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Julian Nagelsmann

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Augsburg deckt schonungslos FC-Bayern-Defizite auf

FC-Bayern-Coach Julian Nagelsmann ist nach der 1:2-Pleite in der Fußball-Bundesliga beim FC Augsburg "richtig sauer", die Spieler vermissen die "Griffigkeit". Bei den Münchnern wird nach der löchrigen Abwehr auch die Offensive zu einem Problemfall.

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Bernd R. EberweinBernd R. Eberwein
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Der FC Bayern München sorgt ungeplant wieder für Spannung in der Fußball-Bundesliga. Der deutsche Rekordmeister verlor am Freitagabend 1:2 beim FC Augsburg, Verfolger Dortmund kann sich wieder bis auf einen Punkt heranpirschen. Wichtiger für die Fußball-Bundesliga: Der FCA ist nach Eintracht Frankfurt nun schon das zweite Team, das aufzeigt, wie simpel man die Münchner eigentlich knacken kann.

Thomas Müller sucht die "Griffigkeit"

"Es ist ein bitterer Rückschlag in unserem Selbstverständnis. Wir waren in der ein oder anderen Szene zu nachlässig. Wir hatten nicht die Griffigkeit", monierte Offensivspieler Thomas Müller. Diese fehlende Griffigkeit offenbart sich in den nüchternen Zahlen.

Der FC Bayern präsentierte sich zwar mit gewohnt hohem Ballbesitzanteil, 71,1 Prozent waren es in Augsburg. Doch in Sachen Zweikämpfen bot der FCA (44,44 Prozent) den Bayern (55,56 Prozent) fast Paroli. Und was das Läuferische betrifft, hatten die Augsburger die Nase vorn: 124,85 Kilometer spulte das Team von Markus Weinzierl ab (Bayern: 117,76 Kilometer), 233 Sprints stehen in der Statistik (Bayern: 220).

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Der 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der Saison 202172022: Das Spiel FC Augsburg gegen den FC Bayern in der Zusammenfassung.

Nagelsmann "richtig sauer" auf seine Bayern

Bayerncoach Julian Nagelsmann betont zwar seit Amtsantritt, dass seine Mannschaften in Sachen Laufleistung meist unterlegen sind, allein schon wegen höheren Ballsicherheit und Ballbesitzanteile - weil sich eben das Leder statt der Spieler bewegt.

Aber nach der unerwarteten Freitagabendpleite musste auch er einräumen: "Ich bin das erste Mal als Bayern-Trainer richtig sauer auf uns, weil wir es besser machen müssen."

In der Tat: In der Defensive zeigte sich sein Team phasenweise wieder einmal vogelwild. Patzte in den vergangenen Wochen immer wieder Neuzugang Dayot Upamecano, war es diesmal Innenverteidiger Lucas Hernández, der bei beiden Gegentoren unglücklich aussah. Beim 1:0 konnte er den Ball nur ungenügend zum Gegner klären, beim Augsburger 2:0 ließ er Gegenspieler André Hahn weitgehend unbedrängt einköpfen.

"Gewinnen lieben, verlieren hassen"

"Wir bekommen die Tore immer auf dieselbe Art und Weise. Es ist ein bisschen sorglos, wie wir verteidigen. Der Gegner hatte keine brillanten Momente und hat trotzdem zwei Tore gemacht ... Wir verteidigen ein bisschen sorglos. Wenn nach vorne nicht viel geht, musst du hinten stabiler sein. Gewinnen lieben ist das eine, verlieren hassen ist das andere." FC-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann

Fast wie gegen Eintracht Frankfurt

"Das war sehr enttäuschend. Wir müssen gegen so eine Mannschaft gewinnen. Wir waren in der ersten Halbzeit nicht da", sagte FC-Bayern-Kapitän und Torwart Manuel Neuer über die ersten 45 Minuten, die kein bisschen an eine Spitzenmannschaft erinnerten - und die immer wieder neuen und gleichzeitig alten Schwächen in der Abwehr offenbarten.

Doch nach dem Seitenwechsel offenbarte sich noch eine neue - und mindestens genauso unschöne - Facette des Rekordmeisters: Auch die so hochgelobte Offensiv-Maschine stottert. Die zweite Halbzeit erinnerte frappierend an die 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am 7. Spieltag: München fast ausschließlich im Vorwärtsgang, ein Tor glückte aber nicht mehr.

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Der 7. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der Saison 2021/22: Die Partie FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt in der Zusammenfassung.

Manuel Neuer, wenige Torchancen und kein Mut

Einziger Unterschied, und der sorgt für Kopfschmerzen im Münchner "Mia san mia"-Ensemble: Die Masse an Torchancen blieb diesmal aus. Waren es gegen Frankfurt noch satte 21 Torschüsse ingesamt, zählten die Statistiker in Augsburg nur elf - und die meist harmlos. Es muss hart in den Bayern-Ohren geklungen haben, als Augsburg. Trainer Markus Weinzierl nach dem Spiel auch noch anfügte, dass der 1:2-Anschlusstreffer "keine 100-prozentige Torchance war".

Wo das Bayern-Selbstvertrauen in Augsburg den größten Knacks bekommen hat, unterstreicht eine Aussage von Neuer: "Was mir Sorge macht, dass wir zu wenig Torchancen hatten. Wir müssen mehr Mut haben." 369 Pässe spielten die Bayern zwar, davon über 87 Prozent erfolgreich (FC Augsburg: 56 Pässe, 64,29 Prozent erfolgreich). Doch die meisten gingen nicht in gefährliche Zonen.

Rückpässe statt Torvorlagen

Die Krux: "Jeder zweite Ball im Sechser-Raum war ein Rückpass, selten nach vorne gerichtet. In der ersten Halbzeit war das noch viel extremer als in der zweiten", analysierte Nagelsmann. Selten wurde der wegen Corona-Quarantäne pausierende Joshua Kimmich als Taktgeber so vermisst wie in Augsburg.

FC Augsburg: Weinzierls "Achterkette"

Mit Alphonso Davies und Jamal Musiala versuchte es Nagelsmann in der zweiten Hälfte dann noch mit "zwei sensationellen Fußballer" (O-Ton FCA-Coach Weinzierl). Der Bayern-Druck nahm zu, "das hat uns weh getan", bekannte Weinzierl: "Aber mit der Fünferkette und den drei Mann davor haben wir das mit sehr viel Laufbereitschaft und Willen verteidigt und auch nicht die 100-prozentigen Chancen zugelassen." So einfach bezwingt man den FC Bayern.

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