BR24 Logo
BR24 Logo
Sport

1922 - das Jahr ohne Meister im deutschen Fußball | BR24

© Picture alliance/dpa

Meisterschale mit der Eingravierung 1922: 1. FC Nürnberg/HSV.

Per Mail sharen

    1922 - das Jahr ohne Meister im deutschen Fußball

    Ob es in diesem Jahr einen Deutschen Fußballmeister gibt, steht in den Sternen. Ein Blick auf die Trophäe zeigt einen kuriosen Eintrag aus dem Jahr 1922. Da gab's keinen Sieger. Die spannende Geschichte spielt sich in Mittelfranken ab.

    Per Mail sharen

    Im Mittelpunkt steht dabei der 1. FC Nürnberg. Eine Nebenrolle spielt die SpVgg Fürth.

    Kleeblatt-Ärger für den ruhmreichen 1. FC Nürnberg

    Wir blicken zurück in die glorreichen Zeiten des FCN. Es ist der 12. Februar 1922. Sagenhafte vier Jahre lang hat der Club nicht verloren. Der FCN muss im Nordbayerischen Kreis-Endspiel bei der SpVgg Fürth antreten. Dort kassiert er eine 2:3-Niederlage. Eine Woche später kommt es noch dicker: Auch in Nürnberg gelingt den Kleeblättern ein 2:1-Erfolg. Eigentlich ist der sonst so erfolgreiche 1. FC Nürnberg damit raus aus dem Meisterschaftsrennen. Nur, weil der Club Titelverteidiger ist, darf er trotzdem in der Runde der acht besten deutschen Mannschaften im Kampf um die Meisterschaft weiterspielen.

    Fürth nach drei Spielen raus

    Mit dem Lokalrivalen bekommt es der 1. FC Nürnberg dabei nicht mehr zu tun. Die Kleeblätter liefern sich mit Wacker München zwar einen aufopferungsvollen Kampf über drei Spiele. Nach einer 2:3-Niederlage zu Hause schaffen die Franken durch einen 1:0-Erfolg in München den Ausgleich. Dieser erfordert nach den aktuellen Vorschriften ein Entscheidungsspiel. Auf dem neutralen Platz des TV 1847 Augsburg schlägt Wacker die SpVgg mit 1:0. Fürth ist ausgeschieden.

    Club übersteht die Zwischenrunde

    Der 1. FC Nürnberg hingegen erlebt im Fortgang dieses Titelkampfs eine Odyssee. Die Zwischenrunde übersteht der Club zwar ohne große Hindernisse. Die SpVgg Leipzig-Lindenau wird mit 3:0 und Norden-Nordwest Berlin mit 1:0 ausgeschaltet. Dann folgt aber ein Finale gegen den Hamburger SV, das Geschichte schreibt.

    Finale Teil 1: Eine fast unendliche Geschichte

    Am 18. Juni 1922 absolviert der 1. FC Nürnberg das Hinspiel beim HSV. Bis zur 30. Minute sieht noch alles gut aus für den Club. Zwar geraten die Franken mit 0:1 in Rückstand. Heinrich Träg gelingt (20.) aber der Ausgleichstreffer, Luitpold Popp schießt den FCN (30.) in Führung. Doch vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit schafft Hans Flohr den Ausgleich. Es geht in die Verlängerung. Und die ist nicht - wie heute- limitiert. Ganze 189 Minuten fällt kein Tor. Es wird dunkel und der Schiedsrichter Peter Joseph Bauwens pfeift die Partie deswegen ab.

    © Picture alliance/dpa Foto: Dr. Harro Schwiezer

    Szene aus dem 1. Finalspiel 1922

    Finale Teil 2: 1. FC Nürnberg nach Führung in arger Unterzahl

    Drei Wochen später starten die Kontrahenten einen neuen Versuch. Trotz eines Platzverweises für Willy Böß (18.), schafft Heinrich Träg (48.) die Club-Führung. Doch nach dem Ausgleichstreffer der Hanseaten (69.) geht es erneut in die Verlängerung. Ausgerechnet der Nürnberger Torschütze (100.) wird nach einem argen Foul ebenfalls vom Platz gestellt. Zwei weitere FCN-Akteure sind mittlerweile bereits verletzt vom Platz gehumpelt. Wechsel sind allerdings nicht erlaubt. Und weil nur noch sieben Spieler des 1. FC Nürnberg auf dem Platz stehen, bricht Schiedsrichter Bauwens die Partie ab.

    © Picture alliance/dpa Foto: Dr. Harro Schweizer

    Spieler des 1. FC Nürnberg im zweiten Finale 1922 bei der Pause auf dem Spielfeld, das infolge Überfüllung des Platzes niemand verlassen konnte.

    DFB fällt Entscheidung am Grünen Tisch

    Sportlich ist die Meisterschaft damit nicht entschieden. Der Deutsche Fußball-Bund fällt die Entscheidung am Grünen Tisch. Der Verband erklärt den Hamburger SV zum Meister. Die Hanseaten verzichten aber auf diese höchst fragwürdige Ehre.

    Seitdem ziert die Meisterschale bis heute ein einziger Doppeleintrag: 1922 1. FC Nürnberg/HSV. Wie die Gravierung im Jahr 2020 aussehen wird, das steht jetzt noch in den Sternen.