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© Walter Wärthl
Bildrechte: Walter Wärthl

Susanne und Walter Wärthl nach ihrem Start in Flensburg unterwegs durch Deutschland.

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    Zu Fuß von Flensburg nach Füssen

    Vier Wochen lang ist Walter Wärthl täglich bis zu 50 Kilometer weit gegangen, um vom Norden in den Süden von Deutschland zu gelangen. Unterwegs hat der 69-Jährige viel Interessantes entdeckt, und er fühlt sich nun locker "zehn Jahre jünger".

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    Von
    • Ulrike Nikola

    Am liebsten würde Walter Wärthl sofort wieder losgehen, dabei ist er gerade erst daheim in Velden im Nürnberger Land angekommen. Wenn er von seinen Erlebnissen berichtet, strahlt er über das ganze Gesicht. Sei es die Freiheit, unterwegs das Zelt am Wegesrand aufzustellen und in den Sternenhimmel zu schauen. Oder die netten Menschen in Norddeutschland, die ihn den ganzen Tag über freundlich mit "Moin" gegrüßt haben, selbst am Abend noch, ergänzt er schmunzelnd. Auch die unterschiedlichen Landschaften haben ihn beeindruckt, beispielsweise der Nordostseekanal mit seinen riesigen Containerschiffen oder das liebliche Taubertal in Franken. Vieles hat er dadurch zum ersten Mal gesehen und wie den wunderschönen Ort Melsungen.

    Rundum erneuert durch Verjüngungskur

    Ein paar Bedenken hatte der Rentner vor dem Start dann doch, denn daheim knackst es normalerweise morgens im Knie und auch das Kreuz tut schon mal weh. "Doch nach einer Woche täglichen Marschierens läuft mein Körper wie eine Maschine. Nichts schmerzt mehr, denn wahrscheinlich spielt sich Vieles im Kopf ab", sagt Walter Wärthl. Tatsächlich werden die Gedanken mit jedem Schritt leichter und frei von Sorgen, denn es geht nur noch um Fragen wie: Wo ist ein schöner Platz für die nächste Pause oder das Zelt am Abend? So ist er zehn bis zwölf Stunden jeden Tag gegangen und hat einen Kinderwagen vor sich hergeschoben, vollgeladen mit Zelt, Gepäck und Proviant. Obwohl es auch schon mal ein Schnitzel zum Frühstück gegeben hatte, zeigte die Waage am Ende der Tour sechs Kilo weniger an. Vielleicht auch ein Grund, warum sich Walter Wärthl im Ziel immer "wie eine Feder" und mindestens zehn Jahre jünger fühlt. Dieses Hochgefühl hält mehrere Wochen an, denn die vielen Glücksmomente und Endorphine wirken noch lange nach.

    © Walter Wärthl
    Bildrechte: Walter Wärthl

    Walter Wärthl bei einer kurzen Rast.

    Grundfitness durchs Biken

    Seine Frau Susanne hat ihn anfangs begleitet, doch dann musste sie zurück an ihren Arbeitsplatz. Mit ihr ist Walter Wärthl etwas gemütlicher unterwegs, denn gemeinsam nehmen sie sich mehr Zeit für eine Ortsbesichtigung oder schöne Einkehr. In diesem Jahr hat der Langstreckengeher aber noch eine neue Fortbewegungsart für sich entdeckt: Inlineskates! Denn vor allem das platte Land im Norden und an der Weser entlang eignete sich wunderbar, um auf den Rollen und mit dem vollbepackten Kinderwagen schneller voranzukommen. Allerdings waren Wind, rauer Asphalt und Anstiege doch ziemlich schweißtreibend, berichtet der 69-Jährige. Natürlich bringt Walter Wärthl eine gute Grundfitness durch Mountainbiken, Rennradfahren und Klettern mit. Doch ein spezielles Lauftraining absolviert er vorab nicht. Auf so langen Strecken ist er lieber zu Fuß als mit dem Rad unterwegs, weil er dadurch eher stehen bleibt, um ein schönes Foto zu schießen oder ein nettes Gespräch zu führen.

    Neue Perspektiven durch Corona

    Eigentlich hätte Walter Wärthl gerne wieder eine längere Tour im Ausland gemacht, ähnlich wie 2018, als er 3645 km vom Nordkap bis ins Nürnberger Land zu Fuß gegangen ist. Doch die Corona-Pandemie hat ihm einen Strich durch seine Reisepläne gemacht, so dass er sich auf das Heimatland Deutschland besann. Rückblickend ist es genau die richtige Entscheidung gewesen, sagt er. Denn so lernte er beispielsweise den 85-jährigen Julius kennen, der mit dem E-Bike jedes Jahr von Eckernförde nach Stuttgart radelt, um seine Enkel und Urenkel zu besuchen. Zehn Tage braucht er dafür, und er hofft, dass er das noch viele Jahre wiederholen kann. Außerdem traf Walter Wärthl einen 82-jährigen Marathonläufer, der mit einem kleinen Rucksack ein ganzes Wochenende unterwegs war, um für den Rhön Super Cup zu trainieren. Solche Beispiele machen Mut für das Älterwerden, oder wie es Walter Wärthl ausdrückt: "Dann habe ich nicht den Eindruck, dass ich der Einzige bin, der 'nen Sprung in der Schüssel hat!"

    Tipps von Walter Wärthl

    Für alle, die vielleicht Ähnliches probieren möchten, rät der erfahrene Langstrecken-Wanderer: Auf jeden Fall viel Zeit nehmen für die schönen Dinge und Begegnungen am Wegesrand. Am besten weder ein festes Tagesziel noch eine gebuchte Unterkunft vorab festlegen, denn sonst gerate man in Stress und könne das Gefühl der Freiheit nicht genießen. Am besten offen für alles sein und nichts erwarten! Mit dieser Einstellung ist Walter Wärthl immer gut an sein Ziel gekommen.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung aus der Redaktion: Für solche Touren braucht man eine gewisse Grundfitness und ein medizinischer Check-up vorab ist ebenfalls sinnvoll. Man muss ja auch nicht gleich mit einer 1.402 km-Strecke von Flensburg nach Füssen beginnen, sondern kann sich erstmal auf kürzere Mikro-Abenteuer vor der eigenen Haustür begeben. Denn überall gibt es Schönes zu entdecken!

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