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Seit fast 15 Jahren hütet Andreas Luthe das Tor von deutschen Profi-Vereinen - unter anderem das des FC Augsburg.

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Andreas Luthe: "Bei vielen Funktionären fehlt die Weitsicht"

Torhüter Andreas Luthe kritisiert in Blickpunkt Sport die mangelnde Fokussierung auf den Nachwuchs. Der ehemalige Augsburg-Profi sieht bei der Fußball-Nationalmannschaft eine Entfremdung von den Fans.

Andreas Luthe hat in seiner Karriere viel erlebt und kennt sich im Fußball bestens aus. Vier Vereine, drei verschiedene Ligen, 360 Profi-Spiele. Der ehemalige Augsburg-Keeper sorgt sich um die Entwicklung, die sein Sport derzeit nimmt. "Der Sport kann nur überleben, wenn die jüngere Generation den Sport weiterführt. Wenn in zehn Jahren keiner mehr Fußball spielt, dann ist der Sport ein für alle Mal gestorben", sagte der 35-jährige Luthe als Gast bei Blickpunkt Sport im BR Fernsehen und erläuterte: "Der Fokus auf die junge Generation ist einfach entscheidend. Da fehlt bei vielen Funktionären die Weitsicht."

Luthe beobachtet Entfremdung von der Nationalmannschaft

Gerade bei der Fußball-Nationalmannschaft beobachtet Luthe eine negative Entwicklung: "Für mich persönlich gab es eine Zeit, in der mich die Nationalmannschaft mehr interessiert hat. Und ich bin Profi-Sportler. Wenn ich das sage, muss das schon einiges bedeuten."

Nach dem Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM in Katar wurde die DFB-Elf stark kritisiert. Nicht nur das sportliche Abschneiden bei den vergangenen Großturnieren, auch das Auftreten und die Ausrichtung der DFB-Elf wurde bemängelt.

Luthe über DFB: "Sicherlich falsche Entscheidungen getroffen

Auch wegen dieser Kritik war DFB-Direktor Oliver Bierhoff im Dezember von seinem Posten zurückgetreten. Vergangene Woche präsentierte der Deutsche Fußballbund Rudi Völler als Nachfolger. Bei seiner Vorstellung erklärte Völler, die Nationalmannschaft solle künftig "volksnäher auftreten".

Eine Ankündigung, die auch Luthe begrüßen dürfte. "Dass es eine Auswahl deutscher Spieler ist, sagt ja schon, dass du eine gewisse Nähe zum deutschen Fan brauchst. Es soll ja unsere Mannschaft sein. Diese Nähe darf einfach nicht verloren gehen. Da wurden in der Vergangenheit sicherlich falsche Entscheidungen getroffen, beispielsweise bei der Vermarktung", sagte Luthe.

Profi-Fußballer sollen wieder nahbarer sein

Doch nicht nur die Funktionäre sieht der Torwart in der Verantwortung, um Begeisterung bei Fans und Nachwuchs zu entfachen. Auch die Spieler müssen wieder nahbarer werden. Das sei auch wichtig, um künftige Generationen für den Fußball zu begeistern: "Wir waren als kleine Sportler in derselben Situation, sind Autogrammen hinterhergejagt. Es hat das Feuer entfacht, irgendwann auch mal da hinzukommen. Ich war als kleiner Junge im Stadion und habe gedacht: 'Boah es wäre so cool, dort irgendwann mal zu spielen.'"

Das hat Luthe geschafft und blickt nun auf mittlerweile 15 Jahre Profi-Fußball zurück. Seine Anfänge hat er noch immer nicht vergessen und daher hat er es sich selbst zur Aufgabe gemacht, diese Begeisterung weiterzugeben. "Den Kontakt zu den Jüngsten aufrechtzuerhalten und Fan-nah zu sein, ist mit das Wichtigste was du als Sportler leisten musst", sagte Luthe.

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