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Auftakt im Doping-Prozess: Über 100 Einzelfälle seit 2011 | BR24

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In München hat der bisher größte Doping-Prozess Deutschlands begonnen. Fünf Personen sind angeklagt, dem Erfurter Arzt Mark Schmidt wird organisiertes weltweites Blutdoping vorgeworfen.

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Auftakt im Doping-Prozess: Über 100 Einzelfälle seit 2011

In München hat der bisher größte Doping-Prozess Deutschlands begonnen. Fünf Personen sind angeklagt, dem Erfurter Arzt Mark Schmidt wird organisiertes weltweites Blutdoping vorgeworfen. Die Verlesung der Anklageschrift nannte über 100 Einzelfälle.

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Mit der Verlesung der 35 Seiten dicken Anklageschrift durch Oberstaatsanwalt Kai Gräber hat der Dopingprozess gegen den Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt und vier weitere Angeklagte vor dem Landgericht München II begonnen. Die Staatsanwaltschaft listet in der Anklageschrift über 100 Doping-Einzelfälle seit 2011 auf.

Danach haben die Beschuldigten ihre Kunden - Spitzensportler aus acht Nationen - in Flughafenhotels, in extra angemieteten Apartments oder auch auf dem Parkplatz eines Fast Food Restaurants getroffen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Polen oder der Türkei.

Auch während der Olympischen Winterspiele in Südkorea 2018 versorgte ein Helfer des Hauptangeklagten mehrere Athleten mit eingeschmuggelten Blutbeuteln, so die Anklageschrift. In der Erfurter Praxis von Mark Schmidt stellten die Ermittler unter anderem 45 Blutbeutel sicher, die zehn verschiedenen Athleten zugeordnet werden konnten.

Keine Aussage des Hauptangeklagten an Tag eins

Der Hauptangeklagte Mark Schmidt – er wurde von einem Polizisten an einer Handschelle ins Gericht geführt nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft - wirkte unruhig, als die Anklage verlesen wurde. Neben den Blutdoping-Anschuldigungen wird ihm auch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, weil er einer Sportlerin ein ganz neues Dopingmittel in Form von getrockneten Blutplättchen verabreichte. Ein Mittel, mit dem der Arzt gar keine Erfahrung hatte.

Schmidt machte am ersten Prozesstag noch keine Aussage. Das teilten die Verteidiger des Arztes mit. Allerdings kündigten sie an, dass er sich im Verlauf des Prozesses äußern werde.

© picture-alliance/dpa

Anwalt Juri Goldstein (links) und der Hauptangeklagte Mark Schmidt.

Der Doping-Prozess - die Vorgeschichte

Die Ermittlungen der "Operation Aderlass" waren die Grundlage für den bisher größten Dopingprozess in der Geschichte Deutschlands. Am 27. Februar 2019 kam es während der Nordischen Ski-WM zu Razzien in Österreich und Deutschland.

Der Erfurter Mediziner Mark Schmidt soll Spitzensportlern über Jahre hinweg beim Blutdoping geholfen haben. Er ist wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz und das Antidopinggesetz angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Arzt seit Ende 2011 regelmäßig weltweit Blutdoping betrieben hat. Mindestens 23 Athletinnen und Athleten in den Sportarten Langlauf, Biathlon, Eisschnelllauf, Leichtathletik und Radsport aus acht Nationen sollen in den Fall verwickelt sein.

Fortsetzung am Freitag

Das Landgericht München II hat 26 Hauptverhandlungstermine angesetzt, der letzte ist am 21. Dezember 2020. Der zweite Prozesstag ist an diesem Freitag.

Einige von Schmidts Kunden wurden übrigens bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt, zum Beispiel in Österreich. Ob das auch deutschen Sportlern droht, ist unklar. Denn das deutsche Anti-Doping-Gesetz ist erst seit Ende 2015 in Kraft. Sportler, die vorher gedopt haben, kann man strafrechtlich nicht verfolgen.