Doreth - selbst nicht beim Finalturnier dabei - spricht auf dem Portal Basketball.de dennoch von "gemischten Gefühlen" bei den Spielern: "Sicherlich werden bis zum Turnier - oder sogar bis nach dem Turnier - noch gewisse Sorgen vorhanden sein, weil man gewisse Dinge noch nicht abschätzen kann", so der Nationalspieler. "Man weiß nicht, ob irgendwelche Corona-Fälle auftreten werden und man weiß derzeit auch nicht, welche Langzeitschäden bei Sportlern auftreten könnten, wenn sie Corona (...) bekommen sollten und dabei Leistungssport betreiben".

    Auch das erhöhte Verletzungsrisiko spricht Doreth an: Gerade bei "neu zusammengewürfelten" Mannschaften sei vielleicht nicht jeder einzelne Spieler in einem top-fitten Zustand. Daher sei offen, "ob die Vorbereitungszeit nach so langer Pause ausreichen wird, um so viele Spiele innerhalb so kurzer Zeit zu absolvieren".

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    Gestern Braunschweig, heute Ulm: Thomas Klepeisz (l.)

    "Zusammengewürfelte Teams" in München

    Bleibt noch das rein Sportliche, also die Frage, ob es nicht besser ist, die Meisterschaftsentscheidung auf dem Parkett und eben nicht am grünen Tisch zu entscheiden. Das ist grundsätzlich sicher so. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, welchen Wert ein Titelgewinn haben soll, der in einem Turnier ermittelt wird, an dem erstens nicht alle Bundesligateams teilnehmen (nur zehn der 17 Mannschaften sind dabei) und für das die Vereine zweitens ihre Kader noch einmal mit Spielern aufgefüllt haben, die während der ganzen Saison eigentlich bei anderen Klubs unter Vertrag standen.

    Einige Teams haben in dem eigens noch einmal geöffneten Transferfenster zugeschlagen und Spieler von anderen BBL-Klubs für die drei Wochen verpflichtet. Zwei Profis darf jeder Klub nachverpflichten. Zuletzt nahmen die Bayern Ismet Akpinar von Besiktas Istanbul unter Vertrag. Andere Mannschaften wie ratiopharm Ulm oder die MHP Riesen Ludwigsburg haben das Potenzial voll ausgeschöpft und zwei "Neue" dazugeholt.

    "Es wird spannend zu sehen sein, wie die Mannschaften die neuen Spieler integrieren", sagt Elias Harris. Spieler aus Braunschweig oder vom Mitteldeutschen BC werden also in München plötzlich in einem anderen Trikot auflaufen. Für RASTA Vechta indes sind selbst zwei Nachverpflichtungen eigentlich zu wenig, denn gleich fünf ihrer Spieler werden nicht am Finalturnier teilnehmen, was die Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden minimiert.

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    Bastian Doreth von medi Bayreuth

    Doreth: Ein Vereinswechsel würde sich falsch anfühlen

    Auch in dieser Frage zeigt Bastian Doreth von medi Bayreuth Haltung: "Ich hatte Anfragen aus der Liga. Aber ich habe von Anfang an 'Nein' gesagt", so der 30-Jährige: "Wenn ich für Bayreuth spiele, will ich nicht kurzfristig für einen Monat ein anderes Trikot überziehen. Das fühlt sich für mich auch irgendwie falsch an, für so kurze Zeit den Verein zu wechseln."

    In diversen Basketballforen haben Fans deshalb schon kundgetan, dass sie die Meisterschaftsentscheidung in dieser Saison für eine Farce halten. Wer immer sich den Titel am 28. Juni sichert: Er wird nicht den Wert eines regulär in 32 Spieltagen und kompletten Play-offs erkämpften Titels haben und möglicherweise teuer erkauft sein.

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