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FC-Augsburg-Torwart Andreas Luthe
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Bernd Eberwein
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FC-Augsburg-Torwart Andreas Luthe

"Alles gut, weiter arbeiten, Mund abputzen und dann geht's nächste Woche wieder weiter." Ruhig und abgeklärt gab sich FC-Augsburg-Torwart Andreas Luthe im Interview mit BR Sport nach dem 0:1 in Leverkusen. Der FC Augsburg und der unbändige Wille, nach Nackenschlägen wieder aufzustehen. Kaum jemand steht so sinnbildlich für dieses FCA-Credo wie Luthe. Besonders an diesem Bundesliga-Spieltag.

In der 35. Minute rauschten Luthe und Leverkusens Kevin Volland aneinander. Es habe sich angefühlt, "als habe mich ein Auto angefahren", erklärte er nach der Partie. Doch Luthe spielte weiter. Wie ein lädierter Sportwagen nach einem Frontalcrash. Dass er sich durchaus etwas wilder verletzt hatte, wussten die Zuschauer da natürlich noch nicht.

"Ich habe mir auf die Zunge gebissen. Ein Stück ist abgerissen und hängt runter", erklärte Luthe mit allergrößter Ruhe nach dem Spiel, sehr anschaulich. "Ich habe immer wieder Blut ausgespuckt", sagte er: "Irgendwann hat es aufgehört zu bluten. Aber wenn ich sauge, kommt immer noch was." Immerhin: Den Voyeuren unter den TV-Zuschauern verweigerte er den Blick auf den lädierten Muskel im Mund.

Bei diesem Zusammenprall mit Leverkusens Kevin Volland biss sich FC-Augsburg-Torwart Andreas Luthe ein Stück Zunge ab.

Bei diesem Zusammenprall mit Leverkusens Kevin Volland biss sich FC-Augsburg-Torwart Andreas Luthe ein Stück Zunge ab.

Augsburgs Trainer Manuel Baum dürfte sich nach solchen Aussagen bestätigt fühlen, dass er nach wenigen Saisonspieltagen Luthe zur neuen Nummer eins befördert hat, nachdem der ursprüngliche Stammtorwart Fabian Giefer einige Patzer in den ersten Saisonspielen zeigte. Denn mehr denn je als in der bisherigen Saison braucht Baum Leader und Wachrüttler in seiner Mannschaft - damit der FCA in dieser Saison nicht doch noch tiefer in den Abstiegssumpf rutscht.

Baum und die "Problemchen" des FCA

"Man hat gesehen, dass wir das heute defensiv angehen wollten", erklärte Baum zwar nach der Niederlage in Leverkusen. Aber so defensiv, so ängstlich, so ganz und gar harmlos in der Offensive hatte er sich sein Team sicher nicht vorgestellt. "Wir hatten in der ersten Hälfte das ein oder andere Problemchen und unsere Konter nicht gut ausgespielt. Am Ende haben wir den einen Fehler hinten zu viel gemacht und das Tor selbst nicht getroffen", so Baums nüchterne Analyse.

Was sowohl bedenklich wie auch ärgerlich ist: Nachdem Leverkusen in der 75 Minute in Führung gegangen war, sah man plötzlich einen ganz anderen FC Augsburg auf dem Platz. Mutig mit Drang nach vorne, willensstark und mit besten Chancen zum Ausgleich. Warum nicht 90 Minuten so?

"Solche Phasen haben wir auch schon in der Vergangenheit gehabt und die Situation dann nach dem Winter wieder gemeistert. Wir wissen, wie wir damit umgehen müssen, auch wenn es nicht schön ist. Wir haben die nötige Qualität im Kader und werden weiter geschlossen auftreten. Irgendwann wird der Knoten platzen, vielleicht schon am nächsten Wochenende gegen Schalke." FC-Augsburg-Trainer Manuel Baum

Luthe: "Wir haben eine charakterstarke Mannschaft"

"Wir sind normal eine Mannschaft, die zu guten Zeitpunkten auch mal einen Stich setzen kann und Tor macht. Aber das fehlt uns gerade", analysierte er sachlich: "Wir brauchen sehr, sehr lange um diese Tore zu machen." Fußball sei einfach und mache Spaß, wenn's läuft. "Aber wirklich darauf ankommt's, wenn es mal nicht läuft", sagte der Keeper, der fest daran glaubt, dass der FCA seine Mini-Krise schnell übersteht: "Wir haben eine charakterstarke Mannschaft."

Sagte Leader Luthe, und verschwand. Zum Zunge kühlen vermutlich. Denn die braucht er spätestens voll funktionsfähig wieder bei einem Abendessen mit FC-Augsburg-Fans. Ein solches gab's zu gewinnen im Internet-Adventskalender des Klubs. Ausgerechnet mit Luthe. Ausgerechnet am Tag nach dessen Zungen-Dilemma.