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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verlor ihr EM-Auftaktspiel mit 0:1. Mit Herz, Einsatz und Leidenschaft hatte sie sich die gegen einen Fehlstart gestemmt, doch Weltmeister Frankreich war letztlich eine Nummer zu groß.

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EM-Fehlstart: Eigentor entscheidet Auftaktspiel gegen Frankreich

Der Einsatz stimmte, das Ergebnis nicht: Die deutsche Nationalmannschaft verlor ihr Auftaktspiel bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Frankreich mit 0:1. Ausgerechnet ein Eigentor von Mats Hummels sorgte für die Niederlage der DFB-Auswahl.

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Von
  • Sonja Weinfurtner

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft unterlag trotz einer engagierten, offensiven Spielweise in ihrem ersten Spiel bei der Fußball-EM vor 14.000 Zuschauern in der Münchner Arena mit 0:1 gegen Frankreich. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hielt gut mit, blieb aber zu harmlos. Es fehlten klare Torchancen, die nach dem unglücklichen Eigentor von Mats Hummels noch den Ausgleich hätten bringen können.

Der Weltmeister von 2018 schlug den Weltmeister von 2014. Aufgrund des abgezockteren Auftritts war es ein verdienter Sieg für die Franzosen. Historisch: Es war die erste Auftakt-Niederlage einer DFB-Auswahl bei einer EM-Endrunde.

"Zunächst war es ein intensives Spiel. Wir haben alles in die Waagschale geworfen. Wir haben gefightet bis zum Schluss. Was uns gefehlt hat, war die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Mats Hummels kann man keinen Vorwurf machen. Das ist wirklich Pech." Bundestrainer Joachim Löw

Kimmich rechts außen

Vor Kapitän Manuel Neuer verteidigten Rückkehrer Mats Hummels in der Zentrale sowie Matthias Ginter rechts und Antonio Rüdiger links. Joshua Kimmich agierte rechts außen, Turnier-Neuling Robin Gosens spielte auf der linken Seite. Toni Kroos und Ilkay Gündogan sollten im Mittelfeld für schnelles Umschaltspiel sorgen. Die Dreierreihe in der Offensive wurde vom zweiten Rückkehrer Thomas Müller organisiert, der bei seiner dritten EM-Teilnahme auf sein erstes Tor hoffte. Neben Müller stürmten sein Münchner Klubkollege Serge Gnabry und Kai Havertz, der den Vorzug vor Leroy Sane erhielt.

Die beiden Rückkehrer Müller und Hummels sorgten auch dafür, dass das Durchschnittsalter der Löw-Elf bei 28 Jahren und 347 Tagen lag. Älter war ein deutsches Team bei einem großen Turnier zum letzten Mal bei der EM 2000.

Frankreich mit Hernandez und Pavard

Frankreichs Trainer Didier Deschamps setzte bei seiner Außenverteidigung auf Lucas Hernández und Benjamin Pavard vom deutschen Rekordmeister. Deren Mannschaftskollegen Kingsley Coman und Corentin Tolisso saßen vorerst auf der Bank.

Die deutsche Mannschaft begann mutig - wie vom Bundestrainer angekündigt. Sie dominierte in der Startphase das Geschehen auf dem Münchner Rasen und überzeugte mit schönen Kombinationen und viel Ballbesitz. Nach etwa einer Viertelstunde fanden die Franzosen besser ins Spiel.

Eigentor durch Hummels

Während die erste Chance durch Paul Pogba (16. Minute) noch das Tor von Manuel Neuer verfehlte, zappelte der Ball in der 20. Minute im Kasten des Münchner Keepers: Hernandez flankte scharf in die Mitte, Hummels wollte im Fünfmeterraum vor Kylian Mbappé retten, beförderte die Kugel aber unter die eigene Latte. 1:0 für Frankreich - bitter für den 31-Jährigen.

Sofort im Gegenzug die erste Möglichkeit der DFB-Elf: Allerdings ging Müllers Kopfball am Tor von Hugo Lloris vorbei. Die Löw-Elf ließ sich durch das Gegentor nicht verunsichern, versuchte weiter zu marschieren. Allerdings forderte sie die Franzosen noch zu wenig in der Defensive, die Zuspiele im Strafraum waren zu unpräzise.

Frankreich mit schnellem Umschaltspiel

Gleiches Bild nach dem Seitenwechsel: Die Deutschen zeigten sich zwar leidenschaftlich und mit gutem Zug Richtung gegnerischem Tor, blieben aber zu ungefährlich in ihren Abschlüssen. Die Deschamps-Elf war stärker in den Zweikämpfen und abgezockter in der Spielanlage. Schreckmoment in der 52. Minute: Da fehlte nicht viel zum 2:0, als Juve-Profi Adrien Rabiot aus spitzem Winkel den linken Außenpfosten von Neuers Kasten traf. Als die DFB-Kicker noch einmal die Schlagzahl erhöhten, hatte Gnabry (54.) die größte Chance auf dem Fuß. Aber seine Direktabnahme landete nur auf dem Tornetz.

Erneut Glück für das deutsche Team: Mbappé tanzte in der 66. Spielminute die Abwehrreihe der Löw-Elf aus und setzte den Ball neben den rechten Pfosten ins deutsche Tor - allerdings entschied der spanische Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande zurecht auf eine Abseitsstellung des Franzosen beim vorherigen Zuspiel von Pogba.

Sané und Werner im Spiel

Löw reagierte und brachte Sané für Havertz und Timo Werner für Gnabry. Die DFB-Elf warf alles nach vorne - mit der Gefahr in Konter zu laufen. So in der 85. Minute: Wieder erzielte Frankreich nach einem Konter das 2:0, wieder war es Abseits! Es blieb spannend in der Münchner Arena. Kevin Volland kam für Gosens, Emre Can für Ginter. Aber auch sie konnten sich nicht mehr entscheidend in Szene setzen und für den Ausgleich sorgen.

"Wir wussten, dass Frankreich extrem gut kontert. Da konnten wir nicht immer alles unterbinden. Jetzt sind wir alle enttäuscht, aber jetzt ist noch nichts passiert. Natürlich muss man den Blick nach vorne richten. Wir haben noch zwei Spiele, da können wir alles gerade biegen." Joachim Löw
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Paul Pogba (3. von links) und Serge Gnabry in Aktion.

Letzter Sieg der DFB-Elf gegen Frankreich: 2014

Es bleibt dabei: Deutschland kann nicht mehr gegen Frankreich gewinnen. Der letzte Sieg eines DFB-Teams gegen die Equipe Tricolore wurde im WM-Viertelfinale 2014 notiert.

Nach diesem 0:1 ist der dreimalige Europameister schon vor dem dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (Anstoß: 18.00 Uhr) erneut in München unter Zugzwang: Gegner ist dann Portugal. Cristiano Ronaldo & Co. besiegten Gruppen-Außenseiter Ungarn deutlich mit 3:0.

"Ich glaube, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben, relativ viel gut kontrolliert haben. Ein unglückliches Tor hat das Spiel entschieden. Was uns gefehlt hat, ist ein Tor. Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Wenn du drei Spiele hast und davon eins verlierst, ist der Druck groß." Toni Kroos

Frankreich - Deutschland | 1:0

Frankreich: Lloris/Tottenham Hotspur (34 Jahre/126 Länderspiele) - Pavard/Bayern München (25/36), Varane/Real Madrid (28/76), Kimpembe/Paris St. Germain (25/18), Hernandez/Bayern München (25/27) - Pogba/Manchester United (28/81), Kante/FC Chelsea (30/47), Rabiot/Juventus Turin (26/16) ab 90.+4 Dembele/FC Barcelona (24/25) - Benzema/Real Madrid (33/84) ab 88. Tolisso/Bayern München (26/26), Griezmann/FC Barcelona (30/92), Mbappe/Paris St. Germain (22/45). - Trainer: Deschamps

Deutschland: Neuer/Bayern München (35 Jahre/101 Länderspiele) - Ginter/Borussia Mönchengladbach (27/41) ab 87. Can/Borussia Dortmund (27/35), Hummels/Borussia Dortmund (32/73), Rüdiger/FC Chelsea (28/42) - Kimmich/Bayern München (26/56), Gündogan/Manchester City (30/47), Kroos/Real Madrid (31/103), Gosens/Atalanta Bergamo (26/8) ab 88. Volland/AS Monaco (28/11) - Havertz/FC Chelsea (22/15) ab 74. Sane/Bayern München (25/31), Müller/Bayern München (31/103), Gnabry/Bayern München (25/23) ab 74. Werner/FC Chelsea (25/40). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)

Tor: 1:0 Hummels (20., Eigentor)

Zuschauer: 14.000

Gelbe Karte: - | Kimmich

Gedämpfte Stimmung bei Fußballfans in München

Endlich wieder Fußballfieber - wenn auch nach strengen Corona-Regeln. Zum ersten deutschen Gruppenspiel bei der Europameisterschaft haben Fans vor dem Spiel fröhlich und friedlich gefeiert: Rund 14.000 Zuschauer feuerten das DFB-Team in der Münchner Arena an, 500 Fans verfolgten in Liegestühlen am Olympiasee das EM-Spiel.

Große Fanmeilen und große Public Viewings gab es nicht, die Vorgaben der Regierung verhinderten riesige Menschenansammlungen. Dafür verfolgten viele Interessierte das Spiel entspannt auf größeren Bildschirmen in Kneipen und Biergärten. Nach der Partie überwog allerdings die Enttäuschung über die Niederlage.

© BR
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Endlich wieder Fußballfieber - wenn auch nach strengen Corona-Regeln. Zum ersten deutschen Gruppenspiel bei der Europameisterschaft in München haben Fans fröhlich und friedlich gefeiert.