Alberto Tomba gewinnt das erste Nightrace in Schladming 1997
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Alberto Tomba gewinnt das erste Nightrace in Schladming 1997

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Aus eins mach zwei - wie Schladming zum "Nightrace" kam

Bereits zum 26. Mal wird das legendäre Nightrace in Schladming ausgetragen. Besonderheit: Dieses Jahr gab es nun nicht nur ein Rennen, sondern gleich zwei. Und die erfreuten sich großer Beliebtheit.

Der Nachtslalom auf der Planai war wieder mal ein voller Erfolg: 40.000 begeisterte Ski-Fans jubelten unter Flutlicht den Slalom-Assen zu. "Ich liebe das total. Meiner Meinung nach sollte jeder Slalom ein Nightrace sein", sagte der Oberstdorfer Sebastian Holzmann nach seinem starken 18. Rang am Dienstagabend am BR-Mikrofon. 

Aber nicht jedes Nachrennen ist wie das in Schladming. Die Erfolgsgeschichte geht bis in die 1970er Jahre zurück. Das erste Weltcuprennen, allerdings noch nicht bei Nacht, fand 1973 statt. "Das war ein Riesen-Spektakel in Schladming. Die Besucherzahl war damals schon ähnlich wie heute. Und seitdem hat Schladming den Ruf einer absoluten Sportstadt", sagt Ernst Royer.

Jodlergruppe und zünftige Worte überzeugen die Jury

Royer kennt die Weltcup-Geschichte in und auswendig. Der mittlerweile 96-jährige Ex-Hotelier sorgte mit seinem 1972 errichteten "Sporthotel" für ausreichend Betten, dass der Weltcup in Schladming überhaupt gastieren konnte. 

Wie wichtig das Sporthotel für Schladmings Erfolgsgeschichte werden würde, ahnte auch Royer damals noch nicht.1982 wartete das nächste Highlight auf der Planai: die Alpine Skiweltmeisterschaft. Dabei war es alles andere als einfach, den Zuschlag zu erhalten: "Es war ein riesen Kampf am Schluss gegen Italien. Aber eine Jodlergruppe und ein paar zünftige Worte haben die Jury überzeugt und der Zuschlag wurde Schladming erteilt", erinnert sich Royer. 

Wieder einmal war er es, der mit seinem Hotel dafür sorgte, die nötigen Voraussetzungen für die alpine Ski-WM 1982 zu schaffen: "Wir sind damals als Hotel in Schladming, das Einzige gewesen, was die Forderungen der FIS erfüllte. Und die Forderungen waren natürlich hoch, in der Bettenzahl und auch in der Möglichkeit von sicheren Interviews. Der Bürgermeister von Schladming kam zu mir mit der Bitte, mitzuhelfen, dass die Durchführung überhaupt möglich war."

Erstes "Nightrace" 1997

Weitere 15 Jahre vergingen, bis der Wunsch aufkam, etwas noch Größeres nach Schladming zu bringen. Das erste "Nightrace" wird für den 30. Januar 1997 fixiert. Ein Rennen unter Flutlicht, mitten in der Woche war ein absolutes Novum für den Alpinen Skiweltcup.

Der langjährige Stadionsprecher Sepp Reich erklärt: "Nachtrennen hat es damals nur in Sestriere gegeben - aber nicht unter der Woche. Die Frage war: Kommt da überhaupt wer an einem Dienstagabend? Der OK-Chef und ich haben zwei Tage vorher noch beieinander gesessen und haben uns gefragt: Was wird da bloß draus werden?"

Alberto Tomba gewinnt das erste Rennen

Geworden ist daraus schon 1997 ein voller Erfolg: Ski-Ikone Alberto Tomba konnte vor den Augen von bereits 20.000 Menschen den ersten Nachtslalom in der Geschichte Schladmings für sich entscheiden. "Dieses Weltcuprennen hat so eingeschlagen“, sagt Royer. Jahr für Jahr wollen seither immer mehr Menschen das Spektakel auf der anspruchsvollen Planai mit 52 Prozent Gefälle erleben. Schladming wurde zu einem der Highlights des Slalom-Weltcups. 

Seitdem ist die Veranstaltung eigentlich nicht mehr aus dem Weltcup-Jahr wegzudenken: "Wir haben teilweise Zuschauerzahlen von 50.000 und mehr gehabt. Da sind wir natürlich auch an Grenzen gestoßen, weil es war in der Stadt alles voll, es war auf der Piste alles voll", erklärt Schladmings Kult-Kommentator Sepp Reich. 

2023: die Riesenslalom-Premiere in Schladming

In den letzten Jahren wurde der Wunsch der Schladminger lauter, auch ein zweites Rennen, einen Nacht-Riesentorlauf auf der Planai auszutragen. Organisatorische Schwierigkeiten, vor allem die Erweiterung der Flutlichtanlage, standen dem Projekt lange Zeit im Weg.

Dank eines mobilen Systems, welches kurzfristig für die Ausrichtung (Ersatzrennen für Garmisch-Partenkirchen) organisiert werden konnte, konnte nun der erste Nacht-Riesenslalom in der Geschichte des Weltcups stattfinden. Sowohl den Slalom als auch den Riesenslalom lobten die deutschen Fahrer nun in den höchsten Tönen, Alexander Schmid als Neunter war am Mittwoch der stärkste DSV-Fahrer. Ob das Rennen einen festen Platz im Weltcup finden wird, steht noch nicht fest. Fakt ist: Schladming kann Nightrace.

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