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Amateurfußball: Neustart ins Ungewisse | BR24

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Spielszene aus der Regionalliga Bayern

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    Amateurfußball: Neustart ins Ungewisse

    Nach monatelanger Corona-Zwangspause fährt der Amateurfußball den Betrieb vielerorts wieder hoch. In Bayern wird die abgebrochene Saison fortgesetzt. Nur wie und wann genau, ist noch immer nicht klar.

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    Die ausgebliebenen Lockerungen für den Amateurfußball im Freistaat haben beim Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Rainer Koch, heftige Kritik hervorgerufen. So sind etwa Testspiele weiter untersagt. Die "Nichtfreigabe von Freundschaftsspielen im Amateurfußball stößt bayernweit auf großes Unverständnis, zumal sie zumindest bislang von der Staatsregierung in der Sache in keiner Weise begründet worden ist. Ehrlich gesagt auch bei mir", schrieb Koch in den sozialen Medien und ergänzte: "Ganz besonders dann, wenn ich von meinem Büro in der Zentrale des Bayerischen Fußball-Verbands zum Königsplatz schaue, Blasmusik höre und viele Menschen sehe, die ohne allzu große Sicherheitsabstände gemeinsam den Sommer in der Stadt feiern."

    Wenn die Landesregierung mit ihren Entscheidungen bei Bayerns Vereinen und Mitgliedern auf breites Verständnis stoßen wolle, "muss sie ihre Entscheidungen so treffen und begründen, dass sie von den Menschen verstanden und akzeptiert werden", schrieb er. Koch will sich mit dem Verband "intensiv darum bemühen, dass die Staatsregierung Freundschaftsspiele sehr zeitnah erlaubt".

    Koch: "Amateurfußball hat Kraft entfaltet"

    Die fast 25.000 Klubs, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) registriert sind, haben die erste Welle der Pandemie überstanden. Mal mit mehr, mal mit weniger Schrammen. Noch sind aber gar nicht alle Folgen absehbar. "Der Amateurfußball hat in dieser Krise seine Kraft entfaltet, das stimmt mich zuversichtlich", sagt Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) und DFB-Vize. "Aber wir alle müssen auch etwas dafür tun, dass er so stark bleibt und diese Krise, die sich keiner ausgesucht hat, durchsteht."

    Die befürchteten Massenabmeldungen von Mannschaften sind bisher ausgeblieben. In zahlreichen Bundesländern gab es schon wieder Vorbereitungs- und Pokalspiele, im September sollen die Meisterschaftsrunden starten. In Bayern wird die alte, abgebrochene Saison fortgesetzt. In der höchsten Amateurspielklasse, der Regionalliga Bayern, geht es ohne Drittligaaufsteiger Türkgücü München weiter. Nach den regulären Spieltagen soll eine Meisterrunde die Mannschaft ermitteln, die 2021 um den Aufstieg in die 3. Liga spielt.

    Hygiene-Leitfaden für die Amateure steht

    Das Ganze ist mit einem Hygiene-Leitfaden des DFB abgestimmt, der die Spielstätten fortan in drei Zonen teilt: Spielfeld, Umkleidebereich und Publikumsbereich. Die Klubs desinfizieren ihre Bälle, tragen die Zuschauer in Listen ein, lassen ihre Spieler in Etappen duschen. Viel Aufwand für oft wenig Personal. Dennoch überwiegt dort, wo schon wieder gespielt werden darf, die Dankbarkeit. Die Befürchtungen, dass während der Pause etliche Mitglieder austreten könnten, haben sich vielerorts noch nicht bestätigt.

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    DFB-Vizepräsident Rainer Koch

    Koch: "Profitum in der Oberliga ist keine gute Idee"

    "In finanzieller Hinsicht aber hat es unsere Vereine schwerer getroffen, weil sie beispielsweise auf die Pacht des Wirtes ihres Vereinsheimes, das ja auch geschlossen war, verzichten mussten oder keine Sommerfeste und Jugendturniere austragen konnten", sagt Koch: "In den einzelnen Bundesländern gab es unterschiedliche Lösungen wie Soforthilfen oder etwa verdoppelte Übungsleiter-Pauschalen. Dafür haben wir uns mit unseren Landesverbänden bei der Politik stark gemacht." Einige Vereine halfen sich auch selbst, verkauften virtuelle Tickets oder Bratwürste.

    Da sie ihre Spieler oft pro Einsatz, aber nicht fortlaufend bezahlen, hatten viele Vereine aus den unteren Ligen zudem kaum Ausgaben. Anders als die in den Regional- oder Oberligen, wo oft feste Monatsgehälter fließen und die Zuschauereinnahmen deutlich mehr ins Gewicht fallen. "Vereine, die signifikante Spieler- und Trainergehälter zahlen, haben jetzt auch entsprechend größere Nöte", sagt Koch: "Profifußballer in der Oberliga sind keine gute Idee. Der Amateurfußball ist in den letzten Jahren viel zu teuer und in einigen Fällen fast nicht mehr finanzierbar geworden. Vielleicht bringt das Corona-Virus uns alle wieder zur Vernunft. Hoffentlich ohne Insolvenzen."

    Gefährliche Abhängigkeit von Zuschauer-Einnahmen

    Je größer die Abhängigkeit von Zuschauer-Einnahmen ist, desto höher ist das Risiko. Auch, weil es kaum TV-Einnahmen und somit eine sichere Geldquelle gibt und weil niemand weiß, wie lange seine Sponsoren tatsächlich bei der Stange bleiben. Und ob nicht noch ein weiterer Abbruch kommt. "Wir können wohl erst dann wieder von einer Normalität sprechen, wenn ein Impfstoff gefunden ist oder es entsprechende Medikamente gibt", sagt Koch: "Das gilt für den Amateurfußball ebenso wie für unser ganzes gesellschaftliches Leben." Bis dahin bleibt die Gefahr, doch noch von der Corona-Welle übermannt zu werden, bestehen.