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1. FC Nürnberg: Wiederaufstieg ja, aber nicht unbedingt sofort | BR24

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Nürnberger Spieler vor ihren Fans nach dem neunten Bundesliga-Abstieg

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1. FC Nürnberg: Wiederaufstieg ja, aber nicht unbedingt sofort

Der 1. FC Nürnberg startet nach dem neunten Bundesliga-Abstieg seiner Geschichte wieder einmal in Liga zwei in die neue Saison. Mit umgebautem Kader, neuen Spielern und einer eigenwilligen Zielsetzung: Der Wiederaufstieg muss nicht sofort passieren.

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So lief die vergangene Saison

Der frühere deutsche Rekordmeister untermauerte seinen Anspruch als alleiniger Rekordauf- und absteiger der Bundesliga. Zum neunten Mal mussten die Mittelfranken nach einer Saison zum Vergessen den Weg in Liga zwei antreten.

Das Hauptmanko der Franken: die fehlende Effektivität vor dem gegnerischen Tor. Mit nur 26 Treffern in 34 Spielen stellte der Club den schwächsten Sturm der Liga. Spielerisch konnten die Nürnberger durchaus mithalten. Selbst Meister München hatten die Franken im Rückspiel am Rande einer Niederlage. Ein verschossener Elfmeter kostete am Ende den möglichen und verdienten Sieg.

Und so konnte man nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen wieder einmal wunderbar das inoffizielle Nürnberg-Motto hervorkramen: "Der Club is a Depp." Denn unvermeidbar war der Abstieg sicher nicht.

Wer kommt, wer geht

Logisch, dass der 1. FC Nürnberg nach dem Bundesligaabstieg wieder einmal seinen Kader umkrempeln muss. Manche Abgänge sorgten zudem für dicke Luft am Valznerweiher. "Wir, und damit meine ich Hanno Behrens, Sebastian Kerk oder auch mich - haben immer gesagt, dass Nürnberg unsere Heimat geworden ist, da haut man trotz eines Abstieges nicht ab", sagte beispielsweise Abwehrspieler Tim Leibold. Und wechselte nur wenig später zum Hamburger SV. Mit U21-Nationalspieler Eduard Löwen (zu Hertha BSC) verlor der Club einen weiteren wichtigen Leistungsträger und Publikumsliebling, Ersatztorwart Fabian Bredlow zog es zum VfB Stuttgart.

Doch seit April 2019 hat der Club mit dem von Fortuna Düsseldorf abgeworbenen Robert Palikuca einen Sportvorstand, der bestens vernetzt ist und einige vielversprechende Verstärkungen nach Franken locken konnte. Von Bundesliga-Mitabsteiger Hannover 96 wechselte Defensivspieler Oliver Sorg zum 1. FCN, vom 1. FC Magdeburg kam der zweitligaerfahrene Felix Lohkemper.

Einen "echten Torjäger" (O-Ton Palikuca) hat sich der Club mit Fabian Schleusener vom SC Freiburg geschnappt. Ein fußballerisches Juwel holt der 1. FC Nürnberg mit Paul-Philipp Besong von Borussia Dortmund. Der Stürmer kommt als frischgebackener deutscher U19-Meister und soll eigentlich in der U21 zum Einsatz kommen. Sportvorstand Palikuca traut ihm aber zu, "dass er schon in der laufenden Saison den Sprung in die Profimannschaft schaffen kann." In eine ähnliche Kategorie fällt der dänische U21-Nationalspieler Asger Sörensen von RB Salzburg, der als Leihspieler die vergangenen beiden Saisons 52 Zweitligaspiele für Ligakonkurrent Regensburg absolvierte.

Zu einer Überraschung könnte sich der Portugiese Iuri Medeiros entwickeln. Der 25-Jährige von Sporting Lissabon galt einst als eines der größten Talente Portugals. Zuletzt war er zum FC Genua und Legia Warschau ausgeliehen, wo er nicht immer überzeugen konnte. Knüpft er in Nürnberg an frühere Glanzzeiten an, hätten sich die Franken ein echtes Schnäppchen (geschätzte Ablöse zwei bis drei Millionen Euro) gesichert.

Der Trainer

Aufstiegstrainer Michael Köllner musste im Februar gehen. Sein Nachfolger Boris Schommers, der den Abstieg nicht verhindern konnte, verließ den Club ebenfalls. Laut Sportvorstand Palikuca wollten die Franken Schommers zwar im Verein halten. Der hatte seine Weiterbeschäftigung aber an die Position des Cheftrainers geknüpft.

Die Trainersuche verlief erstaunlich unaufgeregt. Palikuca präsentierte Mitte Mai den Österreicher Damir Canadi als neuen Chefcoach. Der Wiener hatte zuletzt zwei Mal in Folge - und durchaus überraschend - den griechischen Erstligisten Atromitos Athenin die Europa League geführt. In Österreich führte er von 2013 bis 2016 den Vorarlberger SCR Altach von der zweiten österreichischen Liga bis in die Europa League. Ohne Erfolg blieb Canadi bisher eigentlich nur bei einem kurzen 17-Spiele-Gastspiele mit nur drei Siegen bei Rapid Wien.

Ein Wiener beim 1. FC Nürnberg - war da nicht mal was? Richtig: Unter Max Merkel feierte der Club 1968 seine bisher letzte deutsche Meisterschaft. Und stieg im Folgejahr - als bisher einziger deutscher Titelträger - in die zweite Liga ab. Doch Canadi ist zum Glück kein Trainer, der in der Vergangenheit lebt. Dass er nur nach vorne schaut, unterstrich er schon bei seiner Vorstellung im Mai.

" Erfolge helfen, um die vergangene Saison vergessen zu machen." Damir Canadi
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Club-Trainer Damir Canadi

"Wir haben die Chance, etwas Neues aufzubauen. Das ist für einen Trainer eine tolle Herausforderung", sagte der Österreicher, der beim 1. FC Nürnberg auf Konzentraion in der Defensive und schnelles Umschaltspiel setzen will. Und wie das fränkische Fußball-Herz tickt, hat Canadi auch sehr schnell verinnerlicht.

"Mir ist auf dem Platz wichtig, dass man so auftritt, dass die Fans stolz nach Hause gehen." Club-Trainer Damir Canadi

Erwartungen an die Saison

Natürlich will der 1. FC Nürnberg so schnell wie möglich wieder in der Fußball-Bundesliga spielen. Nur: Der sofortige Wiederaufstieg sei kein "Muss", unterstrichen Canadi und Palikuca. Aber: Der Vertrag des Trainers läuft vorerst auch nur zwei Jahre - und spätestens am Ende dieses Zeitraums soll die Rückkehr in die Bundesliga feststehen.

Bis dahin will Canadi "maximalen Erfolg" und "dynamischen Fußball" bei den Franken entwickeln. Das glückte in der Vorbereitung bisher nur phasenweise. In sieben Testspielen kassierte der Club drei Niederlagen, zuletzt ein 1:2 bei Canadis ehemaligem Verein Rapid Wien. Die Generalprobe für die neue Saison bestreitet der 1. FCN am Samstag (20.07.19) zu Hause gegen Frankreichs Meister Paris St. Germain. Eine Woche später beginnt die Zweitligasaison für die Franken mit einem Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden.