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Alphonso Davies beim Training in Katar
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Sonja Weinfurtner
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Alphonso Davies beim Training in Katar

Der FC Bayern steht vor einem personellen Umbruch. In der aktuellen Bundesliga-Saison kicken beim deutschen Rekordmeister zwar hauptsächlich noch die altgedienten Profis, aber die Routiniers wie Franck Ribéry und Arjen Robben stehen vor dem Abschied. Die Personalpolitik bei den Münchnern wurde neu ausgerichtet, das Team soll verjüngt werden.

Erster Schritt war die Verpflichtung von Alphonso Davies. Rund zehn Millionen Euro hat der FC Bayern für den 18-Jährigen bezahlt. Mit Bonuszuschlägen kann die Ablösesumme sogar noch bis zu knapp 19 Millionen Euro ansteigen. Der Flügelstürmer vom MLS-Klub Vancouver Whitecaps unterschrieb einen Vertrag bis 30. Juni 2023. Theoretisch könnte der kanadische Nationalspieler auch in der A-Jugend oder bei den Amateuren des deutschen Rekordmeisters spielen. Aber, "wenn man so viel Geld für einen jungen Spieler ausgibt, parkt man ihn nicht bei der zweiten Mannschaft", meinte Bayern-Coach Niko Kovac.

Langsam aufbauen, nicht verheizen

Kovac zeigt sich zufrieden mit seinem Neuzugang und resümiert nach den ersten Trainingseinheiten: "Er hat sich sofort integriert." Jetzt soll Davies erst einmal die Sprache lernen und im weiteren Training seine Fähigkeiten zeigen. Wenn er überzeugen sollte, stehe einem Einsatz nichts im Wege.

"Wir brauchen Qualität, deswegen ist er hier!" Niko Kovac, Trainer FC Bayern München

Vom Flüchtlingskind zum Fußballprofi

Der kanadische Nationalspieler wurde am 2. November 2000 in einem Flüchtlingslager in Ghana geboren. Seine Eltern flüchteten während des Bürgerkriegs aus Liberia. Als Davies fünf Jahre alt war, gelang der Familie im Rahmen eines Umsiedlungsprogrammes die Ausreise nach Kanada. Auf den Straßen von Edmonton begann er mit dem Kicken. 2014 wurden die Vancouver Whitecaps auf den Jungen aufmerksam und nahmen ihn in ihre Jugendakademie auf. Mit 15 Jahren und fünf Monaten unterzeichnete er seinen ersten Vertrag bei der zweiten Mannschaft. Ein halbes Jahr später gehörte er dem Profi-Team an.

Rekordjäger in jungen Jahren

Davies ist der zweitjüngste Spieler der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS), der je in einer Startelf stand. Mit 16 erhielt er die kanadische Staatsbürgerschaft und ein Jahr später folgte die Nominierung für das kanadische A-Nationalteam. Bei seinem Debüt war er der jüngste kanadische Nationalspieler aller Zeiten. Spätestens jetzt stand er im Fokus aller europäischen Topklubs. Mittlerweile streifte er sich schon neun Mal das kanadische Trikot über und wurde zum "Fußballer des Jahres" in Kanada gewählt.

Niko Kovac: "Davies hat riesiges Potential"

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Davies soll auf den Flügeln wirbeln

Die Bayern waren stolz, als sie die Verpflichtung des Talents verkünden durften. Immerhin stachen sie unter anderem Manchester United und den FC Chelsea aus. Vor allem seine Schnelligkeit und Ballsicherheit zeichnen den 18-Jährigen aus, er fühlt sich auf der linken Außenbahn am wohlsten. Ob er sich im hochkarätigen Kader der Bayern behaupten kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wenn er weiterhin sein Ziel verfolgt, so gut wie sein großes Vorbild Lionel Messi zu werden, dürfte dem nichts im Wege stehen.

Nicht alle Toptalente schlugen ein

Mit der Verpflichtung von vielversprechenden Youngstern lagen die Bayern aber nicht immer richtig: Pierre-Emile Höjbjerg kam beispielsweise als 16-Jähriger, konnte sich aber nie durchsetzen. Als 21-Jähriger wurde der Däne zum FC Southampton verkauft. 2014 angelten sich die Bayern den talentierten 18-Jährigen Sinan Kurt von Borussia Mönchengladbach. Drei Millionen Euro überwiesen sie an den Bundesliga-Konkurrenten. Aber Kurt konnte auch nicht überzeugen. Am 7. Januar 2016 wurde er für nur noch 500.000 Euro an Hertha BSC weitergereicht.

Galt auch als Supertalent: Renato Sanches

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Bestbezahlte Talente bislang: Breno und Sanches

Die bisherigen Rekord-Ablösesummen für Spieler im A-Jugend-Bereich gaben die Münchner für den Brasilianer Breno und den Portugiesen Renato Sanches aus. Breno kam im Winter 2008 für zwölf Millionen Euro vom FC São Paulo. Einst als Top-Talent gehandelt, endete seine Zeit als Bayern-Fußballer im Gefängnis, weil er wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Sanches kam 2016 für 35 Millionen Euro von Benfica Lissabon an die Isar. Ein Paukenschlag - aber das Supertalent sorgte nicht für Furore wie erhofft. Um mehr Spielpraxis zu sammeln, wurde Sanches für die Saison 2017/18 an den walisischen Premier League Club Swansea City ausgeliehen. Jetzt ist der 21-Jährige aber auf bestem Wege, sich im Starensemble der Bayern zu etablieren.