© picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa

Jahnfans bei einem Auswärtsspiel

Nach Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans und Polizei beim Auswärtsspiel in Fürth erhebt der Zweitligist Jahn Regensburg schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Die Einsatzkräfte seien unverhältnismäßig hart vorgegangen, schrieb der Verein an den Bayerischen Innenminister Herrmann.

Das Unterstützungskommando der Polizei habe Provokationen und Aggressionen selbst geschürt, kritisiert der Fußball-Zweitligist Jahn Regensburg. Bis zur Ankunft in Fürth seien die Fans völlig friedlich gewesen.

Pfefferspray gegen Jahnfans

Die Jahn-Fans hätten nicht wie sonst immer zum Stadion laufen dürfen, sondern seien teils mit Schlagstöcken in Shuttle-Busse gedrängt worden. Polizisten seien vor dem Gästeblock wahllos mit Pfefferspray auf Regensburger Anhänger losgegangen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Eine deeskalierende Zusammenarbeit mit dem Fanbeauftragten des Jahn habe die Polizei abgelehnt.

Der Verein stützt sich bei seiner Einschätzung auf Berichte unterschiedlichster Augenzeugen.

"Die Gruppe der Augenzeugen reicht vom Jugendlichen, über die Familienmutter bis hin zum Hochschullehrer und Amtsträger. Video- und Bildnachweise stützen die Schilderungen überdies. Sowohl bei der Anreise als auch später im Umfeld des Stadions wurde den Jahnfans seitens des Unterstützungskommando mit unverhältnismäßiger Härte und Aggression begegnet." Jahn in einer Mitteilung

Die Jahn-Fans pauschal zu verurteilen sei nicht gerechtfertigt, betont der Jahn. Man lehne jede Form von Gewalt, Diskriminierung und Rassismus ab. Einzelne Übertritte gelte es, zu verfolgen.

Geschehnisse lückenlos aufarbeiten

Der SSV Jahn Regensburg hat sich mit seiner deutlichen Kritik auch an den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gewandt. Die zuständigen Stellen müssten die Geschehnisse rund um das Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth lückenlos aufarbeiten. Der Jahn fordert auch, "mehrere vergleichbare Ereignisse rund um Fußballspiele in den vergangenen Jahren" auf den Prüfstand zu stellen.

Zuschauer, die durch Beobachtungen zur Aufklärung der Vorfälle beitragen können, bittet der SSV Jahn über fanbeauftragter@ssv-jahn.de um Kontaktaufnahme.

Einsatz von Pfefferspray war verhältnismäßig

Die Polizei hat die Kritik an ihrem Einsatz beim Zweitliga-Spiel Greuther Fürth gegen Jahn Regensburg zurückgewiesen. Der Einsatz von Pfefferspray gegen Fans des SSV Jahn Regensburg sei verhältnismäßig gewesen, teilt das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Das habe auch die Ansicht der von der Polizei angefertigten Video-Aufnahmen der Auseinandersetzung gezeigt, bestätigt eine Sprecherin.

Einsatzkräfte mit Flaschen beworfen

Das Polizeipräsidium Mittelfranken berichtete weiter, etwa 100 Regensburger Ultras hätten sich geweigert, in die Shuttlebusse zu steigen. Den Fußmarsch zum Stadion habe man wegen Sicherheitsbedenken verboten. Die Gruppe habe gewaltsam versucht, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Einsatzkräfte seien mit Flaschen und Straßenschildern beworfen worden.

Im Stadion hätten sich Anhänger der Ultra-Gruppierungen geweigert, den Gästeblock zu betreten, so die Polizei. In der zweiten Halbzeit hätten sie mit Megafon-Durchsagen Fans aus dem Gästeblock ebenfalls zum Verlassen des Blocks aufgefordert. Etwa 300 Personen seien schließlich hinter dem Gästeblock gewesen. Es sei zu Angriffen auf Polizeibeamte gekommen, unter anderem mit Flaschenwürfen. In diesem Zusammenhang habe man Pfefferspray eingesetzt und etwa 80 Angehörige der Ultra-Gruppierungen von den friedlichen Fans separiert. Diese wurden nach Spielende mit gesonderten Shuttle-Bussen zum Nürnberger Hauptbahnhof begleitet.

Verletzte Jahn-Fans und Polizisten

Insgesamt laufen nach derzeitigem Stand sieben Ermittlungsverfahren gegen Jahn-Fans. Allerdings rechnet die Polizei damit, dass noch weitere Ermittlungsverfahren folgen werden. Neben mehreren ambulant am Stadion behandelten Fans, hätten auch zwei Jahn-Fans nach Polizeiangaben im Krankenhaus behandelt werden müssen. Auf Seiten der Polizei seien drei Beamte leicht verletzt worden.