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50 Jahre Elfmeterschießen - aus Bayern in die Welt | BR24

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Weil er Los-Entscheide unsportlich empfand, entwickelte der Penzberger Schiedsrichter Karl Wald das Elfmeterschießen. Vor 50 Jahren, am 30. Mai 1970, gab der Bayerische Fußball-Verband grünes Licht - und Walds Erfindung eroberte die Fußballwelt.

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50 Jahre Elfmeterschießen - aus Bayern in die Welt

Weil er Los-Entscheide unsportlich empfand, entwickelte der Penzberger Schiedsrichter Karl Wald das Elfmeterschießen. Vor 50 Jahren, am 30. Mai 1970, gab der Bayerische Fußball-Verband grünes Licht - und Walds Erfindung eroberte die Fußballwelt.

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"Das ist sportlicher Betrug, das ist glatter Blödsinn", sagte der 1916 in Frankfurt am Main geborene und 2011 in Penzberg verstorbene Wald über Fußballspiele, die einst bei einem Remis per Los-Entscheid entschieden wurde. Heimlich, bei Freundschaftsspielen, ließ er in Bayern schon in den 60er-Jahren seine Idee testen: Fünf Schützen pro Team, elf Meter Entfernung zum Tor.

"Das war für ihn schon ein Ritt auf der Kanonenkugel, nicht ganz ungefährlich", sagt Walds Enkel Thorsten Schacht rückblickend, der Großvater habe "ganz schön Muffensausen" gehabt. Denn wären seine heimlichen Tests vom Deutschen Fußball-Bund entdeckt worden, hätte Wald vermutlich sogar seine Schiedsrichter-Lizenz verloren.

Doch Wald setzte seine Experimente trotzdem fort, auch die Zuschauer motivierten ihn, weiterzumachen. "Die Leute wollen den Ball im Netz sehen", sagte Karl Wald einmal. Sie hätten mitgefiebert, gejubelt mit den Siegern, gelitten mit den Verlieren.

30. Mai 1970 - das Elfmeterschießen wird in Bayern Realität

Der Durchbruch dann am 30. Mai 1970. Die Führung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) wollte Walds Antrag abschmettern. Mit den Worten "Meine Kameraden, ich bitte Sie, geben Sie dem Antrag grünes Licht, nach dem Motto, der Erfolg rechtfertigt alles, vielen Dank", soll sich Wald an die Delegierten beim Verbandstag gewandt haben. Am Ende sprach sich die Mehrheit fürs Elfmeterschießen aus.

Nur wenig später übernahm auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Elfmeterschießen, Europas Fußballverband UEFA und der Weltverband FIFA folgten auch. Die Fußballwelt erfreut sich seitdem in schöner Regelmäßigkeit an den großen und kleinen Dramen vom Punkt.

Die Nationalmannschaft und das Elfmeterschießen

Die deutsche Nationalmannschaft war häufiger beteiligt. Bei der EM 1976 drosch erst der heutige FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß den Ball in den Belgrader Nachthimmel, dann lupfte Antonín Panenka gegen Sepp Maier ein sorgte für den Titelgewinn der damaligen CSSR. Besser machten es die deutschen Kicker beispielsweise im WM-Halbfinale 1990 und EM-Halbfinale 1996, jeweils gegen England, oder dem Viertelfinale bei der Heim-WM 2006 gegen Argentinien.

Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München hat gemischte Erinnerungen ans Elfmeterschießen. Schnappten sich die Bayern 2001 gegen den FC Valencia noch den Champions-League-Titel vom Punkt, erlebten die Bayern ausgerechnet im "Finale dahoam", dem Endspiel 2012 in München, gegen Chelsea ihr Waterloo vom Punkt.

Späte Genugtuung für Karl Wald

Karl Wald selbst soll solche Elfmeterkrimis ruhig und gelassen am TV verfolgt haben, aber oft mit einer angenehmen Genugtuung. "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich Recht hatte", sagte Wald einmal. Für ihn war jedes Elfmeterschießen eine Bestätigung, dass seine Regel-Revolution der richtige Weg war.

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Unentschiedene Spiele in Turnieren wurden einst per Los entschieden. Unsportlich empfand es der Penzberger Schiedsrichter Karl Wald. Und entwickelte die Regeln für das Elfmeterschießen, das vor 50 Jahren von Bayern aus die ganze Welt eroberte.