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3. Liga: Freude und Frust liegen beim Neustart nah beieinander | BR24

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Auch in der 3. Liga soll zeitnah der Fußball wieder rollen. Die bayerischen Drittligisten sind froh über den Neustart, anderswo regt sich Widerstand. Nicht alle Klubs glauben, dass sie die finanziellen Mittel haben, um das Hygienekonzept umzusetzen.

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3. Liga: Freude und Frust liegen beim Neustart nah beieinander

In der 3. Liga herrscht nach der Ankündigung der Wiederaufnahme des Spielbetriebs Ende Mai viel Vorfreude, aber auch noch viel Klärungsbedarf. Denn nicht alle Klubs sehen sich imstande, das Hygienekonzept umzusetzen.

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Zehn Drittligaklubs, die Hälfte, haben vom Deutschen Fußball-Bund bekommen, was sie wollten: eine zeitnahe Fortsetzung der 3. Liga-Saison, sofern auch die Politik dem Plan zustimmt. Doch im Vorfeld gibt es große Probleme zu lösen. Der Streit unter den gespalteten Klubs schwelt weiter - die einen wollen weiterspielen, die anderen fordern unverändert einen Abbruch.

Bei Geisterspielen fallen die Ticketerlöse als Haupteinnahmequelle der Klubs weg, die TV-Einnahmen sind vergleichsweise gering. Dazu kommt, dass das verbindliche Hygienekonzept, das sich sehr stark an dem zum Neustart in der Bundesliga und der 2. Liga orientiert, die Vereine zusätzlich vor große finanzielle und logistische Herausforderungen stellt.

Finanziell angeschlagene Vereine mit Konzeptumsetzung überfordert

Eine vertrackte Situation, zum Beispiel für Carl Zeiss Jena. Der Thüringer Verein kann derzeit noch nicht einmal trainieren. Zudem sieht sich der Klub mit den Anforderungen an das Hygienekonzept vor große Hürden gestellt. "Wenn wir uns an alle Vorgaben halten könnten, hätten wir kein Problem damit, die Saison zu Ende zu spielen", sagte Tobias Werner im Gespräch mit dem MDR. Aber: "Wir sind meilenweit davon entfernt, die Hygiene-Bestimmungen umzusetzen."

Dabei denkt der neue Sportdirektor von Carl Zeiss Jena nicht nur an die Kabinen-Situation. Die aufgekommene Kritik an DFB und DFL könne Werner deshalb gut nachvollziehen: "Es wurde noch kein einziger Spieler gefragt, ob er das mitmacht."

Preußen Münster: Hygieneanforderungen finanziell "nicht vertretbar"

Auch bei Preußen Münster sieht man sich dem Aufwand derzeit nicht gewachsen: "Wir stehen weiterhin vor wirtschaftlich für uns kaum lösbaren Aufgabe, und es gibt nach wie vor viele offene Fragen", sagt Sport-Geschäftsführer Malte Metzelder: "Ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager, ein eigener Mannschaftskoch, mehrere Mannschaftsbusse oder zusätzliche Kabinen und Sanitärräume erscheinen für die durch die Pandemie ohnehin finanziell angeschlagenen Vereine nicht vertretbar."

Markus Kompp, Geschäftsführer von Waldhof Mannheim sagt: "Ich glaube, dass ist ein Weg ins Chaos, den wir gerade gehen." Er würde das viel zitierte "Ende mit Schrecken" einem Schrecken ohne Ende bevorzugen.

Henke: "Kosten und Know-how dürfen keine Rolle spielen"

Dem widerspricht Michael Henke. Der Sportchef des FC Ingolstadt glaubt, dass sich die Drittligisten das von "ihrer Infrastruktur her durchaus leisten können." Denn die deutschen Champions-League-Teilnehmer haben der 3. Liga "erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, die die zusätzlichen Kosten abdecken werden", betonte Henke im Video-Interview mit BR24 Sport.

"Ich sehe keinen Grund, warum man dieses Konzept nicht umsetzen kann." Michael Henke

Allerdings: Der DFB hat die Vergabe des Geldes an die Bedingung geknüpft, dass die Klubs tatsächlich weiterspielen. Zahlreiche Hygienemaßnahmen wie auch Corona-Tests müssen die Vereine selbst bezahlen.

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Kann die 3. Liga die Hygienevorschriften, die einen finanziellen Mehraufwand bedeuten, umsetzen oder nicht? Michael Henke, Sportdirektor beim FC Ingolstadt, sieht keinen Grund, warum das Konzept nicht umgesetzt werden kann.

Der Vorstandschef der Würzburger Kickers, Daniel Sauer, stellt fest: "Natürlich ist der finanzielle Aufwand nicht zu unterschätzen, aber für die Zukunft der 3. Liga ist es wichtig, dass die Saison zu Ende gespielt wird."

"Es ist immer eine Sache des Wollens. Wir haben die Fleißaufgabe angenommen." Daniel Sauer

TSV 1860 München fiebert dem Mannschaftstraining entgegen

Auch beim TSV 1860 München fiebert man dem Neustart entgegen. Die Münchner Löwen haben gerade die erste Corona-Testreihe hinter sich gebracht und stehen kurz vor der zweiten. Geschäftsführer Günther Gorenzel rechnet damit, dass der Verein von den Behörden am Donnerstag, spätestens am Freitag, die Genehmigung zur Aufnahme des Mannschaftstrainings bekommt.

"Die Jungs haben sich wirklich acht Wochen hervorragend vorbereitet und brennen alle auf den Re-Start." Günther Gorenzel im BR-Interview

Auch Gorenzel kontert die Bedenken der Saisonabbruch-Befürworter: "Es ist nichts drinnen, was aus meiner Sicht in einem Profiklub nicht machbar und umsetzbar wäre mit kreativen Lösungen", sagt er zum Hygienekonzept der 3. Liga.

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